Verband für liberale Muslime : Neues Forum will Partner für die Politik sein

Eine neue muslimische Organisation will den Islam-Verbänden Konkurrenz machen, die konservative Positionen vertreten. Initiator ist die Konrad-Adenauer-Stiftung.

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Die Adenauer-Stiftung hat das Forum initiiert.
Die Adenauer-Stiftung hat das Forum initiiert.Foto: dpa

Liberal gesinnte Sunniten, Schiiten, Aleviten und Jesiden haben sich zu einem „Muslimischen Forum Deutschland“ zusammengeschlossen. Die neue Organisation will den Islam-Verbänden Konkurrenz machen, die allesamt theologisch konservative Positionen vertreten. Zu den 15 Erstunterzeichnern gehören die Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide und Erdal Toprakyaran, die Zentren für Islamische Theologie an den Universitäten Münster und Tübingen leiten, sowie die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der Berliner Psychologe und Mendelssohn-Preisträger Ahmad Mansour.

„Die Teilnehmer des Forums treten für Demokratie und Menschenrechte ein und möchten der Mehrzahl der in Deutschland lebenden und bisher nicht vertretenen Muslime Gehör verschaffen“, heißt es im Gründungspapier, das an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt werden soll. Die im Koordinationsrat der Muslime zusammengeschlossenen Dachverbände sprechen zwar für die Mehrheit der Moscheegemeinden, aber nur für etwa ein Viertel der mehr als vier Millionen Muslime in Deutschland.

Das neue Forum möchte der „Politik einen weiteren Ansprechpartner anbieten, der die unartikulierten Positionen von Muslimen in Deutschland wiedergibt“. Zu besprechen gibt es viel zwischen Politik und Muslimen: Viele Bundesländer sind dabei, islamischen Religionsunterricht einzuführen; immer mehr Universitäten denken über Lehrstühle für Islamische Theologie nach. Künftig soll es auch islamische Wohlfahrtsverbände geben.

Die liberalen Muslime treten für ein theologisch fundiertes Islamverständnis ein, das „ mit der deutschen Lebenswirklichkeit“ übereinstimmt“. Sie wehren sich gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung von Muslimen und wollen „jede Form religiös oder ideologisch motivierter Gewalt friedlich bekämpfen“.

Das neue Forum hat sich auf Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung gegründet, die der CDU und den Kirchen nahesteht. „Wir wollen eine zivilgesellschaftliche Plattform etablieren, um politische Fragen zu diskutieren, etwa zur Organisation des Islam in Deutschland“, hieß es bei der Stiftung.

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