Ukraine : US-Armee bildet Soldaten aus

300 US-Soldaten sollen die Streitkräfte in der Ukraine auf Trab bringen, ihnen den Umgang mit militärischen Geräten, aber auch Disziplin beibringen. Moskau ist beunruhigt und sieht durch die westlichen Truppen den Friedensprozess in Gefahr.

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Das US-Militär soll auch die umstrittenen Freiwilligenbataillone trainieren.
Das US-Militär soll auch die umstrittenen Freiwilligenbataillone trainieren.Foto: Oleg Petrasyuk/dpa

Mitte der vergangenen Woche sind die ersten 300 US-Soldaten der 173. Brigade in der Ukraine angekommen. Sie landeten auf dem Flughafen der westukrainischen Stadt Lwiw. Aufnahmen mit wehenden Fahnen und Soldaten in Kampfuniform hat das US-Verteidigungsministerium nun ins Internet gestellt – Bilder, die in Russland für Frust sorgen. Bis Ende 2017 sollen westliche Militärs die ukrainischen Streitkräfte reformieren und neu aufbauen. „Wir haben uns auf den Weg Richtung Westen gemacht, und dieses Mal gibt es kein Zurück“, sagte jüngst Anton Geraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministers Arsen Awakow, während einer TV-Talkshow.

Die ukrainische Armee gilt als undiszipliniert

Die nun gestartete US-Ausbildungsmission trägt den Namen „Fearless Guardian“ (Furchtloser Wächter). Der US- Kongress hatte im August 2014 ein Programm in Höhe von umgerechnet 17,8 Millionen Euro beschlossen. Bereits seit Jahresbeginn liefern die USA der Ukraine sogenannte nicht-tödliche Waffen wie Geländewagen, Kommunikationstechnik, Aufklärungsdrohnen und Nachtsichtgeräte. Nun sollen die ukrainischen Soldaten nicht nur den Umgang mit den Geräten lernen, sondern auch erfahren, wie westliche Streitkräfte strukturiert sind, arbeiten und kämpfen.

Derzeit läuft in der Ukraine eine landesweite Mobilisierungswelle, mit der die Regierung bis zu 60 000 neue Soldaten ausbilden will. Die Truppe und ihre Führung gelten als schlecht ausgerüstet, in weiten Teilen disziplinlos und hochgradig korrupt. Auch deshalb setzt Präsident Petro Poroschenko auf die tatkräftige Unterstützung seiner westlichen Partner.

Nicht der erste Einsatz der Amerikaner in der Ukraine

Unter anderem gehören Soldaten des 91. US-Kavallerieregiments aus dem bayerischen Grafenwöhr den in Lwiw gelandeten Truppen an. Am Freitag begannen sie ihre Arbeit auf dem streng bewachten Truppenübungsplatz in Jaworiw, etwa 50 Kilometer westlich von Lwiw an der polnischen Grenze gelegen. Die US-Soldaten sollen 900 Ukrainer ausbilden, die drei neuen Bataillonen der ebenfalls neuen ukrainischen Nationalgarde angehören.„Nicht nur unsere ukrainischen Kollegen werden jede Menge lernen, auch für uns ist hier vieles neu“, sagt US-Captain Matthew Carpenter, Kommandeur eines Trupps der 173. Brigade. Die Truppe ist normalerweise in ganz Europa im Einsatz und kann innerhalb von 18 Stunden überall auf dem Kontinent zum Einsatz gebracht werden. Im vergangenen September hatten die Männer bereits zusammen mit ukrainischen Streitkräften an dem NATO-Manöver „Rapid Trident“ (Schneller Dreizack) teilgenommen, das ebenfalls in Jaworiw stattfand.

In den nächsten Wochen werden die Amerikaner auch in Kiew, Charkiw, Odessa, Iwano-Frankiwsk und in Vinnista Truppenübungen abhalten. Unter anderem werden auch Soldaten des umstrittenen, als ultranationalistisch und rechtsextrem geltenden Freiwilligen-Bataillons Asow von den US-Militärs ausgebildet.

Doch die USA sind nicht die einzigen, die derzeit Militäraufbauhilfe in der Ukraine leisten. Großbritannien hat seit März Ausbilder in Kiew, und Kanada wird in den kommenden Tagen 200 Spezialisten seiner Streitkräfte ebenfalls nach Jaworiw entsenden. Folgende Punkte stehen nach Auskunft des kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper auf dem Lehrplan: Entschärfung von Munition, Flugsicherheit, Modernisierung der Logistik, medizinisches Training und Übungen der Militärpolizei.

Russland sieht dadurch das Minsker Abkommen in Gefahr

In Russland werden diese Entwicklungen mit Argwohn registriert. Moskau nannte die Ankunft der US-Soldaten „eine Gefahr für die Minsker Vereinbarungen“. Die Anreise der Amerikaner befördere den „Zusammenbruch der in Minsk erzielten Ergebnisse“, heißt es in einer Erklärung des Außenministeriums, die mehrere Nachrichtenagenturen verbreiteten.

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