Vorwahlkampf in den USA : Wer unterstützt eigentlich Donald Trump?

Der Krachmacher treibt die Parteielite vor sich her: Donald Trump dominiert trotz wechselhafter TV-Debatte den Vorwahlkampf der Republikaner. Dass er kaum Details liefert, freut seine Anhänger sogar.

Ilona Viczian
Ein Unterstützer des Krawall-Kandidaten. Vor allem weiße, ältere Männer wählen den Immobilien-Tycoon.
Ein Unterstützer des Krawall-Kandidaten. Vor allem weiße, ältere Männer wählen den Immobilien-Tycoon.Foto: Reuters

Donald Trump dominiert die Umfragen bei den Republikanern im Vorwahlkampf um das Amt des Präsidenten der USA – und er weitet seinen Vorsprung sogar aus. Alle Hoffnungen des Establishments der „Grand old Party“, dass Trump so plötzlich wieder von der politischen Bildfläche verschwindet, wie er dort aufgetaucht ist, haben sich erledigt. Der Multimilliardär verändert mit seiner brachialen Art den Vorwahlkampf. Aber wer sind die Unterstützer von Trump, die dem Exzentriker scheinbar jeden noch so pampigen Auftritt und jede noch so sexistische Aussage nachsehen, die niemand von seinen Kontrahenten politisch überlebt hätte?

 Unter Trumps Anhängern ist die Ansicht weit verbreitet, in ihrem Idol einen Außenseiter im Politbetrieb zu sehen, dem die Lobbyisten ebenso wenig etwas einflüstern können wie die Partei-Eliten Washingtons. Trump wird als fast schon unverschämt authentischer Selfmademan betrachtet, der es aus eigener Kraft zum Milliardär gebracht hat und deshalb seinen Wahlkampf selbst finanzieren kann – um die USA nach seinem Wahlsieg wie ein Unternehmen zu führen. Er repräsentiere auf scheinbar verloren gegangene Art und Weise den amerikanischen Traum, weshalb Menschen ihm nacheifern würden, findet beispielsweise Rayna Gangi, die Trump zuletzt mit 30000 weiteren Anhängern bei einem Auftritt in Mobile im Bundesstaat Alabama zugejubelt hat. „Unter den Teilnehmern waren Senioren und Jugendliche, Schwarze und Weiße, auch viele Menschen Wurzeln in Asien und Lateinamerika“, sagt Gangi begeistert, „was alle vereinte, war diese Hoffnung, dass Trump alles auf den Kopf stellen und die Republikaner retten kann.“

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Trump stößt in die Lücke zwischen Parteiführung und Basis

 Es gelingt Trump sehr effektiv, in die große Lücke zu stoßen, die zwischen den republikanischen Parteieliten und den traditionellen Wählern der Partei entstanden ist, die sich in ihrer Ablehnung der Washingtoner Polit-Kaste einig sind, von der sie sich nur zu häufig angelogen und verschaukelt fühlen. Dass Trumps wichtigster Gegenkandidat, Jeb Bush, ein ausgewiesener Repräsentant eben jener Kaste ist, gereicht Trump nicht eben gerade zum Nachteil. Auch im TV-Duell, in dem Trump wenig überzeugend agierte und vor allem bei Fachfragen wenig zu bieten hatte, konnte Bush nicht restlos überzeugen.

 Nach neuesten Erhebungen des für die Republikaner wichtigen TV-Senders Fox favorisieren gerade weiße US-Amerikaner aus der Arbeiterklasse Trump. 30 Prozent von ihnen wollen ihn ins Rennen um das höchste Amt im Land schicken – bei den Befragten mit Hochschulabschluss sind es 21 Prozent. Laut Erhebungen von CNN ist der New Yorker Geschäftsmanns vor allem bei über 50-Jährigen traditionellen Anhängern der Republikaner beliebt. Trump wird als einzigem zugetraut, die gute alte Zeit wiederzubringen, die vielen Amerikaner unter die Mühlen all der Wirtschaftskrisen und der Globalisierung geraten zu sein scheint.

