Ukraine-Krise : Putin verleiht Auszeichnungen für "Rückführung der Krim"

Russlands Präsident Wladimir Putin ehrt Landsleute, die sich um den Anschluss der Krim „verdient gemacht haben“. Dabei hatte er lange geleugnet, dass Russen an der Erstürmung öffentlicher und militärischer Gebäude beteiligt waren.

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Präsident Putin hat jetzt Landsleute ausgezeichnet, die bei der "Rückführung" der Krim mitgewirkt haben.
Präsident Putin hat jetzt Landsleute ausgezeichnet, die bei der "Rückführung" der Krim mitgewirkt haben.Foto: dpa

Stets ist das russische Staatsfernsehen mit dabei, wenn verdiente Bürger im Kreml Orden und Auszeichnungen entgegennehmen. Tags darauf veröffentlicht auch die „Rossijskaja Gaseta“ – das Amtsblatt der russischen Regierung – die Liste mit den Namen der Geehrten nebst ihren Verdiensten um Mutter Heimat sowie den Text des Präsidentenerlasses für die Verleihung. Doch die Ehrungen Ende März für jene, die sich um die „Rückführung der Krim“, wie die Annexion der Schwarzmeerhalbinsel im offiziellen russischen Sprachgebrauch heißt, verdient machten, liefen offenbar wie eine Sonderoperation der Geheimdienste ab.

Dass sie überhaupt stattfanden, machte erst jetzt die kritische „Nowaja Gaseta“ publik. Dem Blatt war auch eine Liste der Geehrten zugespielt worden. Darunter etwa 200 Kämpfer, die bei Massenkundgebungen für den Russland-Beitritt der Krim oder bei der Erstürmung von Verwaltungsgebäuden und ukrainischen Militärobjekten eine Rolle gespielt hatten. Fakten, die Kremlchef Wladimir Putin lange geleugnet hatte. Jetzt ließ er den Akteuren die Tapferkeitsmedaille sowie von ihm persönlich signierte Ehrenurkunden und Dankesschreiben für „Verdienste um die Festigung der Völkerfreundschaft“ überreichen.

So jedenfalls die „Nowaja Gaseta“, die daraufhin die Vita der Geehrten genauer unter die Lupe nahm. Fazit: Viele haben eine kriminelle Vergangenheit und sind wegen Wohnungseinbrüchen, Raubüberfällen oder Betrugs einschlägig vorbestraft. Einer ist sogar landesweit zur Fahndung ausgeschrieben. Dass dieser den Festakt im Kreml nicht in Handschellen verließ, erklärte ein Satiriker mit „schlechter interner Kommunikation der Machtorgane“.

In der Ostukraine gingen indes am Dienstag die Kämpfe weiter. Nach Angaben der prowestlichen Führung wurden im Raum Kramatorsk mindestens sechs Separatisten erschossen. Zudem seien viele Aufständische mit Verwundungen in Krankenhäuser gebracht worden. Auch das Militär erlitt demnach Verluste. So seien bei Feuergefechten im Gebiet Donezk mehr als 30 Angehörige der Regierungstruppen verletzt worden. Die prorussischen Aufständischen hingegen berichteten vom Abschuss eines Kampfflugzeugs.