Türkischer Rechtsextremismus : Radikalisierung unter Jungen

Kaum bemerkt von der deutschen Öffentlichkeit nimmt im Milieu der türkischstämmigen Rechtsextremisten die antikurdische und antisemitische Radikalisierung der Jugend zu.

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In den sozialen Netzwerken im Internet sei eine „sich verschärfende verbale Militanz“ zu beobachten, sagte am Montag eine Expertin des Bundesamts für Verfassungsschutz bei einem Symposium der Behörde in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin. Der Anteil der „Facebook-Generation“ in der rechtsextremen Ülcücü-Bewegung wachse „immens“. Die Ülcücü (Idealisten)-Bewegung, auch bekannt als „Graue Wölfe“, dominiert traditionell das türkische Rechtsaußenspektrum in der Bundesrepublik. Die Bindungskraft der alteingesessenen Organisation ADÜTDF erodiere, die jungen Rechtsextremisten seien für Altaktivisten kaum noch zu erreichen, sagte die Expertin. Sie warnte, in der sich bildenden, auf Facebook und Youtube fixierten türkisch- nationalistischen Jugendkultur „sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt“. Zentrale Feindbilder seien Juden und vor allem Kurden. Zur Illustration zeigte die Verfassungsschützerin Sequenzen aus einem Onlinevideo, in dem vor Bildern mit der türkischen Fahne und einem heulenden grauen Wolf eine junge Frauenstimme in Form eines Raps „Kurde verrecke“ ruft und Kurden pauschal als Anhänger der separatistischen PKK diffamiert. Einige Parolen waren so obszön, dass sich die Expertin beim Publikum für die vorgeführte Wortwahl entschuldigte. Anfällig für die Hetze seien speziell männliche Jugendliche aus der dritten Generation türkischer Einwanderer. Angesichts mangelhafter Integration werde ein Gegenentwurf zur westlichen Gesellschaft gesucht. Der Verfassungsschutz befürchtet, dass die Radikalisierung junger türkischer Rechtsextremisten über das Internet den Dauerkonflikt mit jungen Kurden gerade auch in deutschen Großstädten weiter anheizt. Vor allem in Berlin waren in den vergangenen Jahren mehrmals türkische und kurdische Jugendliche gewaltsam aneinandergeraten.

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