VW und der Diesel-Betrug : Es geht um Deutschland

Was kann sich dieses Land in diesen Zeiten am wenigsten leisten? Eine Krise! Und nun bedroht der Volkswagen-Skandal weit mehr als nur ein einzelnes Unternehmen. Ein Kommentar.

von
Der Volkswagen-Konzern musste kürzlich den Verkauf von Dieselfahrzeugen in den USA stoppen, weil er die Abgaswerte der Fahrzeuge offenbar manipuliert hatte.
Der Volkswagen-Konzern musste kürzlich den Verkauf von Dieselfahrzeugen in den USA stoppen, weil er die Abgaswerte der Fahrzeuge...Foto: dpa

Volkswagen – die Marke steht jetzt für eine Verheerung. Und nicht mehr für sich allein. Von wegen Wertarbeit. Millionen Autos sind von dem Betrug betroffen, Millionen Menschen, Kunden, aber auch hunderttausende Beschäftigte in der gesamten Branche. Der Kollateralschaden wird enorm sein. Strafanzeigen, Strafverfahren, alles das steht ja noch an. Dazu Schadenersatz für die Autofahrer, Schadenersatz für die Aktionäre, weil der Kurs ins Bodenlose stürzen kann. Hier geht es um die Existenz eines riesigen Unternehmens, aber auch um Deutschlands gesamte Automobilbranche. Und wenn es um die geht, dann geht es um – beinahe – alles.

Superlative, wohin man schaut

Denn die Automobilbranche ist der mit Abstand bedeutendste deutsche Industriezweig. Ihr Exportüberschuss macht weit über die Hälfte des gesamten Exportüberschusses in Deutschland aus. Sie hat mit rund 40 Prozent den deutlich größten Anteil an den gesamten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen – Superlative, wohin man schaut. Hier noch einer, der quasi ultimative: Die Automobilindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Einen Aufschwung ohne sie gibt es nicht. Ist diese Branche in der Krise, gerät Deutschland in die Krise.

Aber was kann sich dieses Land in diesen Zeiten am wenigsten leisten? Eine Krise! Da sind die anhaltenden, ja noch zunehmenden Herausforderungen national und international: die Folgen der Flucht hier und in Nah- wie in Mittelost, die Krise Griechenlands und die der EU. Die nötige bessere Ausstattung der Entwicklungshilfe. Die Umrüstung der Bundeswehr. Ihre Einsätze. Alles das und noch mehr muss bewältigt werden. Bezahlt obendrein. Ohne Aufschwung und sprudelnde Steuereinnahmen wird allerdings keine „schwarze Null“ zu halten sein. Große Investitionen in eine gute Zukunft für die nachfolgenden Generationen sind in Gefahr.

So viel ist mit VW verbunden. Und mit einer Unternehmensleitung, die nichts von diesem Treiben gewusst haben will. Mit einem Vorstandschef, dem höchst bezahlten in Deutschland, einem Ingenieur, der sich um alles, wirklich alles rund ums Auto kümmert, aber dann nichts von einer eigens entwickelten Software mitbekommen haben soll. Das glaubt doch niemand in der Welt. Verheerend.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

27 Kommentare

Neuester Kommentar