Die aktuellste Umfrage von diesem Dienstag, im Auftrag gegeben von der "New York Times" und CBS, gibt an, dass 39 Prozent der republikanischen Unterstützer glauben, mit Trump die besten Chancen auf den Sieg im Präsidentschaftswahlkampf zu haben - im August waren es nur 26 Prozent.

Die Kandidaten. Donald Trump führt die Umfragen bei den Republikanern seit Wochen an.
Die Kandidaten. Donald Trump führt die Umfragen bei den Republikanern seit Wochen an.Foto: AFP

 Der Niedergang der Arbeiterklasse in den USA in den vergangenen Jahrzehnten war nicht nur ein ökonomischer – die Menschen bedauern vor allem den Verlust ihrer Position in der Mitte der Gesellschaft – und fürchten durch starken Zustrom von Immigranten nun sogar um ihren enig gemütlichen Platz am Rand der Gesellschaft. Auf der Klaviatur dieser Gefühle spielt Trump. Der Adressat seiner Tiraden ist die „schweigende Mehrheit“ der Wähler – schon Richard Nixon hatte im Wahlkampf 1968 diese vorgeblich in der Öffentlichkeit unterrepräsentierte Gruppe angesprochen.

 Eine besondere Rolle spielt die radikale Tea Party, die seit 2009 die Republikaner vor sich her treibt.  Ihre Anhänger feiern Trump ebenso wie evangelikale Christen. Gerade Trumps fehlende politische Erfahrung gereicht ihm in diesen Wählerschichten zum Vorteil.

 Seine Anhänger konzentrieren sich aber naturgemäß ohnehin nicht darauf, was Trump fehlt, sondern darauf, was er nachweislich hat: Erfolg und Erfahrung als Geschäftsmann. So ist die Wirtschaft auch in zentrales Thema Trumps, der sonst in vielen Politik-Feldern eindeutige Aussagen scheut. Er eint die Basis unter dem Motto „Make Amerika Great Again“ - mit dem Provokateur als Präsident soll das Land also wieder groß und mächtig werden. Das Versprechen, einen Zaun zu Mexiko zu bauen, trifft bei Republikanern nah der Mitte und bei Tea-Party-Anhängern den Nerv.

"Die Amerikaner haben political correctness satt"

Michael Moon, der Parteichef der Republikaner in Michigan, erklärt Trumps Erfolg so: „Die Amerikaner haben die 'political correctness' satt. Es gibt einfach zu viel davon.“ Trump mache deutlich, dass es wichtigeres gibt als politisch korrekt zu sein, nämlich den Zustand des Landes. „Er hat einfach keinen Filter, wie die anderen Politiker. Er sagt, was er meint und pfeift darauf, ob er jemanden beleidigt.“

So kommt es, dass ein Wirtschaftsboss sich erfolgreich als Stimme des Protests etabliert hat – in einem ohnehin sehr populistischen und schrillen Vorwahlkampf. „Die Antworten vieler Kandidaten auf drängende Fragen sind seit den 1950'er Jahren die gleichen. Trump lässt sie damit in Debatten auflaufen“, sagt Moon. 

Trotz allen schätzen die meisten Analysten in den USA die Chance, dass Trump den Vorwahlkampf gewinnt, als nicht allzu hoch ein. Denn dieser sei ein Marathon und kein Sprint, heißt es. Noch hat Trump ein Jahr, um durch Fehler in den Umfragen abzurutschen, wie als er der kritisch nachbohrenden Moderatorin Megyn Kelly nach einer Fragerunde Menstruationsbeschwerden unterstellte – das ging sogar vielen Republikanern zu weit. Einen weiteren großen Nachteil haben Trumps überbordendes Temperament und sein gewaltiges Ego: selbst innerhalb der Republikaner scheiden sich an ihm die Geister. Und etwas, dass ein Kandidat für einen Erfolg sicher braucht, ist eine vereint hinter ihm stehende Partei.

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