Türkischer Moscheeverband : Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Ditib wegen Spionage

Haben türkische Imame in Deutschland Gülen-Anhänger bespitzelt? Die türkische Religionsbehörde Diyanet weist einen solchen Auftrag entschieden zurück.

Von Imamen bespitzelt? Der Generalbundesanwalt hat in der Ditib-Affäre Ermittlungen aufgenommen.
Von Imamen bespitzelt? Der Generalbundesanwalt hat in der Ditib-Affäre Ermittlungen aufgenommen.Foto: Mike Wolff

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageaktivitäten im bundesweiten Dachverband der türkischen Moscheegemeinden (Ditib). Das berichtete der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Volker Beck, am Rande einer Sitzung des Bundestags-Innenausschusses. Die türkische Religionsbehörde Diyanet wies eine Bespitzelung von Gülen-Anhängern in Deutschland in ihrem Auftrag am Mittwoch entschieden zurück.

Ditib hatte in der vergangenen Woche bestätigt, dass Imame des Verbands Informationen über Anhänger des in der Türkei als Staatsfeind gesuchten Predigers Fethullah Gülen nach Ankara geschickt hatten. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga sagte dazu der "Rheinischen Post": "Die schriftliche Anweisung des türkischen Religionspräsidiums Diyanet war nicht an die Ditib gerichtet, trotzdem folgten dem einige wenige Ditib-Imame fälschlicherweise."

Ditib werden rund 900 Moscheegemeinden in Deutschland zugerechnet. Der Verband untersteht letztlich der Kontrolle des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Bereits im Dezember wurde in Medien berichtet, das Ditib auf Geheiß türkischer Konsulate womöglich Kritiker Erdogans ausspähte und bei den Konsulaten denunzierte.

Beck erklärte, er habe dazu bereits im Dezember Anzeige beim Generalbundesanwalt erstattet. Nun müsse geklärt werden, ob es in der Zwischenzeit eine Ausreise Tatverdächtiger durch die späte Aufnahme von Ermittlungen gegeben habe.

Diyanet-Chef: Kein Instrument türkischer Außenpolitik

Die türkische Religionsbehörde Diyanet hat derweil eine Bespitzelung von Gülen-Anhängern in Deutschland in ihrem Auftrag bestritten. Diyanet habe Imame des türkischen Islamverbandes Ditib nie damit beauftragt, Informationen über Mitglieder ihrer Gemeinde zu beschaffen, sagte Diyanet-Chef Mehmet Görmez am Mittwoch deutschen Journalisten in Ankara. Die Ditib-Imame in Deutschland bemühten sich lediglich, die Gläubigen vor der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen zu „schützen“.

„Es ist äußerst traurig, dass unsere Bemühung (...) so dargestellt wird, als würden die Diyanet-Beauftragten Spionage betreiben“, sagte Görmez mit Blick auf die Imame. „Natürlich ist es nicht möglich, diese Anschuldigungen zu akzeptieren.“ Kein Imam dürfe „Informationen über das Privatleben von jemandem aus seiner eigenen Gemeinde“ mit anderen teilen. Sollten einzelne Personen falsch gehandelt haben, werde das untersucht. Görmez betonte, Diyanet sei eine religiöse Einrichtung und kein Instrument türkischer Außenpolitik. „Wir waren nie dort, wo wir nicht erwünscht gewesen sind“, sagte der Diyanet-Chef. (AFP, dpa)

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