Politik : US-Schüsse auf Journalistenhotel

General: Wir mussten irakische Soldaten ausschalten / Augenzeugen: Es gab keine Angriffe aus dem Gebäude

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Bagdad/Belfast/New York (Tsp). Amerikanische und irakische Bodentruppen haben sich am Dienstag in Bagdad den zweiten Tag in Folge heftige Gefechte im Regierungsviertel geliefert. Dabei wurden auch drei Journalisten durch USBeschuss getötet. Zum zweiten Mal seit Beginn des Irak-Krieges hatte zuvor die US-Luftwaffe versucht, mit einem gezielten Schlag die irakische Führung und Präsident Saddam Hussein auszuschalten. Ob dies gelang, blieb unklar. US-Präsident George W. Bush und der britische Premier Tony Blair kündigten an, den UN eine „entscheidende“ Rolle beim Wiederaufbau des Iraks einzuräumen.

Bei einem US-Panzerangriff auf das Hotel „Palestine“, in dem fast alle ausländischen Journalisten untergebracht sind, wurden zwei Kameramänner getötet, ein Ukrainer, der für die Nachrichtenagentur Reuters arbeitete, und ein Spanier, der für den Madrider Sender Tele 5 in Bagdad war. US-Kommandeur Buford Blount von der 3. US-Infanteriedivision verteidigte den Angriff auf das Hotel mit den Worten, der Panzer sei von dort aus mit Raketen und Schusswaffen angegriffen worden. Die irakischen Soldaten hätten ausgeschaltet werden müssen. Stanley McChrystal vom US-Generalstab sagte, die Soldaten hätten nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht zur Selbstverteidigung. Nach Angaben der Korrespondenten von ARD und ZDF haben die Journalisten, die sich im Hotel aufhielten, keine irakischen Kämpfer in dem Gebäude gesehen. Vielmehr meldeten die Journalisten erhebliche Zweifel an der US-Version an. Der US-Brigadegeneral Vincent Brooks sagte, aus der Hotel-Lobby seien Schüsse abgegeben worden. Die Panzergranate schlug jedoch im 15. Stock des Gebäudes ein. Am Dienstag wurde außerdem das Büro des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira von Bomben getroffen. Dabei kam ein Kameramann ums Leben. Die spanische Regierung empfahl den Journalisten des Landes, die irakische Hauptstadt Bagdad zu verlassen.

Nach Geheimdienstinformationen über ein Treffen Saddam Husseins mit seinen Söhnen wurden vier schwere Bomben auf ein Restaurant im westlichen Stadtteil Mansur abgeworfen. In drei dabei zerstörten Gebäuden wurden bis zu 14 Menschen verschüttet. „Ich weiß nicht, ob Saddam überlebt hat. Das einzige, was ich weiß, ist, dass er seine Macht verliert“, sagte Präsident Bush dazu.

Die 3000 britischen Soldaten, die die südirakische Stadt Basra eingenommen haben, sind nach eigenen Angaben bereits dabei, in der zweitgrößten Stadt des Landes eine lokale Verwaltung einzurichten. Der britische Militärsprecher Oberst Chris Vernon sagte: „Basra ist jetzt frei.“ Es werde aber noch einige Tage dauern, um „die Situation zu zementieren“. Die humanitäre Situation sei nicht dramatisch.

Nach ihrem Treffen in Belfast betonten Bush und Blair, sie wollten den UN auch ein Mitspracherecht bei der Bildung der irakischen Übergangsregierung einräumen. Konkretere Angaben machten sie nicht. UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte am Dienstagabend eine gerade erst angekündigte Europareise überraschend wieder ab.

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