US-Präsidentschaftswahlen : Vier Wege, Trump zu verhindern

Unter den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern liegt Donald Trump unangefochten vorn. Dennoch gäbe es Möglichkeiten, seinen Siegeszug noch zu stoppen.

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Donald Trumps Stärken, die ihn in die aussichtsreiche Position gebracht haben, sind zugleich große Schwächen.
Donald Trumps Stärken, die ihn in die aussichtsreiche Position gebracht haben, sind zugleich große Schwächen.Foto: REUTERS

Donald Trumps Siegeszug beunruhigt Bürger und Politiker, in den USA ebenso wie in Europa. Angesichts seiner herabsetzenden Äußerungen über Latinos, Musime und Frauen sowie der Ankündigung, Folter als Verhörmethode zuzulassen, bereitet vielen die Aussicht Sorge, dass er Präsident werden könnte.

Doch wie groß sind seine Chancen, ins Weiße Haus einzuziehen, überhaupt? Welche Wege gibt es, das zu verhindern? Und wer sind diejenigen, die ihn verhindern können?

1. Trump verhindert sich selbst

Der erste und wichtigste Grund, warum Trump nicht Präsident wird, ist er persönlich. Die Stärken, die ihn in die aussichtsreiche Position gebracht haben, sind zugleich große Schwächen. Er appelliert an die niedrigen Instinkte der Bürger, zum Beispiel die Distanz zu Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe, Religion, die sich entweder als Überlegenheitsgefühl oder als Furcht vor Bedrohung ausdrücken kann. Er nutzt traditionelle Verhaltensmuster von Männern gegenüber Frauen, von Vorurteilen bis zum Sexualtrieb, etwa in seiner persönlichen Fehde mit Megyn Kelly, der Moderatorin des konservativen TV-Senders Fox. Als sie ihn kritisch befragte, insuinierte er, dieses Verhalten sei durch Menstruation gesteuert.

Da viele dieser Instinkte den Menschen nicht fremd sind, gewinnt er dadurch einen Teil der Wähler. Andere schreckt dieser bewusste Tabubruch ab.

Trump hat generell ein überdurchschnittliches Gespür dafür, wie Menschen von ihrer Umgebung wahrgenommen werden, was ihre Schwachstellen sind und wie man sie bloßstellen kann. Über seinen bedächtigen und nicht gerade vor Temperament sprühenden Rivalen Jeb Bush sagte er treffend, der sei ein Kandidat mit „low energy“. Bush wurde das Etikett nicht mehr los.

Trump brachte auch Marco Rubio zur Strecke, unter anderem weil er sich über dessen Körpergröße, die Stiefel mit hohen Absätzen, die vergleichsweise hohe Stimme, seine Neigung zum Schwitzen und andere Äußerlichkeiten lustig machte.

Auch diese für Trump so typische Versuchung, andere der Lächerlichkeit preis zu geben, nimmt ein Teil der Wähler als Stärke und Grund für Bewunderung wahr. Andere stößt dieses Verhalten ab.

Wenn zu viele Wählerinnen und Wähler sich direkt oder indirekt von Trump beleidigt fühlen, weil sie sich einer Gruppe zurechnen, die er angegriffen hat – Frauen, Latinos, Schwarze, aber auch überzeugte Anhänger der Gegenkandidaten, die Trump mit fragwürdigen Methoden zum Aufgeben brachte -, schränkt das seine Fähigkeit, eine Mehrheit bei der Wahl zu gewinnen, entscheidend ein.

2. Die republikanischen Vorwähler verhindern Trump

Trump hat die meisten Vorwahlen unter allen republikanischen Präsidentschaftskandidaten gewonnen und führt in der Zählung der Delegierten für den Parteitag im Juli so klar, dass wohl kein Konkurrent ihn mehr überholen kann. Zugleich hat er aber erst die gute Hälfte der Delegierten sicher, die er für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat benötigt, nämlich 637 von 1237. 30 Staaten haben bereits abgestimmt, nur 20 halten noch Vorwahlen ab.

Wenn die Bürger, die sich als Anhänger der Republikaner ausgeben und zu den republikanischen Vorwahlen gehen, weiter ihre Stimmen auf mehrere Kandidaten verteilen und keine hohen Siege Trumps zulassen, wird es ihm schwer fallen, über die Hürde von 1237 Delegierten zu kommen. Und dann steht er jedenfalls nicht vor dem Parteitag Mitte Juli in Cleveland als Präsidentschaftskandidat fest.

3. Der Parteitag verhindert Trump

Die offizielle Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten nimmt der Parteitag vor. Bisher war das meist eine reine Formalität, weil aus den Ergebnissen der Vorwahlen eindeutig war, welcher Bewerber die absolute Mehrheit der Delegierten hinter sich hat. 2016 könnte das anders sein. Wenn Trump die absolute Mehrheit fehlt und die erste Probeabstimmung daran scheitert, können die Parteiorganisationen der einzelnen Bundesstaaten „ihre“ Delegierten nach und nach von der Bindung an die Kandidaten befreien. Sie dürfen dann frei abstimmen.

Wenn eine geschickte Parteitagsregie ein „Dark Horse“ ins Rennen bringt – einen neuen Kandidaten, der gar nicht in den Vorwahlen angetreten sein muss -, mit dem die verschiedenen Parteiflügel sich anfreunden können, hätte Trump das Nachsehen. Aus verschiedenen Gründen ist die Mehrheit der Amtsträger in der Partei gegen Trump.

Für diesen Fall hat Trump nun vor „Unruhen“ und Zornausbrüchen seiner Anhänger gewarnt – und zwar so doppelzüngig, wie er das öfter tut. Er selbst rufe keineswegs zu Widerstand auf, aber er könne nicht verhindern, wenn seine Anhänger ihrem berechtigten Frust Luft machten.

4. Amerikas Wähler verhindern Trump

Selbst wenn Trump der offizielle Kandidat der Partei würde, wäre er damit noch immer nicht Präsident. Wer ins Weiße Haus einzieht, entscheiden die Bürger in der Hauptwahl am 8. November. Mutmaßlich wird Hillary Clinton die Kandidatin der Demokraten. Auch sie ist keine ideale Wahl, auch gegen sie gibt es Bedenken aus den Reihen der Partei und, mehr noch, aus der Gesellschaft. Eine Mehrheit der Bürger sagt, Hillary Clinton sei nicht vertrauenswürdig.

Eine Mehrheit der Bürger sagt, Hillary Clinton sei nicht vertrauenswürdig.
Eine Mehrheit der Bürger sagt, Hillary Clinton sei nicht vertrauenswürdig.Foto: dpa

Doch die Ablehnung Trumps ist ungleich größer. Nicht einmal unter erklärten Anhängern der Republikaner gibt es eine Mehrheit für einen Präsidenten Donald Trump. Erst recht nicht in der Gesamtgesellschaft. Wenn die Demokraten auch nur annähernd die bunte Koalition mobilisieren können, die Obama zwei Mal zu eindeutigen Siegen verhalf, hat Trump schlechte Aussichten: die Mehrheit der weiblichen Wähler, drei Viertel der Latinos, über 80 Prozent der Afroamerikaner, und die überwältigende Mehrheit der jüngeren Wähler.

Es müssten schon sehr besondere Umstände in den Wochen vor der Wahl eintreten, die dieses Kalkül umdrehen: schwere Fehler Hillary Clintons in den zwei TV-Debatten, eine bislang unbekannte Angriffsfläche der Clintons oder ein Terroranschlag. Oder alle drei Dinge zugleich.

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