US-Vizekandidaten : Ryan und Biden liefern sich hartes TV-Duell

Die Kandidaten schenkten sich nichts: US-Vizepräsident Joe Biden und der republikanische Shootingstar Paul Ryan haben bei ihrem ersten und einzigen TV-Duell aggressiv und leidenschaftlich debattiert. Nach Obamas schwachem Auftritt gegen Romney zeigte sein Stellvertreter nun Zähne.

Heftiger Schlagabtausch: Der Republikaner Paul Ryan und US-Vizepräsident Joe Biden beim TV-Duell
Heftiger Schlagabtausch: Der Republikaner Paul Ryan und US-Vizepräsident Joe Biden beim TV-DuellFoto: afp

Die US-Vizepräsidentschaftskandidaten Joe Biden und Paul Ryan haben in ihrem ersten und einzigen Fernsehduell um die amerikanische Außenpolitik gestritten. Biden bezeichnete Ryans Äußerungen einmal als „einen Haufen Quatsch“ und erklärte in der Debatte am Donnerstagabend (Ortszeit) in Danville im US-Staat Kentucky: „Nicht ein einziges Wort, das er gesagt hat, stimmt.“ Die Kandidaten schenkten sich nichts, unterbrachen sich gegenseitig und fielen auch Moderatorin Martha Raddatz ins Wort.
Der republikanische Herausforderer Ryan warf dem demokratischen Amtsinhaber Biden vor, die Regierung von Präsident Barack Obama habe im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das US-Konsulat in Libyen versagt. Die Regierung habe den US-Botschafter Chris Stevens, der bei dem Anschlag in Bengasi zusammen mit drei weiteren Amerikanern getötet wurde, nicht ausreichend geschützt. Die USA erlebten derzeit, wie sich die Außenpolitik von Präsident Obama auflöse, erklärte der 42-jährige aus Wisconsin. Der Status Amerikas in der Welt sei geschwächt worden.

Der 69-jährige Biden nannte den Tod der vier Männer in Bengasi eine Tragödie und sagte, die USA würden die Täter zur Rechenschaft ziehen und sicherstellen, dass sich Fehler nicht wiederholten. Obama habe die USA mit fester Hand und einer klaren Vision geführt, sagte der Demokrat und erklärte, der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney würde das Gegenteil tun.

Obama vs. Romney - der Wahlkampf in Bildern
Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die Staaten, in denen sich die Wahl entscheiden soll. Hier geht's lang.Weitere Bilder anzeigen
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05.11.2012 12:03Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die...

Mit Blick auf das iranische Atomprogramm warf Ryan Obama vor, dieser habe Teheran erlaubt, vier Jahre näher an den Bau einer Atombombe heran zu kommen. Er beschuldigte die Regierung, nicht zu ihrem Verbündeten Israel zu stehen. Biden erwiderte, die Regierung habe die härtesten Sanktionen der Geschichte gegen Iran umgesetzt. Er sei zuversichtlich, dass man dem iranischen Atomprogramm einen schweren Schlag versetzen könne.

Auch beim Umgang mit dem Bürgerkrieg in Syrien waren sich die Kandidaten nicht einig. Ryan warf der Regierung Untätigkeit vor und erklärte, sie verlagere die Außenpolitik zu den Vereinten Nationen. Biden führte an, die USA brauchten nicht noch einen Bodenkrieg im Nahen Osten. Wenn Ryan und Romney Soldaten nach Syrien schicken wollten, sollten sie das einfach sagen.

Biden stand unter Druck, den schwachen Eindruck wettzumachen, den Obama in der Debatte mit Romney hinterlassen hatte. Er sprach dann auch die wunden Punkte Romneys an, die Obama in seiner Debatte unberührt gelassen hatte. So verwies Biden auf die Kritik Romneys an der staatlichen Rettung der Automobilindustrie. Eine solche Reaktion sei jedoch nicht überraschend, wenn man Romneys kürzlich aufgezeichneten Kommentar kenne, wonach 47 Prozent der Amerikaner sich als Opfer betrachten, die von der Regierung abhängig sind und keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen wollen.


Das öffentliche Aufeinandertreffen von Vizepräsidentschaftsbewerbern hat in der Vergangenheit kaum jemals Einfluss auf das Rennen um das Weiße Haus gehabt. Es dürfte allenfalls als Grundlage für die zweite Debatte zwischen Obama und Romney dienen, die für kommenden Dienstag geplant ist. In der ersten Debatte hatte Obama keinen guten Eindruck hinterlassen. Sein Vorsprung in einigen entscheidenden Staaten schmolz dahin.
In 41 US-Staaten gilt das Rennen zwischen Obama und Romney bereits als entschieden. Damit bleiben neun Staaten, in denen beide Kandidaten heftig um die Wähler werben, darunter Ohio. Bisher hat keine Republikaner je die Präsidentschaftswahl gewonnen, ohne diesen Staat für sich zu entscheiden. (dapd)

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