Politik : Uran-Munition: Für die Nato sind die Plutonium-Spuren unbedeutend

Die Nato hat offiziell bestätigt, dass die umstrittene Uran-Munition auch geringe Mengen hochgiftigen Plutoniums enthält. "Es ist schon lange bekannt, dass es Spuren von Uran-236 und Plutonium in abgereichertem Uran geben kann", hieß es in einer Erklärung des Bündnisses in Brüssel. Experten zu Folge seien die gefundenen Mengen aber so gering, dass sie "kein Grund zur Besorgnis" seien. Der Nato-Sprecher verwies darauf, dass eine entsprechende Untersuchung der US-Regierung seit Dezember im Internet zugänglich ist (http:// www.gulflink.osd.mil/du_ii/ ). 0,8 Prozent der Strahlung rührten unter anderem von Plutonium her.

In dem umfangreichen Dokument wird freilich nur kurz erwähnt, dass abgereichertes Uran Spuren von Spaltprodukten wie Neptunium, Plutonium und Americium enthalten könne. Der Strahlenschutz-Koordinator der Berliner Charité, Peter Wust, sagte dem Tagesspiegel, schon ein Millionstel Gramm Plutonium verursache eine deutliche Strahlenbelastung. Spuren davon könnten die Leukämie-Fälle bei Kosovo-Soldaten erklären. Bevor aber der Anteil nicht genau feststehe, müsse man sich mit Behauptungen "in beide Richtungen zurückhalten".

Ein Schweizer Labor hatte in Nato-Munition aus dem Kosovo geringe Mengen von Uran 236 gefunden. Dieses Uran-Isotop ist, anders als die in der Munition bisher entdeckten abgereicherten Formen von Natur-Uran, ein Abfallprodukt der Atomindustrie. Somit könne eine Verunreinigung mit gefährlichem Plutonium nicht mehr ausgeschlossen werden.

Im Bundestag hat das Thema zu einem heftigen Schlagabtausch geführt. Verteidigungsminister Rudolf Scharping wies den Vorwurf zurück, Gefahren verharmlost und jetzt nur auf öffentlichen Druck hin gehandelt zu haben. Die gefundenen Plutonium-Spuren besäßen eine ganz neue Dimension. Dafür nehme er auch in Kauf, dass es "in den USA die eine oder andere Verstimmung gibt", sagte Scharping. Zur weiteren Untersuchung hat das Ministerium einen Arbeitsstab eingerichtet, den der langjährige Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", Theo Sommer, leiten soll.

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