Wahlkampf der AfD : Nigel Farage hält Martin Schulz für „gefährlich“

Brexit-Schlüsselfigur Nigel Farage begeistert die AfD-Anhänger - mit Anti-EU-Parolen, Kritik am Establishment und Schulz-Bashing. Doch der Mann hat seine eigene Agenda.

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Sie kennen sich schon lang: Nigel Farage und Beatrix von Storch.
Sie kennen sich schon lang: Nigel Farage und Beatrix von Storch.Foto: dpa

Sie hat ihn als „Mr. Brexit“ angekündigt, eigens eine E-Mail-Adresse für die Veranstaltung angelegt - nigel@beatrixvonstorch.de -, und auch jetzt auf der Bühne lässt sie keinen Zweifel daran: Dass Ex-Ukip-Chef Nigel Farage zum Vortrag nach Berlin gekommen ist, ist für AfD-Vize Beatrix von Storch der Höhepunkt des Berliner Wahlkampfs. „Wir haben einen Gast, der Geschichte geschrieben hat“, schwärmt die sonst eher verkniffen wirkende Politikerin in ihrer Rede. „Wer hätte je gedacht, dass der Austritt aus der EU möglich ist? Wir haben gelernt, dass das Unmögliche möglich ist.“

Mit Nigel Farage ist ein Mann in die Spandauer Zitadelle gekommen, der als Schlüsselfigur gilt für den Erfolg der Brexit-Befürworter. An diesem Freitagnachmittag soll er vor AfD-Anhängern sprechen. Auf persönliche Einladung von Storchs. Die beiden sitzen im Europaparlament in einer Fraktion und sind sich ganz offensichtlich sympathisch.

Farage freut sich auf die AfD im "Bundeschtag"

Für die AfD ist an diesem Nachmittag schon allein die Anwesenheit Farages ein Glücksfall: Ist er doch der lebende Beweis dafür, dass man es dem „Establishment“ zeigen, die „Mainstream-Medien“ Lügen strafen kann. Für die AfD und auch für Farage steht der Einzug in den Bundestag in einer Reihe mit dem Brexit und dem US-Wahlsieg von Donald Trump. Mit ihm stand Farage im vergangenen Jahr in den USA auf der Bühne. „Es wird toll sein, Beatrix und ihre Freunde im Bundestag zu sehen“, sagt Farage. Genauer: im „Bundeschtag“ - bei der Aussprache des deutschen Wortes hat er Probleme.

Doch Farage ist nicht gekommen, um Wahlwerbung für die AfD zu machen. Jedenfalls nicht nur. Er hat seine eigene Agenda. Farage findet, dass in Deutschland zu wenig über den Brexit debattiert wird. Im TV-Duell sei der Brexit überhaupt nicht vorgekommen, kritisiert er. Dabei betreffe die Deutschen der Brexit doch - zumindest dann, wenn sich Brüssel und London in der Frage der Zollunion nicht einig werden können. „Handel ist keine Einbahnstraße“, sagt er. Die Briten würden viel mehr von den Deutschen importieren als andersherum. Autos, Waschmaschinen - „da hängen Arbeitsplätze dran“. Er will den Zuhörern vermitteln: Wenn der Brexit für die Briten schlimm wird, dann auch für die Deutschen. „Wenn die EU uns einen Handels-Deal verweigert, verweigert sie ihn auch den Autoherstellern in Bayern.“ Deswegen solle die AfD jetzt die öffentliche Debatte anheizen, im Bundestag Druck machen, besonders auf Kanzlerin Angela Merkel, damit sie sich in Brüssel für eine Lösung einsetzt, die auch den Briten gefällt. Das ist Farages Hoffnung. Dafür kann die AfD den Briten nützlich sein.

Farage hält Schulz für einen "gefährlichen Mann"

In dieser Angelegenheit, erklärt Farage, sei ihm Merkel als Kanzlerin auch lieber als ihr Herausforderer Schulz von der SPD. Bei Merkel, glaubt Farage, sei es „wahrscheinlicher, dass sie auf die Stimme der Industrie und der Arbeiter hört“. Schulz dagegen hält Farage für einen „EU-Fanatiker“, einen „in dieser Hinsicht gefährlichen Mann“, der die Interessen Brüssels über alles stelle.

Farage versteht es, Stimmung zu machen im Saal. Wer ihm an diesem Nachmittag zuhört, kann sich vorstellen, welchen Einfluss seine Reden und Fernsehauftritte in der Zeit des britischen Referendums gehabt haben können. Für Farage ist die EU kein Staatenbund, sondern ein selbstsüchtiges Ding, das ein Eigenleben entwickelt hat und das man jederzeit verteufeln und verantwortlich machen kann, für Dinge, die schief laufen. Am Ende sind die AfD-Anhänger hingerissen. Farage bekommt er Standing Ovations. Und Beatrix von Storch lächelt zufrieden.

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