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Vorsicht auf der Reeperbahn : US-Botschaft warnt vor Gefahrengebiet Hamburg

Hamburg kommt nicht zur Ruhe: Die US-Botschaft ruft ihre Staatsbürger zu erhöhter Vorsicht im Gefahrengebiet auf - das gelte auf für das Rotlichtviertel Reeperbahn.

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Polizisten tragen einen verletzten Kollegen bei Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel.
Polizisten tragen einen verletzten Kollegen bei Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel.Foto: dpa

Die US-Botschaft in Berlin hat am Dienstag per E-Mail eine eindringliche Warnung an Landsleute verbreitet, die in Hamburg leben oder die Stadt in den nächsten Tagen besuchen möchten. Sie sollten in der zum Gefahrengebiet erklärten Sperrzone Vorsicht walten lassen, "besonders in der Nähe von großen Versammlungen, Protesten oder Demonstrationen", heißt es darin. Das "Gefahrengebiet" war ausgewiesen worden als Konsequenz aus den Auseinandersetzungen am 21. Dezember in Hamburg. Damals hatte es während und nach einer Demonstration für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ zahlreiche Verletzte gegeben.

Die Polizei könne Personen ohne Ausweispapiere in der Zone, zu der weite Teile der Innenstadt gehören, ohne Begründung festhalten, heißt es in der Mitteilung der Botschaft an die amerikanischen Bürger. Zudem habe die Polizei zusätzliche Autorität, Personen zu stoppen oder ihnen den Aufenthalt in bestimmten Stadtteilen zu verbieten. Weiter heißt es in dem Sicherheitshinweis: Auch zunächst friedliche Demonstrationen könnten in Gewalt ausarten.

Ausdrücklich erwähnt wird in der E-Mail, dass zum "Gefahrengebiet" das Rotlichtviertel um die Reeperbahn gehört, die Altstadt, Sankt Pauli und Altona-Nord - mit dem Schanzenviertel um die "Rote Flora", an dem die Konflikte ihren Ausgang genommen hatten.

Schwere Krawalle bei Demonstration für „Rote Flora“ in Hamburg
Steine und Flaschen auf Polizisten, Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen Demonstranten: Bei einer Kundgebung für den Erhalt des linken Kulturzentrums „Rote Flora“ hat es am Samstag in Hamburg die schwersten Krawalle seit Jahren gegeben.Weitere Bilder anzeigen
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21.12.2013 19:15Steine und Flaschen auf Polizisten, Schlagstöcke und Wasserwerfer gegen Demonstranten: Bei einer Kundgebung für den Erhalt des...

Die Pressestelle der US-Botschaft bestätigte die Authentizität des Schreibens. Es handele sich dabei um "eine Routineangelegenheit", hieß es auf Anfrage.

In Teilen von St. Pauli, Altona und dem Schanzenviertel hatten die Behörden am Samstagmorgen wegen der jüngsten Krawalle die Sperrzone eingerichtet. Nach Angaben einer Polizeisprecherin vom Dienstag sollen die verdachtsunabhängigen Polizeikontrollen in dem Bereich, in dem Zehntausende Menschen wohnen, vorerst weitergehen. Die Organisatoren der Demonstration vom 21. Dezember werfen der Polizei einen „massiven Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern“ vor.

Polizei nimmt 17 Personen nach Spontan-Demo in Gewahrsam

In der Nacht zum Mittwoch randalierten nach einer friedlichen Spontan-Demonstration gegen das umstrittene "Gefahrengebiet" gut 100 Menschen, wie dpa meldete. Ein Polizeisprecher sagte am Mittwochmorgen, aus der Gruppe heraus seien in der Nacht nahe dem U-Bahnhof Schlump am Schanzenviertel Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen worden. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen auf beiden Seiten niemand. Die Beamten nahmen 17 Personen in Gewahrsam. Auf der eigentlichen Demonstration war es überwiegend ruhig geblieben.

Knapp 600 Menschen aus dem linken Spektrum hatten sich am Dienstagabend im Stadtteil St. Pauli getroffen, um gegen das von der Polizei eingerichtete Gefahrengebiet zu demonstrieren. Auch hier kam es zwar zu vereinzelten Böllerwürfen, ansonsten blieb die spontan angemeldete Kundgebung laut Polizei aber friedlich. Offenbar zogen Teile der Demonstranten anschließend ins Schanzenviertel weiter.

Der komplette Sicherheitshinweis der US-Botschaft hier.

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