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Umstrittene Preisverleihung : Erdogan erhält "Steiger-Award" doch nicht

In Bochum sollte der türkische Premier Erdogan mit einem Preis für Toleranz ausgezeichnet werden. Zehntausende demonstrierten dagegen. Nun bekommt Erdogan den "Steiger-Award" doch nicht - weil er nicht erschien.

Der türkische Ministerpräsident Erdogan setzt sich gegen Abtreibungen ein.
Der türkische Ministerpräsident Erdogan setzt sich gegen Abtreibungen ein.Foto: afp

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird nun doch nicht mit dem „Steiger Award“ geehrt. Das teilte der Veranstalter der Bochumer Preisverleihung am Samstagabend mit und verwies auf Erdogans Nicht-Teilnahme. Die kurzfristige Absage seines geplanten Deutschland-Besuchs hatte Erdogan mit dem Absturz eines türkischen Militärhubschraubers am Freitag in Afghanistan begründet.

Erdogan hatte den „Steiger Award“ - eine Auszeichnung für Menschlichkeit und Toleranz - in der Kategorie „Europa“ stellvertretend für das türkische Volk erhalten sollen. Die Laudatio sollte Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) halten.

Am Nachmittag hatten in Bochum 23.000 Menschen gegen Erdogan und seine Politik demonstriert, wie die Polizei mitteilte. „Wir fühlen uns nicht von Erdogan repräsentiert. Er ist ein lupenreiner Antidemokrat, der keinen Preis für Humanismus und Geradlinigkeit bekommen darf“, sagte der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde, Ali Dogan. Die Begründung für die Absage Erdogans sei für ihn eine „Schutzbehauptung“.

Zehntausende zogen am Samstag durch Bochum, um gegen Erdogan zu demonstrieren.
Zehntausende zogen am Samstag durch Bochum, um gegen Erdogan zu demonstrieren.Foto: dapd

Scharfe Kritik an der Ehrung für Erdogan kam im Vorfeld auch aus den Reihen der CSU. Generalsekretär Alexander Dobrindt betonte am Freitag: „Einen Toleranz-Preis ausgerechnet an Erdogan zu vergeben, ist eine bizarre und geschmacklose Fehlleistung. Erdogan hätte einen Preis für Intoleranz verdient.“ Denn in der Türkei herrsche „das krasse Gegenteil von Toleranz, nämlich Unterdrückung von religiösen und ethnischen Minderheiten, mangelnde Pressefreiheit und fehlende Gleichberechtigung von Frauen“.

Mit dem „Steiger Award“ sollten am Abend Königin Silvia von Schweden, Altbundespräsident Horst Köhler, Designer Wolfgang Joop, Journalist Peter Kloeppel, die Musiker Steven Sloane und Tim Bendzko sowie die Schauspieler Hannes Jaenicke und Christine Neubauer ausgezeichnet werden. Der Preis ist nach der traditionellen Aufsichtsperson im Bergbau, dem Steiger, benannt.

(dpa/dapd)

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