Wahl-O-Mat : Wie der Wahl-O-Mat auf das Wahlverhalten wirkt

Seit Mittwoch ist der Wahl-O-Mat online, drei Millionen Deutsche haben ihn bereits genutzt. Studien zeigen: Er wirkt durchaus auf das Wahlverhalten.

Jana Vogel
Beeinflusst der Wahl-o-Mat die Wahlentscheidung dieser Wählerin?
Beeinflusst der Wahl-o-Mat die Wahlentscheidung dieser Wählerin?Karikatur: Klaus Stuttmann

Genau 25 Tage vor der Bundestagswahl ist am Mittwoch der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung online gegangen. Die 2002 ins Leben gerufene Online-Anwendung wird bei den Wählern immer beliebter. Stolze 13,2 Millionen Menschen nutzten sie zur Bundestagswahl 2013. Dieses Jahr haben nur einen Tag nach der Freischaltung schon über drei Millionen Nutzer vom Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017 Gebrauch gemacht.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage, ob der Wahl-O-Mat tatsächlich einen Effekt auf die Wahlentscheidung hat oder aber ein reines Spaß- und Informations-Tool bleibt. In einer Studie hat Stefan Marschall, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Düsseldorf, untersucht, ob die Nutzung von Online-Wahlhilfen einen Einfluss auf das Sachwissen, das Interesse an der Wahl und die Wahlbeteiligung der Bürger hat. Die Antwort auf alle drei Fragen lautete Ja.

Insbesondere das ausdrückliche Ziel der Bundeszentrale, Menschen zur Wahlteilnahme zu motivieren, scheint die Anwendung zu erreichen. Zwischen sechs und neun Prozent der Nutzer, schätzt der Politikwissenschaftler anhand von Umfragen, wählten, nachdem sie den Wahl-O-Mat ausprobiert hatten - obwohl sie es zuvor nicht vorgehabt hatten. Hochgerechnet auf die Bevölkerung lässt sich schätzen, dass bis zu zwei Prozent aller Wahlberechtigten – immerhin über eine Million Menschen – nur deshalb überhaupt ihre Stimme abgaben.

Häufig wird vermutet, der Wahl-O-Mat werde nur von ohnehin politisch Interessierten verwendet. Dem widerspricht der Politikwissenschaftler Marschall. „In der Befragung zur Bundestagswahl 2013 haben mehr als fünfzehn Prozent der Teilnehmer angegeben, dass sie sich normalerweise nicht für Politik interessieren. Wenn man das hochrechnet, hat man mit dem Wahl-O-Mat etwa zwei Millionen Menschen erreicht, die sonst kein Interesse an Politik haben. Diese Größenordnung ist durchaus bemerkenswert“, so Marschall.

Die Gründe sind dabei so vielfältig wie die Nutzer. „Mehr als fünfzig Prozent wollen vor allem ihre eigene Position mit den Positionen von ihnen nahestehenden Parteien abgleichen. Aber es gibt auch einige, die sich überraschen lassen wollen, oder Orientierung im Wahlkampf suchen“, sagt Marschall. Andere möchten mehr über die Standpunkte der Parteien erfahren, und nutzen die Plattform, um Informationen zu sammeln und sich politisch fortzubilden.

Dagegen glaubt der Politikwissenschaftler nicht, dass der Wahl-O-Mat einen starken Einfluss darauf hat, für welche Partei sich die Wähler konkret entscheiden. „Die Wahlentscheidung ist ein komplexer Vorgang“, sagt er. Mit einer einzelnen Umfrage lasse sich dieser Prozess kaum erfassen. In Deutschland gebe es daher keine Studien direkt zu der Frage, ob sich Nutzer tatsächlich für die vom Wahl-O-Mat vorgeschlagene Partei entscheiden. Neunzig Prozent der Nutzer finden sich laut Marschall aber ohnehin dort wieder, wo sie es schon vermutet haben. Dies könnte auch damit zu tun haben, vermutet er, dass beim Wahl-O-Mat inhaltliche Positionen verglichen werden und nicht Personen. Das Klischee des unbedarften Wählers, der aufgrund einer Online-Anwendung plötzlich die NPD wählt, ist also genau das: Ein Klischee.

Auf unserem Debattenportal Tagesspiegel Causa debattieren Wahlforscher außerdem die Frage: Ist die Wahl schon gelaufen?

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