Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Syrien aufteilen, Luftlotsen brauchen und bei Zuckerberg erstmal abwarten, was mit dem Geld passiert.

Josef Joffe
Josef JoffeFoto: Tsp

Wenn alles gut läuft mit der Intervention: Wer wird Syrien in fünf Jahren regieren?
Gut für wen? Russland und Iran haben interveniert, um Assad zu retten. Der Westen will, so sagt er’s jedenfalls, Assad zur Dschehenna (Hölle) wünschen. IS und al-Nusra (der Qaida-Ableger) dito. Zum Schluss wird der Staat Syrien aufgeteilt werden. Hier ein Assad-Alawiten-Teil, dort ein Sunni-Teil, dazwischen und am Meer Stützpunkte der Russen und Iraner. Stabil aber wird auch diese (Auf-)Lösung nicht sein, weil das Ganze von einem Religionskrieg Schia-contra-Sunna befeuert wird. Das 21. wird ein interessantes Jahrhundert sein, um den chinesischen Fluch aufzugreifen: „Mögest du in interessanten Zeiten leben.“

Wer hat eigentlich das Oberkommando im Kampf gegen die IS-Terrormiliz?
Eigentlich niemand. Israel und Russland haben sich zwar geeinigt, aber nicht zusammengetan, um Jagdgrenzen zu ziehen. Die Israelis bombardieren den iranischen Nachschub an die Hisbollah, aber lassen die Russen in Ruhe (und umgekehrt). Wie es aussieht, koordinieren Bundesluftwaffe und Royal Air Force mit dem US-Central Command. Die Franzosen? Mal so, mal so. Die Türken tun es offensichtlich nicht, weil sie hauptsächlich pro-westliche Kurden angreifen. Die Saudis sind im Jemen beschäftigt. Und Obama scheut die Führung wie die Katze das Wasser. Wir brauchen zumindest einen guten Luftlotsendienst, weil: Es wird eng am Himmel.

Mark Zuckerberg will plus-minus 45 Milliarden Dollar verschenken, um Gutes zu tun. Eine edelmütige Tat?
Die Sache ist komplizierter. Das Geld geht nicht an eine Stiftung, sondern an eine LLC, was Englisch ist für „GmbH“. Eine Stiftung, weil steuerbefreit, steht unter scharfer Aufsicht; eine LLC kann mit dem Cash machen, was sie will. Sie kann karitativ agieren, aber auch in Unternehmen investieren oder politisch aktiv werden. Bevor wir Mark Z. üble Absichten unterstellen, sollten wir genau hingucken, was sich entwickelt. Bis jetzt hat er nur den PR-Bonus kassiert.

Ein (sicher nicht) letztes Wort zur Willkommenskultur...
Erstens ist sie gut, zweitens – angesichts früherer Nicht-Willkommenskultur – überraschend und lobenswert. Drittens hängt das Gute von den Gütern ab, also von der Frage, was bereitgestellt wird: Erstunterkunft, Wohnungsbau, Jobs, Sozialhilfe. Dazu: Wie viel Integrationsbereitschaft werden die Neuen zeigen? Das ist ein Verhandlungsprozess, der diese Nation noch lange quälen wird, vor allem in der Innen- und Parteipolitik.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Fragen: mal

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