Leitfaden zur Wahl : So entstehen Wahlprognosen

Sobald die Wahllokale geschlossen sind, wird nach jeder Bundestags- oder Landtagswahl in Deutschland eine Prognose veröffentlicht. Das ist ein erster Trend, der an das wirkliche Wahlergebnis schon nahe herankommt.

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So könnte die Wahl am 18. September ausgehen: Nach der Prognose von election.de kann die SPD mit 30 Prozent der Stimmen rechnen. Die Grünen und die CDU würden um Platz zwei kämpfen, die Linke läge bei 13 Prozent - und die FDP müsste um den Wiedereinzug in das Abgeordnetenhaus bangen.Alle Bilder anzeigen
Grafik: Tsp/Pieper-Meyer
19.08.2011 18:45So könnte die Wahl am 18. September ausgehen: Nach der Prognose von election.de kann die SPD mit 30 Prozent der Stimmen rechnen....

Grundlage der Prognose sind Fragebögen, die im Laufe des Wahltags an zufällig ausgewählte Wähler verteilt werden. Die Teilnahme an dieser Befragung ist freiwillig und anonym. Erhoben werden das Stimmverhalten, Geschlecht, Alter, Beruf und andere sozialstatistische Daten. Für die Prognose werden Wahlkreise ausgesucht, deren Stimmergebnisse bei der vorausgegangenen Wahl dem Gesamtergebnis der Wahl besonders nahe kamen. Es wird also eine für die gesamte Wählerschaft repräsentative Stichprobe erhoben. Die Auswertung dieser Daten ermöglicht wenige Sekunden nach 18 Uhr nicht nur einen schnellen Blick auf das voraussichtliche Wahlergebnis, sondern liefert auch interessante Einblicke in das Wahlverhalten bestimmter Wählergruppen (Frauen/Männer, Junge/Alte, Schulabschlüsse usw.).

Der ersten Prognose folgen die Hochrechnungen. Sie beruhen nicht auf Umfragen, sondern auf dem tatsächlichen Wahlverhalten. Dafür wählen die Statistiker eine Reihe von Stimmbezirken aus, die insgesamt das Wählerverhalten im Wahlgebiet widerspiegeln. Sobald die ersten dieser Stimmbezirke ausgezählt sind, werden die Ergebnisse auf das voraussichtliche Wahlergebnis hochgerechnet. Im Laufe des Abends werden die Hochrechnungen immer genauer, weil immer mehr Wählerstimmen in die statistische Berechnung eingehen. Nur wenn sich Parteien ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern oder nahe an der Fünfprozenthürde liegen, müssen Politiker und interessierte Wähler hoffen oder bangen, bis das amtliche Endergebnis vorliegt.

Unabhängig von Wahlterminen stellen private Meinungsforschungsinstitute, meistens im Auftrag von Zeitungen, Fernseh- oder Hörfunksendern, die so genannte Sonntagsfrage. „Wie würden Sie abstimmen, wenn am Sonntag Bundestags- (oder Landtags-)Wahl wäre?“ In diese repräsentativen Umfragen, bei denen 1000 bis 2000 Wahlberechtigte befragt werden, gehen aktuelle Stimmungen, aber auch langfristige Überzeugungen und parteipolitische Bindungen ein. Die Kunst der Meinungsforscher ist es, die meistens telefonisch eingesammelten Daten realitätsnah zu bewerten.

Das hat Grenzen. Sonntagsfragen sind ein Stimmungsbarometer, aber kein Präzisionsinstrument. Zum Beispiel zeigten die Meinungsumfragen für die Berliner Parteien von Januar bis Mai 2011 beträchtliche Schwankungen: SPD (26 bis 32 Prozent), CDU (19 bis 23 Prozent), GRÜNE (22 bis 30 Prozent), Die Linke (11 bis 17 Prozent, FDP (3 bis 4 Prozent). Ob Umfragen das Verhalten von Wählern beeinflussen, die sich nicht einer bestimmten Partei oder deren Kandidaten fest verpflichtet fühlen, sondern spontan entscheiden, wo sie ihre Kreuzchen setzen, ist strittig.

Für die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin hat Tagesspiegel-Redakteur Ulrich Zawatka-Gerlach einen Leitfaden zur Wahl geschrieben. Hier gibt es die komplette Broschüre zum Herunterladen. Und hier können Sie sich über einzelne Themen informieren.

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