Politik : Vatikan verordnet Null-Toleranz Kirchen sollen Regeln zu Missbrauch verschärfen

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Rom - Systematische Vertuschung von Kindesmissbrauch durch Priester und Kirchenmitarbeiter soll es künftig nicht mehr geben. Der Vatikan hat die Bischofskonferenzen aller Länder aufgefordert, innerhalb eines Jahres Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch zu erarbeiten – beziehungsweise zu verschärfen – und zur Genehmigung in Rom vorzulegen. Die Glaubenskongregation erklärt in ihrem am Montag veröffentlichten Rundbrief eine „angemessene Reaktion“ auf solche Verbrechen „zu den wichtigen Verantwortlichkeiten des Bischofs in Hinblick auf das Gemeinwohl der Gläubigen und den Schutz Minderjähriger“. Eine Bagatellisierung oder Vertuschung von Missbrauchsfällen zum Schutz der Kirchenhierarchie – wie es bisher häufig galt – wird damit ausgeschlossen.

Klarer als in den vatikanischen Vorschriften bisher ordnet die Glaubenskongregation eine rückhaltlose Zusammenarbeit mit staatlichen Strafverfolgungsbehörden an. Die Bischöfe müssten beispielsweise eine Anzeigepflicht „immer beachten“. Schärfer als bisher ist auch die Bestimmung, dass ein Priester nicht in die „öffentliche Seelsorge“ zurückkehren kann, „wenn dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige darstellt oder ein Ärgernis in der Gemeinde hervorruft“. Der einfachen Versetzung belasteter Priester, wie er bis in die jüngsten Monate vorkam, ist damit ein Riegel vorgeschoben. Die Diözesen sollen ferner Informationen über solche Kleriker austauschen. Im schlimmsten Fall, so ist es seit Juli 2010 klargestellt, kann ein Priester auch ohne kirchliches Gerichtsverfahren vom Papst entlassen werden. Bereits seit einem Jahr sind „Kauf, Besitz und Verbreitung kinderpornographischen Materials“ ein Straftatbestand nach kirchlichem Recht.

Die Vorstellungen des Vatikan hinsichtlich künftiger landeskirchlicher Regelungen ähneln den deutschen, die im August 2010 verschärft wurden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zeigte sich am Montag denn auch zufrieden: „Der Heilige Stuhl hat unsere Arbeit anerkannt“, erklärte der Freiburger Erzbischof. Paul Kreiner

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