Verwirrspiel um Norbert Hofer : Will ein Rechtspopulist nach Israel...

Er sei der erste FPÖ-Politiker, der offiziell in der Knesset in Israel empfangen wurde, sagte der mögliche neue Bundespräsident Österreichs. Dumm nur, dass die Gegenseite das anders sieht.

Melanie Berger
Der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (links) mit dem Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer (rechts).
Der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (links) mit dem Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer (rechts).Foto: dpa

"Norbert Hofers Reise nach Jerusalem" ist der Titel des Facebook-Posts, der die ganze Debatte in Österreich entfachte. Geschrieben von Armin Wolf, ORF-Journalist nach einem Studiointerview mit dem rechtspopulistischen Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer.

In dem Beitrag thematisiert er Aussagen von Norbert Hofer, er sei 2014 Teil einer Delegation des österreichischen Parlaments in Jerusalem gewesen und sei als erster FPÖ-Politiker offiziell in der Knesset empfangen worden.

Norbert Hofer hatte das in Interviews mit mehreren Zeitungen betont, unter anderem im "Standard" und der "Presse" um die besser werdenden Beziehungen zwischen Israel und der rechtspopulistischen FPÖ zu betonen. Laut Recherchen von Armin Wolf wüssten jedoch weder der Parlamentspressedienst in Wien, die österreichische Botschaft in Tel Aviv oder die Pressestelle der Knesset etwas von diesem Besuch.

Doch nicht so offiziell

Erst im Mai erklärte die israelische Botschafterin in Wien, Talya Lador-Fresher, im Interview mit der APA, man wolle keine "offiziellen Kontakte zur FPÖ haben".

Auch der "Standard" fing an, den Knesset-Besuch von Norbert Hofer zu hinterfragen. Das Ergebnis: Einige Abgeordnete der FPÖ waren 2014 in Israel, es war jedoch kein offizieller Besuch. Dieser Aspekt wurde im Nachhinein hinzugefügt. "Das war ein Fehler von mir", räumte der FPÖ-Pressesprecher gegenüber dem Standard ein. Die FPÖ gab auch kurz nach dem Besuch von Hofer 2014 eine Pressemitteilung heraus, in dieser war die Reise beschrieben.

Ein Besuch in Jerusalem oder gar der Knesset kam jedoch nicht vor. "Wahrscheinlich ist wohl, dass es ein informelles Gespräch gegeben hat – mit der Zusicherung, es vertraulich zu behandeln, eben weil es keine offiziellen Kontakte zur FPÖ gibt", schreibt Armin Wolf in dem Beitrag. Die Darstellung eines offiziellen Empfangs von Norbert Hofer als erstem FPÖ-Politiker kann jedoch nicht belegt werden.

FPÖ immer wieder mit Antisemitismus in Verbindung

In der Vergangenheit wurde die FPÖ immer wieder mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert. Die ehemaligen FPÖ-Abgeordneten Susanne Winter sympathisierte mit einem antisemitischen Facebook-Post, flog dafür allerdings aus der Partei. Parteichef Heinz-Christian Strache kam wegen einer fragwürdigen Karikatur auf seiner Facebook-Seite in die Kritik. Seit Jahren versucht die FPÖ ihr Image zu verbessern, wenn es um Israel geht. Erst im April reiste Strache nach Jerusalem. Er war 2010 bereits dort, damals trug er in der bedeutendsten israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem eine Burschenschafterkappe.

Norbert Hofer könnte am 22. Mai der neue Bundespräsident von Österreich werden - er tritt in einer Stichwahl gegen den Kandidaten der Grünen, Alexander Van der Bellen, an.

Den ausführlichen Beitrag von Armin Wolf finden Sie hier.

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