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US-Enthüllungsbuch : Angeblicher Augenzeugenbericht zur Tötung Bin Ladens wird veröffentlicht

Ein Autor, nach eigenem Bekunden Ex-Mitglied der US-Spezialkräfte Navy Seals, berichtet in einem neuen Buch von der Tötung Osama Bin Ladens. Seine Darstellung widerspricht in einigen Punkten Angaben der US-Regierung. Meldungen, der Autor habe über einen Selbstmord Bin Ladens spekuliert, sind aber falsch.

Wie kam Al-Qaida-Chef Osama bin Laden wirklich ums Leben?
Wie kam Al-Qaida-Chef Osama bin Laden wirklich ums Leben?Foto: dapd

Auszüge aus einem Enthüllungsbuch über die tödliche Kommandoaktion gegen Osama bin Laden sorgen für Wirbel. Der unter dem Pseudonym Mark Owen schreibende Autor, der nach eigenem Bekunden an der Aktion in Pakistan im Mai 2011 teilnahm, widerspricht in seinem Buch offiziellen Angaben der US-Regierung zu den Todesumständen des Terrorchefs. In „No Easy Day“ („Kein einfacher Tag“) legt Owen - der eigentlich Matt Bissonnette heißt - nahe, Bin Laden sei bereits von Kugeln getroffen worden, bevor Mitglieder der Navy Seals sein Schlafzimmer betraten. Bin Laden sei offenbar von einer Kugel am Kopf getroffen worden, als er aus der Tür seines Schlafzimmers in einen Flur im Obergeschoss seines Anwesens geblickt habe.

Der Autor erklomm nach eigenen Angaben hinter dem ersten Soldaten des Trupps die Treppen. Der Führer des Kommandos habe einen Mann aus einer Tür in ein Treppenhaus lugen sehen. Dann habe er zwei von einem SEAL-Mitglied abgefeuerte Schüsse gehört, schreibt Owen. Ob sie trafen, wisse er nicht. Die SEALs seien ins Zimmer gestürmt und hätten einen Mann vorgefunden, der sich in einer Blutlache gekrümmt habe. Auf der rechten Seite seines Kopfes habe ein deutlich sichtbares Loch geklafft, zwei Frauen hätten sich schluchzend über seinen Körper gebeugt. Als sie ihm dann das Blut vom Gesicht gewischt hätten, seien sie sicher gewesen, dass es sich um Bin Laden gehandelt habe. Der erste Soldat habe die zwei Frauen beiseitegeschoben, schrieb der Autor weiter. Dann hätten er und weitere SEALs Schüsse auf Bin Laden abgefeuert, bis er sich nicht mehr bewegt habe.

Die Darstellung der Ereignisse widerspricht Angaben der US-Regierung, wonach die US-Spezialkräfte erst dann auf Bin Laden schossen, als dieser sich in das Schlafzimmer zurückgezogen hatte. Dort, vermuteten sie, habe er nach einer Waffe greifen wollen. Das Buch könnte erneut Fragen aufwerfen, ob Bin Laden von vornherein getötet werden sollte - auch, weil der Autor davon spricht, Bin Laden sei unbewaffnet gewesen.

Das US-Verteidigungsministerium hat mit der Überprüfung des Enthüllungsbuchs begonnen, um es auf möglichen Geheimnisverrat hin zu untersuchen. Das Buch soll in der kommenden Woche auf Englisch erscheinen. Dschihadisten riefen im Internet zum Mord am Autoren auf. Der wies unterdessen einen politischen Hintergrund der Veröffentlichung von sich. Das Erscheinen seines Buches solle auch nicht als Einflussnahme auf die anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA verstanden sein, erklärte der Autor in einem CBS-Interview laut Vorabbericht.

Als Resultat einer falschen Übersetzung herausgestellt haben sich unterdessen Meldungen mehrerer deutscher Online-Medien, auch des Tagesspiegels, der Autor habe über einen Selbstmord Bin Ladens spekuliert. Tatsächlich ist die Rede davon, Bin Laden sei schon tödlich verletzt gewesen, bevor die Soldaten sein Schlafzimmer betraten - dies beruht jedoch nicht, wie zwischenzeitlich fälschlicherweise für möglich gehalten, auf Spekulationen über einen Selbstmord, sondern auf der Behauptung, dass Bin Laden nicht erst im Schlafzimmer, sondern schon im Flur von Kugeln getroffen worden sei. (dapd, dpa, Tsp)

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