Vorwahlkampf in den USA : Lange rechnen bis zum Sieg

An diesem Dienstag sind zehn Staaten gleichzeitig aufgerufen, über den republikanischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl abzustimmen. Aber es geht nicht nur um den Sieger, sondern um Delegierte. Der Streit wird noch lange dauern. Das freut besonders Obama.

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Noch gilt Mitt Romney als Favorit. Ob er das bleibt wird sich vielleicht am Super Dienstag entscheiden.
Noch gilt Mitt Romney als Favorit. Ob er das bleibt wird sich vielleicht am Super Dienstag entscheiden.Foto: dpa

Weiß Rick Santorum überhaupt noch, wo er ist? Und wo er gerade isst? Am Freitag und Samstag warb der erzkonservative Ex-Senator in Chillicothe und Blue Ash um Stimmen. Beide Orte liegen in Ohio. Der eine im Südosten und ist von Land- und Forstwirtschaft geprägt; der andere liegt in der Arbeitergegend im Umkreis Cincinnatis im Südwesten des Staates. Wieder erzählte Santorum von seinem Großvater, der aus Italien eingewandert war und jahrelang im Bergwerk schuftete, damit die Kinder und Enkel es einmal besser haben werden.

Die Kameras zeigten ihn bei der Sandwich-Kette „Subway“, umringt von mehr Reportern als Wählern, das Supersonderangebot „Drink and a Sun Chips Deal“ dankend ablehnend, sich für ein „Footlong“ (30,5 Zentimeter) entscheidend, dann aber nur zaghaft zubeißend, damit die fette Soße nicht auf den Anzug tropfte. Zwischen den Bissen musste er sich – in Anspielung auf das verschmähte Sonderangebot – kritischer Fragen zu dem Sonnenschein in seiner Präsidentschaftskampagne erwehren.

Auf Ohio richten sich die Augen der Nation an diesem „Super Tuesday“, an dem zehn Staaten parallel in den Vorwahlen über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten abstimmen. Ohio spielt dabei eine Schlüsselrolle. Erstens ist es einer der „Swing States“, die im Herbst darüber entscheiden, ob Präsident Obama wiedergewählt wird oder ein Republikaner ihn aus dem Weißen Haus vertreibt. Zweitens liegt Ohio im „Rostgürtel“ der Industriestaaten, die in der Wirtschaftskrise viele Jobs verloren haben. Weiße Arbeiter wählten früher mal demokratisch, heute dagegen mehrheitlich republikanisch. Santorum, der Enkel eines Bergarbeiters, glaubte bei ihnen bessere Chancen zu haben als sein Rivale Mitt Romney, der Multimillionär. Und bislang gaben ihm die Zahlen auch Recht. Doch ist Santorums Vorsprung in Ohio auf zwei Prozentpunkte geschrumpft. Romney hat mehr Geld für Werbung im Fernsehen.

Ins Gebet genommen. Anhänger Mitt Romneys stärken in Knoxville, Tennessee, erst ihren Glauben, bevor der Präsidentschaftskandidat zu ihnen spricht.
Ins Gebet genommen. Anhänger Mitt Romneys stärken in Knoxville, Tennessee, erst ihren Glauben, bevor der Präsidentschaftskandidat...Foto: Reuters

Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur rückt an diesem Dienstag in eine neue Phase. Zehn Staaten auf einmal zu beackern – das ist nicht nur logistisch eine Herausforderung. Zu den großen Kunststücken dieses Tages gehört für jeden Kandidaten, die Zeit zu überlisten und an zwei verschiedenen Orten praktisch gleichzeitig zu sein. So war Santorum schon am nächsten Tag, einem Sonntag, nicht mehr in Ohio, sondern 800 Kilometer weiter südwestlich in Memphis, Tennessee. Er kann es sich nicht erlauben, nur um Ohio zu kämpfen. Nach dem Gottesdienst aß er mit Wählern in „Corky’s BBQ“ Rippchen mit Kartoffelsalat und vergaß nicht, zu loben, wie „unvergleichbar köstlich“ diese lokale Spezialität schmecke.

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