• TV-Reportage aus dem Jahr 2000: Israel weist Schuld an Tod von Palästinenserjungen zurück

TV-Reportage aus dem Jahr 2000 : Israel weist Schuld an Tod von Palästinenserjungen zurück

2000 gingen die Bilder des sterbenden Palästinenserjungen Mohammed al-Dura um die Welt. Sie spielen eine zentrale Rolle beim medialen Schlagabtausch zwischen Israel und Palästina. Eine israelische Regierungskommission bewertet die TV-Reportage nun als „substanzlos“.

Vater und Sohn verstecken sich vor einem Kreuzfeuer, beide werden schwer verletzt, der Junge stirbt noch vor Ort. TV-Kameras zeichnen alles auf.
Vater und Sohn verstecken sich vor einem Kreuzfeuer, beide werden schwer verletzt, der Junge stirbt noch vor Ort. TV-Kameras...Foto: AFP

Eine israelische Untersuchungskommission hat eine Mitverantwortung Israels am Tod des zwölfjährigen Palästinenserjungen Mohammed al-Dura vor laufender Kamera zurückgewiesen. Ein entsprechender Fernsehbericht des französischen Senders France 2 aus dem Jahr 2000 sei „substanzlos“, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Analyse des Ministeriums für internationale Beziehungen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der den rund 40-seitigen Bericht in Auftrag gegeben hatte, sprach von einem „Sieg der Wahrheit über die Lügen“.

Die Aufnahmen des augenscheinlich in den Armen seines Vaters sterbenden Jungen aus dem Gazastreifen vom 30. September 2000 hatten weltweite Aufmerksamkeit erregt und spielten eine wichtige Rolle beim medialen Schlagabtausch zwischen den Palästinensern und Israelis zu Beginn der Zweiten Intifada, des Aufstands der Palästinenser.

Nach Darstellung des für den Fernsehbericht verantwortlichen France-2-Korrespondenten Charles Enderlin war Mohammed al-Dura bei einem Schusswechsel zwischen israelischen Soldaten und palästinensischen Kämpfern verletzt worden. Im Bericht der Untersuchungskommission ist indes von „zahlreichen Hinweisen“ die Rede, dass weder der Junge noch sein Vater Dschamal überhaupt von Kugeln getroffen worden seien. Ballistischen Untersuchungen zufolge sei es auch „extrem zweifelhaft“, dass Einschusslöcher in der gefilmten Umgebung von israelischen Soldaten verursacht wurden.

"Dies ist ein Beleg für die anhaltende, lügnerische Kampagne zur Delegitimierung Israels“, erklärte Netanjahu. Der Ruf seines Landes sei durch die Reportage zu unrecht beschädigt worden. Laut dem Ministerium für internationale Beziehungen hat France 2 zudem Filmszenen herausgeschnitten, auf denen der Zwölfjährige lebend zu sehen sei. Die Herausgabe des ungeschnittenen Originalmaterials habe der Sender aber trotz mehrfacher Anfragen verweigert.

Enderlin sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei jederzeit bereit zu einer unabhängigen öffentlichen Überprüfung des Falls nach internationalen Standards. Auch Dschamal al-Dura sprach sich für eine solche Lösung aus. Der israelische Bericht sei „komplett gefälscht“. „Die Israelis lügen und versuchen, die Wahrheit zu verschleiern“, sagte er AFP. (AFP)

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