Vor dem Parteitag der Piraten : Entern und Steuern

In Umfragen erleben sie einen Höhenflug, nach vielen Querelen bangen die Piraten aber um ihr Image. Auf dem Parteitag wird eine eine neue Führung gewählt. Wie gehen die Piraten mit dem Erwartungsdruck um?

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Rasant ist der Aufstieg der Piraten - entsprechend viele Artikel wollen bebildert werden. Wie klappt das eigentlich immer wieder? Wir haben ein paar Bilder gesammelt. Stets als Motiv beliebt: Der Playmobil-Pirat. Die Firma Playmobil findet das übrigens gar nicht witzig.Alle Bilder anzeigen
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24.04.2012 08:50Rasant ist der Aufstieg der Piraten - entsprechend viele Artikel wollen bebildert werden. Wie klappt das eigentlich immer wieder?...

Eines steht schon fest: Den Piraten ist ihr eigener Veranstaltungsort für den Parteitag ein wenig suspekt. Einer der Trending Topics an diesem Wochenende beim Kurznachrichtendienst Twitter wird #neubings sein. Denn wer kennt schon Neumünster. Das liegt mitten in Schleswig-Holstein, hat rund 77 000 Einwohner, und für diese Verhältnisse wird der Bundesparteitag an diesem Wochenende ein echtes Großereignis. Die Organisatoren rechnen damit, dass mehr als 2000 der rund 25 000 Mitglieder nach Neumünster kommen. Delegierte, wie es sie in anderen Parteien gibt, haben die Piraten nicht – und niemand kann sicher sein, ob sich nicht am Ende 3000 oder 4000 Piraten auf den Weg in den Norden machen. Doch nicht nur für die Stadt wird der Parteitag eine Herausforderung, sondern auch für die Piraten selbst – und das nicht nur, weil sie schon mal im Vorfeld vor Hackerangriffen warnen.

Diese Piraten wollen in den Bundesvorstand

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Auf ihrem Bundesparteitag wählen die Piraten eine neue Spitze. Wir haben die Kandidaten gefragt: "Warum ist der Bundesvorstand mit Ihnen besser aufgestellt als ohne Sie?" Sehen Sie hier die Antworten, von "B" wie "Barenhoff" bis "W" wie "Weiler".Weitere Bilder anzeigen
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26.04.2012 14:06Auf ihrem Bundesparteitag wählen die Piraten eine neue Spitze. Wir haben die Kandidaten gefragt: "Warum ist der Bundesvorstand mit...

Wo stehen die Piraten vor ihrem Parteitag?

Die Partei hat, vor allem seit dem Überraschungserfolg bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2011, einen rasanten Aufstieg erlebt. Mit ihrem Versprechen von Teilhabe und Transparenz steht sie auch bei den anstehenden Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vor dem Einzug ins Parlament. In bundesweiten Umfragen rangieren die Piraten mittlerweile hinter CDU und SPD auf Rang drei. Eigentlich könnten sie also ganz entspannt in den Parteitag gehen.

Doch der Erfolg hat auch eine Kehrseite: Druck, hohe Erwartungen, eine enorme Aufmerksamkeit für alles, was bei den Piraten geschieht. Professionelle, erfahrene Parteien haben Wege, diese Aufmerksamkeit zu kanalisieren. Die Piraten noch nicht. Jetzt wird auf jeden noch so kleinen Streit, auf jede Debatte nicht nur mit dem Brennglas der Netzwelt geschaut, sondern auch mit dem Nachhall der klassischen Medien und den Augen der politischen Konkurrenz. Viele Spitzenpiraten spüren das und klagen über Anstrengung und Überforderung. Und die etablierten Parteien, lange ratlos, wie sie auf den Aufstieg der neuen Konkurrenz reagieren sollen, sind froh, dass die Piraten ihnen eine Angriffsfläche regelrecht angeboten haben: ihren zweifelhaften Umgang mit rechtsextremen Tendenzen.

Zuletzt hat sich Martin Delius, parlamentarischer Geschäftsführer der Berliner Fraktion und rechten Gedankenguts unverdächtig, zu einem kruden NSDAP-Vergleich verstiegen. Andere Piraten haben sich tatsächlich antisemitisch geäußert oder sich – unter dem Diktum der totalen Freiheit – gescheut, rechte Spinner aus der Partei zu werfen. Die Konkurrenz dankt – und attackiert. Zudem fehlen den Piraten nach wie vor Standpunkte in zentralen politischen Fragen. Nach der Überraschung am Anfang, dem Glanz des plötzlichen Erfolgs stehen sie nun vor dem nächsten Schritt: Sie müssen zeigen, dass sie glaubwürdig und ernsthaft Politik betreiben können.

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