US-Engagement am Hindukusch : Trump will neue Strategie für Afghanistan vorstellen

US-Präsident Trump befürwortet eine „transaktionale Außenpolitik“, bei der die USA eine messbare Vergütung ihrer Mühen in der Welt erhalten. So auch in Afghanistan.

US-Präsident Donald Trump.
US-Präsident Donald Trump.Foto: null

Der erste Arbeitstag nach den Ferien fällt vielen Menschen schwer, und auch Donald Trump ist es am Montag möglicherweise so gegangen. Auf den US-Präsidenten wartete nach dem Ende seines Golf-Urlaubs in New Jersey gleich eine ganz besonders schwierige Entscheidung. Nach monatelangem Streit innerhalb seiner Regierung wollte Trump am Abend (03.00 Uhr am Dienstag MESZ) eine neue Strategie für den Krieg in Afghanistan vorstellen.

Formell betrifft Trumps Beschluss zwar nur das US-Engagement am Hindukusch – doch die Entscheidung wird auch Ausschluss darüber geben, wie der Präsident seine isolationistisch-populistischen Wahlkampfparolen mit der komplizierten Realität der internationalen Politik in Einklang bringen kann. Freunde und Feinde Amerikas werden das Ergebnis aufmerksam analysieren.

Grundsätzlich hat der 71-jährige Immobilienunternehmer im Weißen Haus für langwierige militärische Abenteuer seines Landes in fernen Ecken der Welt nicht viel übrig. Vor einigen Jahren forderte er einen raschen Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zum Kampf gegen Al Kaida und die Taliban in das zentralasiatische Land geschickt worden waren. Derzeit sind rund 8000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert.

US-Generäle fordern etwa 4000 weitere US-Soldaten

Trumps Verteidigungsminister James Mattis räumte im Juni ein, dass die USA keine großen Fortschritte gegen die Taliban machen. Die radikal-islamische Miliz ist auf dem Vormarsch: Laut einem Expertenbericht für den Kongress kontrolliert die vom Westen gestützte afghanische Regierung lediglich 57 Prozent der Fläche des Landes, das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr. US-Generäle fordern etwa 4000 weitere US-Soldaten, um die Taliban zurückzudrängen.

Darüber wurde innerhalb der US-Administration in den vergangenen Monaten heftig gestritten. Isolationisten und Populisten wie der vorige Woche entlassene Chefstratege Stephen Bannon forderten einen US-Rückzug; Bannon schlug vor, statt den amerikanischen Soldaten künftig private Söldner in Afghanistan kämpfen zu lassen. Realpolitiker wie Mattis und Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster verlangten dagegen, auch nach 16 Jahren Krieg in Afghanistan und dem Tod von mehr als 2000 US-Soldaten dort dürfe Amerika das Land nicht einfach seinem Schicksal überlassen.

Soldaten der afghanischen Armee bewachen einen Kontrollpunkt in Kabul.
Soldaten der afghanischen Armee bewachen einen Kontrollpunkt in Kabul.Foto: dpa

Dass Trump einen radikalen Truppenrückzug aus Afghanistan verkünden würde, galt in den Stunden vor Trumps Rede am Montag als ausgeschlossen; Minister Mattis betone ausdrücklich, er sei sehr zufrieden mit den Gesprächen über die neue Strategie. Allerdings dürfte es mit Trump auch kein einfaches „Weiter so“ geben.

Möglicherweise wollte sich der Präsident ganz um die schwierige Entscheidung herumdrücken: Er gab Mattis freie Hand zur Entsendung weiterer Soldaten, doch der Verteidigungsminister will dies erst tun, wenn der Präsident eine neue Strategie abgezeichnet hat. Laut Medienberichten könnte Trump eine weitere Erhöhung der US-Truppenstärke in Afghanistan mit Forderungen an die afghanische Regierung etwa bei der Korruptionsbekämpfung verbinden.

"Transaktionale Außenpolitik"

Doch auch wenn solche Bedingungen zum Teil der neuen Strategie erklärt werden, steht Trump vor einem Drahtseilakt. Seinen Anhängern hat er schnelle Siege gegen die Taliban und gegen den Islamischen Staat (IS) sowie eine Konzentration aller Kräfte auf das eigene Land versprochen. Bannons Internetseite, die bei rechtsgerichteten Trump-Fans beliebte Breitbart News, fährt seit einiger Zeit eine Kampagne gegen McMaster, dem vorgeworfen wird, eine Ausweitung des amerikanischen Engagements in der Welt anzustreben. Angesichts dieser Stimmung an der Basis weitere US-Soldaten in ein weit entferntes Kampfgebiet zu schicken, ist für Trump innenpolitisch riskant.

Ohnehin ist der Präsident ein erklärter Gegner von US-Bemühungen um den Aufbau von Demokratien in anderen Ländern. Er befürwortet eine „transaktionale Außenpolitik“, bei der die USA eine messbare Vergütung ihrer Mühen in der Welt erhalten. Deshalb machte Trump die Einhaltung der Schutzzusage in der NATO von höheren Beitragszahlungen der europäischen Partner abhängig.

Im Fall des Afghanistan-Krieges, der den amerikanischen Steuerzahler rund vier Milliarden Dollar im Monat kostet, hat Trump laut Medienberichten sein Interesse an Bodenschätzen des asiatischen Landes bekundet. Afghanistan besitzt reiche Vorräte an Gold, Kupfer und Mineralien, die unter anderem für die Computer-Herstellung wichtig sind. Da sich auch China um eine Ausbeutung dieser Ressourcen bemüht, betonte Trump den Berichten zufolge bei internen Beratungen, er werde nicht das Leben amerikanischer Soldaten aufs Spiel setzen, um sichere Bedingungen für chinesische Bergbauunternehmen zu schaffen.

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