Wahl in Syrien : Schwarzes Schauspiel

Syriens Staatschef Baschar al Assad fühlt sich auf der Siegerstraße. Seine Widersacher werden ihn auch in den nächsten Jahren wohl nicht vom Thron stürzen können.

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Syriens Staatschef Baschar al Assad und seine Frau Asma bei der Stimmabgabe.
Syriens Staatschef Baschar al Assad und seine Frau Asma bei der Stimmabgabe.Foto: AFP

Die eine Hälfte Syriens hatte Wahlen, die andere Hälfte Fässerbomben. Selbst als Diktator Bashar al Assad lächelnd und begleitet von seiner Frau Asma im Zentrum von Damaskus zur Abstimmung erschien, war von Ferne das Grollen der Geschütze zu hören und standen schwarze Rauchwolken über den ausgebombten Vororten der Hauptstadt. Vor gut einem Jahr schien sein Regime praktisch am Ende, mittlerweile fühlt sich Assad wieder stark genug, um seinem Land und der Welt dieses schwarze Schauspiel einer Präsidentenwahl in Trümmern vorzuführen. Und als Wahlbeobachter hatte sich praktisch der gesamte Erdkreis der Tyrannei eingefunden - Nordkorea, Zimbabwe, Russland und Iran.

Denn die Machtkoordinaten haben sich auf allen Ebenen zu Assads Gunsten verschoben, in Syrien, in der Region und der übrigen Welt. Vor Ort haben die Regime-Truppen mit Hilfe von Hisbollah und Revolutionären Garden die alawitische Kernregion entlang der Mittelmeerküste sowie den Korridor nach Damaskus freigekämpft. Die Opposition ist schwach und zerstritten, ihre Brigaden sind in blutige Gefechte untereinander verwickelt. In der Region ächzen die Nachbarstaaten unter der Last der syrischen Flüchtlinge, die in Libanon und Jordanien bereits mehr als ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen. In der Türkei, Irak und Ägypten geht ihre Zahl in die Hunderttausende.

Gleichzeitig wächst vor allem in den Golfstaaten die Angst vor den durch ihr Ölgeld herangezüchteten islamischen Extremisten. Die Zahl der ausländischen Gotteskrieger auf syrischem Boden wird inzwischen auf mehr als 10 000 geschätzt, die meisten sind Araber aus der Nachbarschaft. Sie alle werden eines Tages radikalisiert, kampferprobt und gewissenlos in ihre Herkunftsländer zurückkehren und sich neue Ziele suchen für ihren verblendeten Mordwahn im Nahmen Allahs. Längst ist der syrische Bürgerkrieg auch im Irak präsent, wo sich Al-Qaida-Enklaven zu etablieren beginnen. Im Libanon überziehen sich beide Lager seit Monaten mit schweren Bombenattentaten. Und Jordanien kann seine wuchernde Dschihadistenszene nur noch unter größten Mühen in Schach halten.

Aber der Schrecken reicht inzwischen auch bis in die USA und nach Europa. Der Attentäter auf das Jüdische Museum in Brüssel war ein Heimkehrer aus Syrien. Washington bestätigte kürzlich den ersten Amerikaner als Selbstmordattentäter auf Assads Terrain. Auch ein junger Deutscher aus Solingen, der auf Fotos mit unreifem Gesicht und Scharfschützengewehr im Arm posierte, hat sich offenbar als Gotteskämpfer in die Luft gesprengt.

Assad dagegen lebt inzwischen in der Gewissheit, seine Herrschaft zumindest über einem Teilterritorium Syriens stabilisieren zu können. Und so will er mit dem zynischen Wahlspektakel die verbliebene Gefolgschaft daheim erneut auf sich einschwören, seine mörderischen Verbrechen legitimieren sowie der internationalen Gemeinschaft demonstrieren, dass er zu keinerlei Machtverzicht oder politischen Kompromissen mit der Opposition bereit ist.

Der 48-jährige Machthaber von Damaskus fühlt sich auf der Siegerstraße, seine Widersacher werden ihn auch in den nächsten Jahren wohl nicht vom Thron stürzen können. Und alle Gegner des Diktators, egal ob innerhalb des Landes, in den endlosen Zeltlagern jenseits der Grenzen oder in den westlichen Staatskanzleien, stehen jetzt vor der gleichen, bitteren Frage: Ob sie nicht das Ziel von Assads Sturz aufgeben müssen und eine irgendwie geartete Fortexistenz des syrischen Regimes hinnehmen sollten? Anderenfalls könnte es eines Tages überhaupt kein Syrien mehr geben.

 

 

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