Von der EZB ins Arbeitsministerium : Was steckt hinter dem Wechsel von Jörg Asmussen?

Der Finanzexperte Jörg Asmussen wechselt von einem Top-Job bei der Europäischen Zentralbank ins Arbeitsministerium - und das völlig überraschend. Was steckt hinter diesem Schritt?

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Fotos: AFP, Reuters, Montage: Olga Hoffmann
Fotos: AFP, Reuters, Montage: Olga HoffmannFoto: REUTERS

Am Donnerstag wird Jörg Asmussen noch einmal an der Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) teilnehmen. Dann endet nach nur zwei Jahren der Job des 47-jährigen Deutschen im sechsköpfigen Direktorium der Notenbank – völlig überraschend auch für langjährige EZB-Beobachter. Zumal Asmussen noch Ende Oktober ausgeschlossen hatte, möglicherweise als Finanzminister einer großen Koalition nach Berlin zu wechseln. „Meine Amtszeit in der EZB endet Ende 2019. Ich habe die Absicht, sie zu erfüllen“, hatte Asmussen in einem Interview betont. Jetzt geht er als Staatssekretär ins Arbeitsministerium.

Minister der großen Koalition
Die Regierung steht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr künftiger Vize Sigmar Gabriel (SPD) haben das Personal um sich geschart, mit dem sie die kommenden vier Jahre Regierungszeit bewältigen wollen. Eine Bildergalerie mit den Steckbriefen der künftigen Regierungsmitglieder, den prominentesten Abgängen und den interessantesten Leuten aus der "zweiten Reihe".Weitere Bilder anzeigen
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17.12.2013 17:51Die Regierung steht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr künftiger Vize Sigmar Gabriel (SPD) haben das Personal um sich...

Warum holt die SPD Jörg Asmussen ins Arbeitsministerium?

Asmussen wird in seiner Partei nicht nur als Finanzexperte hoch geschätzt, sondern auch als ein Mann der Exekutive, der weiß, wie man ein Ministerium steuert. Im Finanzministerium war er vor seiner EZB-Zeit Leiter des Ministerbüros und vier Jahre lang Staatssekretär. Sein Wechsel nach Berlin sei nicht die Idee seiner neuen Chefin Andrea Nahles gewesen, sondern ein Wunsch von SPD-Chef Sigmar Gabriel, sagen Eingeweihte. Trotzdem sei Asmussen wegen seiner Fähigkeiten ein Glücksfall für die neue Arbeitsministerin, die bei Mindestlohn und Rente liefern muss und über den größten Etat im Bundeshaushalt verfügt.

Manche hoffen auch, dass die Expertise des Ex- EZB-Bankers der SPD ermöglicht, den Euro-Kurs von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf Brüsseler Ebene besser zu kontrollieren. Auf Unionsseite ist man aber gelassen und vertraut den Gründen, die er selbst für den Wechsel angibt.

Warum will Asmussen wechseln?

Asmussen selbst nennt persönliche Gründe für den Umzug, er hat zwei kleine Kinder, die er mehr sehen will. In Brüssel hat man dafür Verständnis. „G 8, G 20, Euro-Gruppe – der musste immer in der ganzen Welt rumturnen“, sagt ein ranghoher Brüsseler Beamte, „und bei den Krisensitzungen ist Draghi immer um acht gegangen und hat an Asmussen übergeben, der dann die ganze Nacht bleiben musste.“

In der Berliner Politik wird vermutet, Asmussen wolle sich politisch in Stellung bringen für eine zukünftige SPD-geführte Regierung. Dass ein Streit innerhalb des Direktoriums und zwischen EZB-Chef Mario Draghi und Asmussen eine Rolle spielt, halten Beobachter für unwahrscheinlich – im Gegensatz zu den Rücktritten des früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber und von Asmussen- Vorgänger Jürgen Stark. Beide hatten die EZB-Krisenpolitik strikt abgelehnt. Michael Schubert, EZB-Experte der Commerzbank, erinnert daran, dass sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und Studienfreund Asmussen im Herbst vor dem Bundesverfassungsgericht wegen der Klage gegen das Anleiheprogramm der Bank trafen – Weidmann als Kritiker, Asmussen als strikter Befürworter des EZB-Kurses. Eugen Keller vom Bankhaus Metzler schließt aber Unstimmigkeiten nicht ganz aus, die Asmussen den Wechsel leichter gemacht haben könnten. Angeblich habe der 47-Jährige gegen die jüngste Zinssenkung gestimmt, möglicherweise stehe er weiteren Geldspritzen für die Banken kritisch gegenüber.

Klar ist, dass Asmussen mit dem Wechsel nach Berlin – zumindest vorübergehend – an Macht und Einfluss einbüßt und faktisch von der internationalen Bühne verschwindet. Zudem verzichtet er auf Geld. Bei der EZB erhielt Asmussen 2012 ein Grundgehalt von 22 269 Euro im Monat. Als beamteter Staatssekretär kommt er monatlich „nur“ auf rund 12 360 Euro.

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