US-Präsidentschaftswahlkampf : Links, wo die Verachtung wohnt

Sind Ausgrenzung und Empörung rechte Phänomene, während sich Linke als tolerant erweisen? Eine Umfrage in Amerika, bezogen auf Clinton- und Trump-Anhänger, kommt zu einem anderen Ergebnis.

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Genießt in Amerika nicht nur Sympathien - Hillary Clinton.
Genießt in Amerika nicht nur Sympathien - Hillary Clinton.Foto: AFP

Wo wird eigentlich kräftiger gehasst, inniger verachtet, leidenschaftlicher verdammt? Von links nach rechts oder von rechts nach links, wenn solche Schablonen überhaupt noch erlaubt sind? Die einen brüllen „Lügenpresse“, die anderen rufen „Rassisten“ zurück. Wutbürger allerorten. Tiefe Spaltungen. Keine Verständigung mehr – und erst recht keine Toleranz. Allerdings heißt es oft, seien Ausgrenzung, Empörung und Zorn eher rechte Phänomene, während Linke, zumindest manchmal, den Dialog suchen.

Die jüngste Umfrage des respektierten „Pew Research Center“ kommt dagegen, bezogen auf den US-Wahlkampf, zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Anhänger von Hillary Clinton wurden gefragt, ob sie dieser Aussage zustimmen: „Es fällt mir schwer, jemanden zu respektieren, der eine Präsidentschaft von Donald Trump unterstützt.“ Das bejahten 58 Prozent. Dem gegenteiligen Satz „Ich habe keine Probleme damit, jemanden zu respektieren, der eine Präsidentschaft von Donald Trump unterstützt“ stimmten 40 Prozent der Clinton-Anhänger zu. Eine klare Mehrheit der Clinton-Anhänger zollt dem politischen Gegner also keinen Respekt.

Eine Mehrheit der Trump-Anhänger respektiert den politischen Gegner

Im Fall der Trump-Anhänger fiel das Ergebnis fast  genau entgegengesetzt aus. Nur vierzig Prozent stimmten der Aussage zu „Es fällt mir schwer, jemanden zu respektieren, der eine Präsidentschaft von Hillary Clinton unterstützt“. Hingegen bejahten 56 Prozent die Aussage „Ich habe keine Probleme damit, jemanden zu respektieren, der eine Präsidentschaft von Hillary Clinton unterstützt“. Eine klare Mehrheit der Trump-Anhänger respektiert den politischen Gegner.

Interessant ist die Pew-Umfrage auch, wenn die Gruppen spezifischer untersucht werden. Bei weißen Frauen (68 Prozent) und College-Absolventen (66 Prozent), die Clinton unterstützen, sind die Aversionsgefühle gegenüber den Trump-Sympathisanten am stärksten ausgeprägt. Bei denen wiederum nimmt die Intensität der Ablehnung des demokratischen Gegners mit dem Alter zu. Nur 29 Prozent der jungen Republikaner zwischen 18 und 34 Jahren fällt es schwer, einen Clinton-Anhänger zu unterstützen. Das aber sagen 45 Prozent der Über-65-Jährigen.

Das Klischee von den toleranten Demokraten und den intoleranten Republikaner ist offenbar just das – ein Klischee.

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