Vereitelter Anschlag auf Fernzug : Terrorverdächtiger lebte in Berlin

Neue Details bei den Ermittlungen gegen die beiden Terrorverdächtigen in Kanada: Einer der beiden Männer, der 35-jährige Raed Jaser, hat zwei Jahr lang in Berlin gelebt. Hat Fremdenhass in Deutschland zu seiner Fanatisierung beigetragen?

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Raed Jaser, 35, vor dem Haftrichter in Toronto
Raed Jaser, 35, vor dem Haftrichter in TorontoFoto: Reuters

Einer der beiden Männer, die am Montag wegen eines vereitelten Anschlags auf den Fernzug Toronto-New York der „Via Rail“ festgenommen worden waren, hat zwei Jahre lang in Berlin gelebt. Das berichtet die kanadische Tageszeitung „National Post“ unter Berufung auf Dokumente kanadischer Behörden. Die beiden Männer, 30 und 35 Jahre alt, sollen tunesischer und palästinensischer Herkunft sein.

Die Zeitung veröffentlichte zahlreiche Details über das bewegte Leben des einen Verdächtigen, Raed Jaser. Der heute 35-Jährige war demnach 1991 in den Wirren des Golfkrieges mit seinen palästinensischen Eltern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Berlin gekommen. Die Zeitung schildert das Leben der Familie in Deutschland als traumatisch. Die Jasers hätten aus Angst um die Zukunft ihrer Kinder und wegen der Fremdenfeindlichkeit in der deutschen Hauptstadt Deutschland nach zwei Jahren wieder verlassen. Besonders traumatisierend habe gewirkt, dass einmal sogar von Rechtsradikalen ein Molotowcocktail in ihre Wohnung geworfen worden sei. Um welche Wohnung oder welches Asylbewerberheim es sich handelte, geht aus dem Zeitungsbericht nicht hervor. Mit gefälschten französischen Pässen seien die Jasers nach Kanada gelangt.

Jaser und der mit ihm inhaftierte Komplize Chiheb Esseghaier – beiden wird die Verbindung zum Netzwerk Al Qaida im Iran vorgeworfen – waren am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt worden. Auf sie kommt eine Anklage wegen Verschwörung zum Mord in Verbindung mit einer terroristischen Gruppe zu. Der Anwalt Jasers sagte, sein Mandant bestreite die Vorwürfe und werde sich entschieden dagegen zur Wehr setzen. Auch Esseghaier nannte die Anklage „nichts als Mutmaßungen“.

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