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Verschwörungstheorien : 9/11 - Alles Lüge?

04.09.2011 02:00 Uhrvon

Die Taten und die Bilder scheinen eindeutig, und doch gibt es viele Zweifler: Ein Blick auf die Parallelwelt der Verschwörungstheoretiker, die noch nie so groß war wie heute.

Es ist nicht mehr nur die weltweite Gemeinde der Verschwörungsgläubigen, die zweifelt, auch die Akzeptanzwerte der von Regierungen gegebenen Erklärungen zu 9/11 gehen deutlich zurück. Knapp 90 Prozent der Deutschen denken laut einer Emnid-Erhebung vom Januar 2011, dass die US-Regierung nicht die ganze Wahrheit über die Anschläge sagt. Bei einer Umfrage von Worldpublicopinion.org aus dem Jahr 2008 geben nur 46 Prozent der Befragten aus 17 Ländern an, Al Qaida für den Urheber zu halten. Und nicht nur 15 Prozent der Chinesen bezichtigen unmittelbar die damalige US-Administration, in Deutschland sind es genauso viele. „Je nachdem, wie sie die Frage stellen, kriegen sie ganz verschiedene Prozentsätze in den Antworten“, relativiert Grüter.

Antworten jedoch sind das, was Bröckers verlangt und bewusst nicht gibt. Zahlreiche offene Fragen sind seiner Ansicht nach übrig geblieben – eine offizielle Neuuntersuchung sei dringend notwendig, lautet die Kernaussage seines Buches. Wer hat die Anschläge finanziert? Warum berichten zahlreiche Zeugen, dass sie Explosionen aus den unteren Stockwerken des WTC gehört haben? Wieso ist das Gebäude WTC 7 eingestürzt, obwohl es nicht von Flugzeugen getroffen wurde? Warum hat bin Laden unmittelbar nach den Anschlägen noch jede Beteiligung an diesen abgestritten? Zu klären ist nach Ansicht von Bröckers noch einiges, brachiale Schuldzuweisungen an die CIA, den Mossad oder Bush und Cheney jedoch gelten zumindest bei den um Seriosität bemühten Vertretern der Alternativtheorien als verpönt.

„Es gibt einfach eine Schere im Kopf bei diesem Thema, das ist ein vermintes Feld“, findet Oliver Janich. Der Journalist hat für „Focus Money“ zwei Artikel zu 9/11-Verschwörungstheorien verfasst und ist damit einer der wenigen, die diesen in den Massenmedien eine Plattform gegeben haben. Er zählt in einem der Artikel 40 bekannte Skeptiker auf, die der offiziellen Version der US-Regierung misstrauen, von Professoren über erfahrene Piloten bis zum ehemaligen WTC-Hausmeister William Rodriguez und Hollywood-Schauspielerin Sharon Stone. „Wenn man sich den Einsturz der Zwillingstürme und des WTC 7 genau anschaut, dann kann es sich nur um eine kontrollierte Sprengung handeln“, sagt Janich. Implizit folgt daraus: Es handelt sich um eine riesige Staatsverschwörung. Als Beweis führt Janich zahlreiche Expertenaussagen an, was die andere, die offizielle Seite, freilich ebenso getan hat. Nicht nur im bekannten und vielfach kritisierten „9/11 Commission Report“, sondern vor allem auch im Bericht des National Institute of Standards and Technology wurden die technischen Aspekte der Anschläge von der Elite der US-Wissenschaft beleuchtet; sie bestätigten die offizielle Version. Doch naturgemäß kann das die Verschwörungstheoretiker nicht überzeugen, denn wie sollte eine von der US-Regierung beauftragte Untersuchung objektiv sein?

Ein Blick auf die Publikationen der Alternativdenker zeigt, dass sich die meisten von ihnen nicht nur mit 9/11 beschäftigen. Jesse Ventura, vier Jahre lang Gouverneur von Minnesota, hinterfragt in „Die Amerikanische Verschwörung“ auch noch die Morde an Kennedy und Malcolm X, beschreibt Drogenhändlerseilschaften früherer US-Regierungen und verschobene US-Wahlen von 2000 und 2004. Auch Janich hat in „Das Kapitalismus-Komplott“ geheime Machtzirkel und Weltverschwörungen im Blick. Die Autoren stellen ihre Leser damit vor die Wahl: Glaube ich, dass die ganze Welthistorie eine einzige große Lüge ist, oder halte ich es weiter mit den Geschichtsbüchern?

So wird der Kampf um die Wahrheit über 9/11 zu einem Glaubenskrieg. Die unendliche Masse an Zahlen und Daten über Schmelzeigenschaften von Stahl und die Hinweise auf Nanothermit-Sprengstoff im Schutt des WTC können von Lesern weder geprüft noch eingeordnet werden. Alles reduziert sich auf die zwischen den Zeilen lauernde Frage: Traue ich der US-Administration zu, fast 3000 Landsleute umzubringen oder zumindest deren Ermordung absichtlich nicht zu verhindern, um eine Rechtfertigung für die Kriege in Afghanistan und im Irak zu haben?

Der ehemalige US-Präsident Bush und seine Rhetorik vom Guten und Bösen, von der gottgegebenen Überlegenheit des westlich-christlichen Modells ist vielleicht nicht ganz unschuldig an der Schärfe der Auseinandersetzungen zwischen jenen, die folgen möchten und solchen, die das Böse im „neuen US-Imperialismus“ sehen und den USA deshalb auch das Schlimmste zutrauen.

Einige beschuldigen die USA direkt. Lesen Sie mehr im dritten Teil.

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