US-Präsident und sein Team : Donald Trumps bizarre Kabinettsshow

Unter Donald Trump sind auch Kabinettstreffen anders. Das jüngste wurde zu einer schrägen Vorführung der Selbstgefälligkeit des US-Präsidenten und der Ergebenheit seines Teams. Beißender Spott kam prompt.

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Eine neue Art von Kabinettstreffen: US-Präsident Donald Trump
Eine neue Art von Kabinettstreffen: US-Präsident Donald TrumpFoto: AFP/Nicholas Kamm

Kabinettstreffen in den USA sind in der Regel eine kurze Angelegenheit - zumindest der öffentliche Teil. Der Präsident und seine Mannschaft sitzen um einen großen Tisch herum, Fotografen und TV-Teams dürfen ein paar Aufnahmen machen, der Chef sagt ein paar Sätze, Reporter rufen ein paar Fragen, der Präsident bleibt die Antworten schuldig - und Schluss. So weit die Routine, wie US-Journalisten sie beschreiben.

Am Montag aber machte Donald Trump, der seine gesamte Mannschaft versammelt hatte, alles anders und ganz in seinem persönlichen Stil.

Der US-Präsident nutzte die Gelegenheit, um die aus seiner Sicht herausragende Bilanz seiner ersten gut 140 Tage im Amt zu ziehen. "Es hat noch keinen Präsidenten gegeben (...), vielleicht mit wenigen Ausnahmen (...), der mehr getan hat als ich", lobte Trump mit etwas kruder Logik und in gewohnter Manier seine diversen Gesetzesvorhaben. (Da hatte ein weiteres US-Gericht gerade das von Trump per Dekret verhängte Einreiseverbot für Muslime für ungültig erklärt und es damit weiter blockiert. Aber geschenkt.)

Trump beließ es jedoch nicht dabei, sich selber zu rühmen und die Großtaten seiner Administration hervorzuheben - er gab auch noch reihum seinen Ministern und Mitarbeitern am Tisch das Wort, um auch aus deren Mund Lob und Preis zu hören.

Das Ergebnis war erwartbar.

Den Anfang machte Vizepräsident Mike Pence. "Es ist das größte Privileg meines Lebens, Vizepräsident unter einem Präsidenten zu sein, der seine Versprechen an das amerikanische Volk hält", sagte Pence.

Dann kam Justizminister Jeff Sessions dran, der es auch "als Ehre" empfindet, unter Trump arbeiten zu dürfen. "Und die Resonanz im Land ist fantastisch", fügte Sessions hinzu.

So ging es weiter. "Größtes Privileg", "unglaubliche Ehre", "große Erfolge" - die Redewendungen wiederholten sich. Trump lauschte derweil selbstzufrieden und gab das Wort immer weiter, wie ein Lehrer, der seine Musterschüler aufruft.

Schließlich war dann auch Stabschef Reince Priebus an der Reihe. Und dessen Lob für seinen Chef grenzte an Schwärmerei. "Im Namen der ganzen Führungskräfte um Sie herum, Herr Präsident, danken wir Ihnen für die Möglichkeit und die Gnade, die Sie uns gegeben haben, um Ihrer Agenda und dem amerikanischen Volk zu dienen", sagte Priebus.

Den anwesenden Journalisten verschlug die sonderbare Vorstellung fast die Sprache. Auf Twitter reagierten einige nahezu ungläubig. "Ich habe noch nie solch ein Kabinettstreffen erlebt", schrieb Jake Tapper von CNN.

Glenn Thrush von der "New York Times" bezeichnete das "endlose Treffen" als eine der "ausnehmend peinlichsten öffentlichen Veranstaltungen", denen er je beigewohnt habe. Auch seine Kollegin Julie Davis konnte sich nicht an ein Kabinettstreffen erinnern, bei dem alle den Präsidenten loben, "während dieser beifällig nickt."

Eine schnelle Reaktion kam vom demokratischen US-Senator Chuck Schumer. Der stellte das bizarre Mannschaftstreffen des Präsidenten einfach mit Mitgliedern seines Teams als Parodie nach.

"GROSSARTIGES Treffen heute mit den besten Mitarbeitern in der Geschichte der Welt!!!", twitterte Schumer ganz im Stile des Präsidenten.

In einem kurzen Spottvideo lässt sich Schumer dann reihum von seinem Team loben. "Ich komme gerade aus dem Fitnessstudio. Wie sehen meine Haare aus?", fragt Schumer etwa eine Mitarbeiterin. "Sie haben großartiges Haar. Niemand hat bessere Haare", antwortet sie.

Ein Mitarbeiter ergreift dann das Wort und zitiert fast wörtlich Trumps-Stabschef Priebus. "Ich will danken für die Chance und die Gnade, Ihrer Agenda zu dienen", sagt Schumers Mann. Dann bricht die Runde in Gelächter aus.

Der ehemalige Berater von Präsident Barack Obama, David Axelrod, erklärte: "Auf mich wirkte das nord-koreanisch." In dem abgeschotteten kommunistischen Land gibt es einen ausufernden Personenkult um Machthaber Kim Jong Un.


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