Vereinte Nationen : Am Ende gut

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon galt lange als Totalausfall. Seit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit wirkt er aber wie verwandelt - und kämpft vor allem für Menschenrechte.

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Ban Ki Moon findet inzwischen klare Worte.
Ban Ki Moon findet inzwischen klare Worte.Foto:dpa

New York - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon redete mit einem seiner schwierigsten Besucher gleich zu Beginn Tacheles. Am Sonntag traf Ban in New York den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Der Iraner war zum Gipfel der Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen angereist, der am heutigen Dienstag beginnt. Ban verurteilte in dem Gespräch mit dem engsten Verbündeten Syriens die Gewalt durch das Assad-Regime und beklagte die „verheerenden humanitären Folgen“ des Bürgerkriegs. Dann forderte Ban klipp und klar, der Iran müsse die „ausschließlich friedliche Natur“ seines Atomprogramms belegen. Und auch die gehässigen Ausfälle Ahmadinedschads gegen Israel geißelte der Generalsekretär.

Die undiplomatische Abrechnung passt in das Bild des neuen Ban Ki Moon. Der UN-Generalsekretär (68) präsentiert sich seit Monaten wie verwandelt: direkt und unbequem. „Ban ist seit Anfang 2012 in seiner zweiten und letzten fünfjährigen Amtszeit, er braucht kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen“, erklärt ein UN-Diplomat. Vor allem zur Gewalt in der arabischen Welt findet der Ex-Außenminister aus Seoul klare Worte. Er stärkt den friedlichen Demonstranten den Rücken und prangert Despoten wie Assad an. Als Kind erlebte Ban selbst die Schrecken des Koreakonfliktes – seitdem fühlt er mit Kriegsopfern besonders mit. Auch wagt es Ban heute, die mächtigen westlichen Industriestaaten offen zu rügen. Er wirft ihnen Knauserigkeit bei der Armutsbekämpfung vor. „Als Weltgemeinschaft müssen wir Rhetorik zu Realität werden lassen“, verlangte er vor wenigen Tagen. Die Reichen müssten ihren finanziellen Versprechen endlich Taten folgen lassen. Ban zeigt auch der Supermacht USA die Stirn: Gegen den Willen Washingtons reiste er Ende August in den Iran, zu einer Konferenz der Blockfreienbewegung.

In seinen ersten Jahren als UN-Generalsekretär machte Ban keine allzu gute Figur. Das US-Magazin „Foreign Policy“ lästerte, Ban sei ein „Dilettant auf der internationalen Bühne“. Die Kritiker riefen, er sei zu blass, zu bieder, zu unterwürfig. Ban selbst untermauerte das Image sogar noch. Unvergessen ist sein Bonmot, man habe ihn in seiner Heimat den „schlüpfrigen Aal“ genannt. Auch bezeichnete sich Ban als „unsichtbaren Mann“.

Viele UN-Mitarbeiter fragten sich bei Bans Amtsantritt, ob er der richtige Mann für den Posten des UN-Generalsekretärs ist. Der hat zwar kaum Macht, er muss es aber allen 193 UN-Mitgliedern recht machen. In erster Linie darf er die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat nicht vergraulen. Ban buhlte regelrecht um die Gunst der Amerikaner, Russen, Chinesen, Franzosen und Briten; die fünf Vetomächte gewährten ihm dafür eine zweite Amtszeit.

Lange suchte Ban ein großes Thema. Zwar betonte er zunächst, er wolle vor allem gegen den Klimawandel kämpfen. Die Resultate fallen aber mager aus. Auch können die Vereinten Nationen im Kampf gegen die Armut keinen Durchbruch vermelden. Auf dem wichtigsten Feld der Weltorganisation, der Schaffung von Frieden und Sicherheit, weist Ban ebenso keine gute Bilanz vor. Immerhin hat der Generalsekretär nun offenbar die Verteidigung der Menschenrechte für sich entdeckt. Und er buckelt nicht mehr vor den mächtigen Staaten. Damit ist er auf gutem Wege, sein Image als „unsichtbarer Mann“ abzuschütteln. Jan Dirk Herbermann

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