Ursula von der Leyen bei "Was nun...?" : Ministerin in der offensiven Verteidigung

Sie gilt als ehrgeizig und machtbewusst. Am Montagabend stellte sich Verteidigungsministerin den Fragen des ZDF zu den aktuellen Problemen bei der Bundeswehr. Und sie beantwortete auch die Frage, ob sie Kanzlerin werden will.

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"Was nun?" – Die Verteidigungsministerin stellte sich am Montagabend im ZDF dieser Frage.
"Was nun?" – Die Verteidigungsministerin stellte sich am Montagabend im ZDF dieser Frage.Foto: dpa

Die Sache mit den Vorgängern will sie auf keinen Fall so stehen lassen. "Ich habe nicht die Vorgänger kritisiert", sagt Ursula von der Leyen, "da kann er auch kein einziges Zitat liefern!" Er, das ist Horst Seehofer. Der CSU-Chef hat es als unfein gegeißelt, dass die Verteidigungsministerin Probleme in ihrem Ressort als Hinterlassenschaften früherer Jahre bezeichnet hat. So was tue man nicht. Wer solche Freunde hat, braucht eigentlich keine Gegner mehr. Die hat sie aber obendrein, und jede Menge Probleme dazu. Als Ursula von der Leyen in ihr neues Amt kam, war sie der Star des Kabinetts. Nach nicht ganz einem Jahr sitzt sie am Montagabend im ZDF-Studio und muss sich nach "Was nun...?" befragen lassen. Was die Vorgänger angeht: So schnell haben die das nicht geschafft.

Aber rasch wird klar in den knappen 20 Minuten Kreuzverhör: Kapitulation kommt nicht in Frage. 60 Prozent der Deutschen trauen ihr den Job nicht zu? "Ich bin neu, ich bin eine Frau, die nicht gedient hat – ich muss mich überhaupt auch erst beweisen!" Zuschauer Justus Joppich fragt sich, ob für sie das Ministeramt nicht bloß Sprungbrett ins Kanzleramt ist? "Ganz sicher nicht", sagt Leyen. Ihre Stimme wird ganz tief dabei.

Die Frage kommt abgewandelt später noch einmal, als ZDF-Chef Peter Frey und seine Berliner Bürochefin Bettina Schausten spielerisch Halbsätze zur Ergänzung vorgeben. Aber Leyen ist auf der Hut: Nein, nein, in ihrer Generation sei Angela Merkel die Bundeskanzlerin. Dem Halbsatz "Wer Ehrgeiz als meine Stärke empfindet ..." widerspricht sie aber nicht: "Bei einem Mann würde man von Durchsetzungsfähigkeit sprechen!"

Doch mit dem Durchsetzen ist es schwierig, wo die Voraussetzungen fehlen. Ob nicht, fragt Frey denn auch, ihre frühe Forderung voreilig gewesen sei, Deutschland müsse mehr Verantwortung übernehmen, zumal angesichts der realen Misere ihrer Armee? "Ich glaube, wir alle wissen, dass Deutschland mehr Verantwortung übernehmen kann und wird", behauptet Leyen. In vielen anderen Fragen kommt die Ministerin notgedrungen nur bis zur Selbstverteidigung: Der üble Zustand bei vielen Großgeräten sei Folge einerseits des zehrenden Afghanistan-Einsatzes, andererseits der Verspätungen der Industrie, und außerdem wisse man jetzt wenigstens mal, woran man sei. Übrigens auch dank der Vorarbeiten von Thomas de Maizière. Die Sache mit den Vorgängern will sie wirklich nicht so stehen lassen.

Eine andere aber erst recht nicht. Seit sie die deutsche Rüstungsbranche in wichtige und nicht ganz so wichtige Bereiche eingeteilt hat, schießt sich die SPD auf Leyen ein: Wie man denn den Panzerbau oder die U-Boote aus Kiel nicht mehr als deutsche Schlüsseltechnologie sehen könne! Doch da wird sie lebhaft. U-Boote – "super, da kann ich voll mitgehen!" Nur: Die Bundeswehr brauche jetzt noch genau zwei davon und das nächste in 20 Jahren. Wer U-Boote zur Schlüsseltechnologie erkläre, der müsse über Export reden. Und dafür sei ja nun mal der Wirtschaftsminister zuständig: "Wer A sagt, muss auch B sagen!" Kapitulation, wie schon gesagt, kommt nicht in Frage.

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