• Verfahren gegen IS-Dschihadisten in der Türkei: Wollen türkische Behörden Informationen verschleiern?

Verfahren gegen IS-Dschihadisten in der Türkei : Wollen türkische Behörden Informationen verschleiern?

Ein Mordprozess, der nicht zustande kommt – und ein dunkler Verdacht. Die Türkei verschiebt erneut ein Verfahren gegen europäische IS-Dschihadisten, Kritiker reden von einer gezielter Verschleppung.

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Schwer bewaffnet. Ein Propagandafoto des IS aus dem Juni dieses Jahres.
Schwer bewaffnet. Ein Propagandafoto des IS aus dem Juni dieses Jahres.Foto: AFP

 

Die drei Männer zögerten keine Sekunde und eröffneten sofort das Feuer. Im März vergangenen Jahres gerieten der Berliner Benjamin Xu, der Schweizer Cendrim Ramadi und der Mazedonier Mohammed Zakiri mit ihrem Wagen in der Nähe der Stadt Nigde, 220 Kilometer südöstlich der türkischen Hauptstadt Ankara, in eine Straßenkontrolle der Polizei. Die zur Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) gehörenden Extremisten stiegen aus, warfen eine Handgranate und erschossen einen Soldaten, einen Polizisten sowie einen unbeteiligten Lastwagenfahrer.

Nun sollten die drei IS-Mitglieder an diesem Montag vor Gericht erscheinen – im ersten Mordprozess gegen IS-Dschihadisten auf türkischem Boden. Doch die Behörden verschoben den Verfahrensbeginn kurzfristig auf unbestimmte Zeit, aus Sicherheitsgründen, wie es offiziell hieß. Es ist bereits die zweite Vertagung; die Angeklagten bleiben in Untersuchungshaft. Regierungsgegner wittern einen Versuch von Justiz und Regierung, Verbindungen zwischen den türkischen Sicherheitsbehörden und den IS-Extremisten vertuschen zu wollen.

Zumindest der Schweizer IS-Kämpfer Ramadi ist offenbar ein hartgesottener Fanatiker. Wenn er einen türkischen Soldaten erschossen habe, dann habe er ja ein gutes Werk getan, sagte er.

Ramadi ist nach türkischen Presseberichten albanischer Herkunft; auch der Vater des Berliners Benjamin Xu soll aus Albanien stammen. Anders als Ramadi zeigte sich der Deutsche den Berichten zufolge im Polizeiverhör jedoch reuig. Zusammen mit seinen IS-Kollegen sei er auf dem Heimweg aus Syrien gewesen, sagte er. Wegen der Straßensperre bei Nigde sei das Trio in Panik geraten und habe deshalb geschossen. Als Ziel der Reise gab er Bosnien an. Zehn Monate lang sollen sich die drei europäischen Extremisten beim IS in Syrien aufgehalten haben.

Woher kommen die Kämpfer des "Islamischen Staates" in Syrien und im Irak?
Woher kommen die Kämpfer des "Islamischen Staates" in Syrien und im Irak?Foto: AFP

Wie kommen Terroristen nach Syrien und wieder zurück nach Europa?

Türkische Medien zitierten Xu mit den Worten, er habe mit seinem Vater in Berlin eine Moschee namens „Fussilat“ besucht und sei dort für den Kampf in Syrien begeistert worden. Möglicherweise handelt es sich dabei um den Verein „Fussilat33“, der im Januar im Zusammenhang mit einem Schlag der Berliner Polizei gegen Terrorverdächtige um den Bauunternehmer Ismet D. in die Schlagzeilen geriet.

In Nigde fordert die Staatsanwaltschaft für die drei Angeklagten lebenslange Haftstrafen ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung; sie sitzen in einem Hochsicherheitsgefängnis der Hauptstadt Ankara in Untersuchungshaft.

Das Verfahren könnte eine Gelegenheit bieten, etwas mehr über die Mittel und Wege zu erfahren, mit denen ausländische Kämpfer aus Europa nach Syrien und zurück gelangen. So soll der Berliner Xu nach seiner Ankunft in der Türkei zunächst bei einem als Wohlfahrtsorganisation getarnten Verein in Istanbul untergebracht worden sein, der als Station für Syrien-Kämpfer bekannt gewesen sei.

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