Politik : UN werfen Regierung von Sri Lanka Kriegsverbrechen vor

26.04.2011 22:30 UhrVon Christine Möllhoff
Gegenprotest. Muslimische Mädchen Foto: REUTERS
Gegenprotest. Muslimische Mädchen - Foto: REUTERS

In den letzten Jahren des Bürgerkriegs sollen bis zu 40 000 unschuldige Tamilen massakriert worden sein

Es war ein unfassbares Massaker, das sich in der Schlussphase des Bürgerkrieges in Sri Lanka abspielte. Und die Zahl der Toten überstieg offenbar alle Befürchtungen: Bis zu 40 000 Zivilisten, vorwiegend Tamilen, sollen allein in den letzten beiden Kriegsjahren 2008 und 2009 auf der Tropeninsel umgebracht worden sein – die allermeisten im Bombenhagel der Regierungstruppen. Dies ergab ein nun vorgelegter Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen. Darin kommen die Autoren zu dem Schluss, dass es „glaubwürdige Beweise“ gibt, dass Sri Lankas Regierung – ebenso wie die inzwischen ausgelöschte Führung der Tamilen-Rebellen – Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.

Der damalige UN-Sprecher in Sri Lanka, Gordon Weiss, sprach bereits von Sri Lankas „Srebrenica-Moment“ – analog zu dem Massaker in Bosnien in den 90er Jahren.

Die Tamilen-Rebellen der LTTE hatten zum Ende des Krieges hunderttausende Tamilen als menschliche Schutzschilde missbraucht und auf einem Küstenstreifen im Norden der Insel mit Waffengewalt festgehalten. Trotzdem bombardierten die Regierungstruppen offenbar selbst die Schutzzonen für Zivilisten gnadenlos. „Zehntausende starben von Januar bis Mai 2009, viele anonym im Gemetzel der letzten Tage“, heißt es in dem UN-Bericht. Auch sollen Soldaten Zivilisten erschossen haben, nachdem diese sich bereits in deren Obhut begeben hatten. Die Regierung habe zudem Krankenhäuser und UN-Gebäude beschießen lassen.

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka, der insgesamt 80 000 bis 100 000 Todesopfer forderte, war nach 26 Jahren im Frühjahr 2009 mit einem Blutbad zu Ende gegangen. Colombo hatte damals alle Ausländer – Journalisten, Helfer, Diplomaten – aus der Kampfzone verwiesen, offenbar weil man keine Zeugen wollte.

Sri Lankas Regierung hatte versucht, die Veröffentlichung des UN-Berichts zu verhindern. Doch schon seit Tagen waren Teile durch die Medien gegeistert. Am Montag gab UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Report schließlich offiziell frei. Eine internationale Untersuchung ordnete er aber nicht an. Internationale Ermittlungen bedürften des Einverständnisses der Regierung Sri Lankas oder müssten von einem geeigneten „intergouvernementalen Forum“ angeordnet werden, erklärte Ban. Damit meinte er nach Angaben von UN-Mitarbeitern den Menschenrechtsrat oder den Sicherheitsrat der UN.

Der frühere Militärchef und heutige Oppositionsführer Sarath Fonseka hatte erklärt, er sei bereit, über Kriegsverbrechen auszupacken. Die Regierung hat den schwer kranken Fonseka aber ins Gefängnis werfen lassen, wo er seit rund einem Jahr sitzt – ohne dass der Westen sich für ihn starkmacht. Auch die UN spielten keine besonders rühmliche Rolle in den letzten Tagen des Krieges. Der damalige sri-lankische UN-Sprecher Weiss wirft der Weltorganisation kaum verhohlen Versagen vor. Tatsächlich versteht es Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse geschickt, die rivalisierenden Interessen etwa der USA, Chinas und Indiens, die alle Einfluss in Sri Lanka wollen, gegeneinander auszuspielen – und so laute internationale Kritik zu unterbinden.

Sri Lankas Regierung wies den UN-Bericht entschieden zurück. mit AFP

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite