Politik : Unmut in der SPD über Bahr

Frank Jansen

Berlin - In der SPD regt sich Unmut über die prominenten Altgenossen Egon Bahr und Friedhelm Farthmann. Mit zwei offenen Briefen versuchen einige Sozialdemokraten, Bahr und Farthmann von Auftritten bei Berliner Burschenschaften abzuhalten. Bahr, einst Bundesminister und Vertrauter Willy Brandts, ist für Sonnabend als Redner bei einem Seminar „Europa und die Türkei“ angekündigt, zu dem die schlagende Burschenschaft Gothia einläd. Die Gothia, bei der schon andere Demokraten auftraten, zählt zum umstrittenen Verband „Burschenschaftliche Gemeinschaft“. Ihr gehört auch die Münchner Danubia an, deren „Aktivitas“ (aktive Mitglieder) Bayerns Verfassungsschutz als rechtsextreme Organisation auflistet. Ein Sprecher des Berliner Verfassungsschutzes sagte, „Grundproblem“ bei Burschenschaften sei, dass es neben honorigen älteren Mitgliedern auch jüngere gebe, „die zu bedenklichen Ansichten neigen“.

Am Sonntag soll dann der frühere nordrhein-westfälische Sozialminister Farthmann bei einem „Vereinigungskommers Berliner Korporationen“ den Festvortrag zum 15. Jahrestag der Wiedervereinigung halten. Anmeldungen zur Veranstaltung nimmt die Gothia entgegen.

Die Briefe an Bahr und Farthmann haben Juso-Chef Björn Böhning, SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen, der Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy und Ralf Höschele vom Vorstand der Juso- Hochschulgruppen unterzeichnet. Sie halten Burschenschaften für „nicht mit den Grundwerten der Sozialdemokratie vereinbar“. Es sei nicht akzeptabel, dass Parteimitglieder durch Reden vor Burschenschaften daran mitwirken, dass diese „an Einfluss gewinnen und ihr elitäres und undemokratisches Weltbild salonfähig wird“. Bahr wird zudem vorgehalten, dass bei der Veranstaltung am Sonnabend auch der in den Rechtsextremismus abgedriftete Berliner Dozent Bernd Rabehl auftritt. Von Bahr war keine Stellungnahme zu erhalten. Farthmann sagte, auch wenn es bei Burschenschaften „obskure Tendenzen“ gebe, äußere er dort erst recht seine Meinung.

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