Unterstützung für Deniz Yücel : Hupen für die Freiheit

Mehrere hundert Demonstranten protestieren in Berlin gegen die Untersuchungshaft für den "Welt"-Türkeikorrespondenten Deniz Yücel. Kritik gibt es auch an der Bundesregierung.

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Demonstranten halten am 28.02.2017 vor der Türkischen Botschaft in Berlin Schilder mit der Aufschrift "#FreeDeniz" für die Freilassung des deutschen Journalisten Deniz Yücel in die Höhe.
Demonstranten halten am 28.02.2017 vor der Türkischen Botschaft in Berlin Schilder mit der Aufschrift "#FreeDeniz" für die...Foto: Gregor Fischer/dpa

Hupende Autos und Menschen in weißen T-Shirts, auf denen das Konterfei von Deniz Yücel zu sehen ist: Auf einer Demonstration, die vor dem Kino International in Berlin-Mitte begann, haben am Dienstagabend Hunderte die Freilassung des „Welt“-Reporters gefordert. Die Kundgebung war dabei nur der Auftakt. In einem gemeinsamen Korso fuhren Autos und Fahrräder anschließend quer durch die Stadt, um ein Zeichen für den inhaftierten Journalisten zu setzen.

Seit am Montagabend in der Türkei Untersuchungshaft gegen den „Welt“-Korrespondenten verhängt wurde, reagieren Regierung, Parteien und Journalistenverbände in Deutschland mit Unverständnis und Empörung. Die Solidarität wächst. Auch in Berlin. Dort hatte die Facebook-Initiative „#FreeDeniz“ zu dem Solidaritäts-Korso aufgerufen. Ähnliche Veranstaltungen fanden in elf weiteren Städten im gesamten Bundesgebiet und in Österreich statt, darunter auch in Hamburg, München und Wien. Was die Menschen allerorts einte, war ihre Forderung, dass Deniz Yücel freigelassen wird - genauso wie 154 weitere in der Türkei inhaftierte Journalisten.

„Wir fordern die Bundesregierung auf, unbedingt den Druck zu erhöhen“, sagte Ivo Bozic, Mitinitiator des Berliner Autokorsos und Mitherausgeber der linken Wochenzeitung „Jungle World“. „Wir wissen, dass die Situation ernst ist. Das ist ja alles kein Spaß.“

Forderungen an die Kanzlerin

Während sich die Autos langsam durch die Hauptstadt schlängelten, versammelten sich einige Straßen weiter noch einmal gut 300 Menschen vor der türkischen Botschaft. Mit von der Partie auch bundespolitische Prominenz. Etwa der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch.

Auch von den Grünen erschien Führungspersonal: Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und Co-Parteichef Cem Özdemir. Es sei „höchste Eisenbahn, dass die Bundesregierung und die Europäische Union aufhören Wattebäuschen-Weitwurf zu betreiben, sondern endlich Klartext reden“, sagte er in einer Ansprache an die Demonstranten. „Deniz Yücel muss freigelassen werden.“

Initiiert hatte die Kundgebung der Grünen-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu. Der sieht in der Verhaftung Yücels eine neue Eskalationsstufe erreicht. „Es ist ein Zeichen dafür, dass Ankara sich keine Gedanken macht, wie Berlin tickt und keinen Hehl daraus macht, Wünsche der Bundesregierung zu ignorieren“, sagte er. Statt „warmer Worte“ und „Samthandschuhen“ forderte er von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nun klare Worte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Demokratie abgeschafft und die Pressefreiheit mit Füßen getreten wird“, sagte er.

Warum Ankara Yücel inhaftiert hat, konnte sich Mutlu derweil nicht erklären. „Vielleicht nehmen sie ihn nur als Pfand für irgendwelche politischen Forderungen.“ Dass die Regierung im Fall Yücel ein Machtwort sprechen muss, darüber sind sich an diesem Abend alle einig. Zweifel herrschen allerdings darüber, ob sie es auch tun wird.

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