US-Präsident : Trumps Chefberater gilt Kritikern als Rassist und Antisemit

Im Wahlkampf war Steve Bannon für die rechtspopulistischen Töne Donald Trumps zuständig. Seine Nominierung zum Chefberater stößt nun auf massive Kritik.

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Steve Bannon (links) und Donald Trump am Rande einer Wahlkampfveranstaltung Foto: Joe Raedle/Getty Images/AFP
Steve Bannon (links) und Donald Trump am Rande einer WahlkampfveranstaltungFoto: Joe Raedle/Getty Images/AFP

Bürgerrechtsgruppen in den USA haben mit scharfer Kritik auf die Ernennung des Rechtspopulisten Steve Bannon zum Chefberater des designierten Präsidenten Donald Trump reagiert. Mit dem Einzug von Bannon ins Weiße Haus würden islamophobe Verschwörungstheorien salonfähig, erklärte der islamische Dachverband CAIR. Die Organisation SPLC, die Hassverbrechen dokumentiert, warf Bannon vor, eine „weiß-nationalistische“ Ideologie zu verbreiten. Andere Kritiker sprachen von antisemitischen Tendenzen bei Bannon.

Trump hatte am Wochenende den republikanischen Parteipolitiker Reince Priebus, der für einen gemäßigten Kurs steht, zum künftigen Stabschef im Weißen Haus ernannt, zugleich aber Bannon zum Chefstrategen gemacht. Damit habe Trump zwei rivalisierende Machtzentren in seiner Umgebung geschaffen, analysierte die „New York Times“.

Bannons Aufstieg löst auch bei den Republikanern Unruhe aus

Bannon, Chef der rechtsgerichteten Internetseite Breitbart News, ist der Architekt des rechtspopulistischen Kurses von Trump im Wahlkampf, der rhetorische Ausfälle gegen Muslime, andere Minderheiten und Frauen beinhaltete. Bannon gilt als einer der führenden Köpfe der Alternativen Rechten, einer rechtsnationalistischen, islamophoben und antisemitischen Strömung. Die Organisation ADL, die gegen Antisemitismus kämpft, erklärte, Bannons Ernennung sei ein „trauriger Tag“.

Auch in Kreisen der Republikanischen Partei löst Bannons Aufstieg auf einen hohen Regierungsposten Unruhe aus. „Die rassistische, faschistische extreme Rechte“ werde nur wenige Schritte vom Oval Office entfernt sein, schrieb der republikanische Wahlkampfmanager John Weaver auf Twitter.

Seit der Wahl am vergangenen Dienstag häufen sich Berichte über Beschimpfungen und tätliche Angriffe, mit denen Trump-Anhänger gegen Muslime und Mitglieder anderer Minderheiten vorgehen. CAIR sprach von einer ganzen Welle „rassistischer Angriffe“ im Land. Eine muslimische Studentin in Louisiana wurde nach eigenen Angaben von zwei Männern attackiert, die sie zu Boden schlugen, ihr Kopftuch abzogen und ihre Geldbörse raubten. Einer der Angreifer soll eine Kappe mit der Aufschrift „Trump“ getragen haben.

"Hört auf damit", sagt Trump. Er wolle das Land einen

In einem Interview mit dem Fernsehsender CBS verurteilte Trump diese Übergriffe und rief seine Anhängerschaft zur Ruhe auf. „Hört auf damit“, sagte der Wahlsieger. Er wolle das Land einen.

Verwirrung herrscht nach wie vor über Trumps Ankündigung einer harten Linie gegen illegale Einwanderer. Der designierte Präsident sagte CBS, zwei bis drei Millionen straffällige Ausländer ohne Papiere sollten abgeschoben oder interniert werden. Für eine solche Aktion wäre wahrscheinlich zusätzliches Personal nötig, doch Paul Ryan, der Chef der Republikaner im Repräsentantenhaus, erklärte im Sender CNN, die neue Regierung plane keinerlei „Abschiebe-Einheit“ der Sicherheitsbehörden.

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