Welches Glück ist verantwortbar?

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Wachstumskritiker Niko Paech : "Sehe ich aus wie ein Hippie?"
von und

Erklären Sie mal: Worum geht es Ihnen wirklich?

Um individuelles Glück, das verantwortbar ist! Alle europäischen Regierungen bekennen sich in der Klimapolitik zu dem Ziel, die Erde nur um maximal zwei Grad aufzuheizen. Wenn man die mit diesem Ziel gerade noch verträgliche CO2-Menge auf alle Erdbewohner verteilt, muss jeder mit 2,7 Tonnen im Jahr auskommen. Das haben nicht Ökofreaks berechnet, sondern ein Beirat der Bundesregierung. Derzeit sind es durchschnittlich 11 Tonnen, die hier pro Kopf anfallen. Also müssen wir auf ein Viertel runter! Damit ist unser Lebensstil nicht vereinbar. Eine einzige Flugreise nach Washington verbrät schon 4,5 Tonnen CO2, fast das Doppelte eines Jahresbudgets, und ein Flug nach Australien 14,5 Tonnen.

Die Schauspielerin Christiane Paul beschreibt in ihrem Buch „Das Leben ist eine Öko-Baustelle“, wie sie ihre Kinder gesund ernährt, Energie spart, Müll trennt – und trotzdem zum nächsten Dreh fliegt. Zerrissenheit dieser Art ist der Normalfall.

Na, dann steht eben auf dem Grabstein der Erde: Sie starb am Normalfall.

Das Thema Ihrer Forschung ist die Postwachstumsökonomie. Wie sieht das Leben nach dem Wachstum denn aus?

Unsere Lebensarbeitszeit sinkt auf 20 Stunden pro Woche. Dann haben Sie 20 Stunden übrig! Vielleicht verbringen Sie die im Garten, um Gemüse anzubauen, oder Sie reparieren Dinge, damit sie länger halten. Vielleicht organisieren Sie eine Tauschbörse. Kerngedanke ist ein anderer Umgang mit Produkten. Schuhe werden neu besohlt, Jeans geflickt, Fahrräder gepflegt, um die Lebensdauer zu verlängern. Und warum muss jeder einen eigenen Rasenmäher, Akkuschrauber oder Winkelschleifer besitzen?

Das klingt wie die Träume von Aussteigern.

Sehe ich aus wie ein Hippie? Ich treffe wissenschaftliche Wenn-Dann-Aussagen. Wenn jeder mehr als seine 2,7 Tonnen CO2 verursacht, werden katastrophale Dürren und Überschwemmungen eintreten. Wenn Ressourcen knapp werden, muss die Wirtschaft schrumpfen.

Die meisten Menschen, sagt der Soziologe Hartmut Rosa, können sich eher das Ende der Welt vorstellen als ein Leben ohne Wachstum.

Das glaube ich sofort.

Politiker und Ökonomen sagen, ohne Wachstum brechen die Gesundheits- und Sozialsysteme zusammen. Das zu ignorieren, ist der Kernvorwurf an Sie.

Gut, spielen wir das mal durch. Zunächst dürfen wir die gigantischen Subventionen nicht vergessen, die Wohlstand und Wachstumsmaschine am Laufen halten. Ohne diese zig Milliarden an Subventionen würde die Wirtschaft wohl oder übel schrumpfen, aber zugleich spart der Staat genug Geld für Gesundheit, Bildung und Soziales.

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