Politik : Unter Kommunisten

11.12.2011 22:21 UhrVon Matthias Meisner
Foto: p-a/dpa Foto: picture alliance / dpa
Foto: p-a/dpa - Foto: picture alliance / dpa

Ministerium lässt Lehrmaterial zu Linksextremisten extern erstellen – das Ergebnis ist umstritten.

Berlin - Das Bundesfamilienministerin hat Ärger mit der Zeitung „Neues Deutschland“ (ND). Aus seinem Etat wurde eine Broschüre für Lehrer zum Thema Linksextremismus gefördert – und das der Linkspartei nahestehende Blatt dort aufgeführt. Ministerin Kristina Schröder (CDU) hat das Vorwort geschrieben. Ihr Haus aber erklärt, für die Inhalte des Schulmaterials im Detail nicht zuständig zu sein.

Nach einer Beschwerde der Zeitung gab das Ministerium zu, es sei nicht bekannt, auf welche Informationen insgesamt sich die in München ansässige Zeitbildstiftung als Herausgeberin der Broschüre stütze. Der Leiter des Presse- und Informationsstabes im Ministerium, Christoph Steegmans, führt an, dass „tatsächlich“ das „Neue Deutschland“ in einigen Verfassungsschutzberichten der Länder erwähnt werde.

„Ob der Zeitbildstiftung noch weitere Anhaltspunkte vorlagen, ist uns nicht bekannt.“

Im Verfassungsschutzbericht des Bundes wird das ND im Kapitel zu linksextremistischen Verlagen und Publikationen nicht erwähnt. „Von den wenigen bundesweit vertriebenen Publikationen ist die traditionskommunistische Tageszeitung ,Junge Welt’ mit über 17 000 Exemplaren das bedeutendste Printmedium der linksextremistischen Szene“, heißt es dort, es habe der „Klassenkampfidee und der Symbolik von Hammer und Sichel (…) nicht abgeschworen“. Würde das ND vom Verfassungsschutz des Bundes für linksextremistisch gehalten, hätte ihm in dem vom Bundesinnenminister präsentierten Bericht der Spitzenplatz gebühren müssen – denn seine Auflage liegt mit knapp 40 000 deutlich höher als die der „Jungen Welt“. Aber offenbar sieht die Kölner Behörde das nicht so.

Die 36-seitige Broschüre „Demokratie stärken – Linksextremismus verhindern“ erwähnt das ND dagegen in einem Atemzug nicht nur mit der „Jungen Welt“, sondern auch mit der DKP-Zeitung „Unsere Zeit“ sowie der „Roten Fahne“ der marxistischen Splitterpartei MLPD. „Beiträge in diesen Medien unterstützen kommunistische bzw. anarchistische Weltdeutungen und diskreditieren zugleich gegenläufige Nachrichten als ,bürgerlichen Manipulationszusammenhang’“, heißt es undifferenziert. Sie hätten meist die Aufgabe, die Leser zu „einseitigem politischem Aktivismus zu ermuntern“. Im Vorwort der Broschüre schreibt Schröder: „Wir müssen gegenüber sämtlichen extremistischen Tendenzen und Auffassungen wachsam sein.“

Die Zeitbildstiftung wurde 2006 von einem Internet-Unternehmer gegründet, laut Selbstdarstellung „eine operative Stiftung, die eigene Projekte initiiert und durchführt“, als gemeinnützig anerkannt. Aus dem Familienministerium heißt es, bewusst werde „Zuwendungsempfängern“ solcher Projekte mehr Spielraum gegeben als Auftragnehmern von Broschüren, die das Ministerium herausgibt. Mit wie viel Geld die Broschüre gefördert wurde, konnte Sprecher Steegmans am Sonntag nicht sagen.

ND-Chefredakteur Jürgen Reents kritisiert, in der Broschüre würden „Information und Aufklärung durch (irreführende) Parolen ersetzt“. Das betreffe nicht nur seine Zeitung. „Verwunderlich und abwegig“ nennt er es, dass SPD-Gründervater Ferdinand Lassalle zwischen einem Anarchismus-Symbol, einem Lenin-Engels-Marx-Banner und einem Roten Stern abgebildet werde. Linksextremistisch sei seine Zeitung nicht. Als Chefredakteur werde er sogar regelmäßig zu einer Gesprächsrunde zusammen mit anderen Kollegen bei der Bundeskanzlerin eingeladen. Reents verlangt, Inhalte solchen Lehrmaterials müssten vom Ministerium geprüft werden. Der Verweis auf eine Stiftung als externer Herausgeber sei nur „eine Ausrede“.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite