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Wahlkampf in den USA : Auch Schwarzenegger distanziert sich von Trump

Donald Trump gerät immer stärker in Bedrängnis. Parteifreunde wie McCain oder Condoleezza Rice sowie Spender distanzieren sich. Trump denkt aber nicht ans Aufhören.

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Der Immobilienunternehmer und derzeitige republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump und seine Frau Melania.
Der Immobilienunternehmer und derzeitige republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump und seine Frau Melania.Foto: dpa

Unumstritten war die Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump noch nie – doch nach dem Bekanntwerden neuer sexistischer Äußerungen muss der Milliardär erleben, dass sich seine republikanischen Parteifreunde scharenweise von ihm abwenden. Vier Wochen vor der Wahl am 8. November und einen Tag vor dem zweiten Fernsehduell gegen Hillary Clinton forderten namhafte Vertreter der eigenen Partei am Samstag, Trump solle seine Bewerbung zurückziehen. Der 70-jährige wies dies zurück.

Die „Washington Post“ hatte einen Audiomitschnitt aus dem Jahr 2005 veröffentlicht, auf dem Trump mit frauenfeindlichen Bemerkungen zu hören ist. Unter anderem sagt er, als „Star“ könne man sich bei Frauen alles erlauben und ihnen auch zwischen die Beine greifen. Außerdem spricht er von einem vergeblichen Versuch, eine verheiratete Frau ins Bett zu bekommen, sowie von seiner Angewohnheit, fremde Frauen zu küssen.

Trump: "Ich werde niemals aufgeben"

 Trump entschuldigte sich für die Aussagen, warf aber gleichzeitig dem Ehemann seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton, dem für seine Affären bekannten früheren Präsidenten Bill Clinton, ein noch viel schlimmeres Verhalten vor. Einen Rücktritt von der Kandidatur lehnte Trump ab. Er werde niemals aufgeben, erklärte er. 

Schon vor dem Auftauchen des Audiomitschnitts steckte Trumps Wahlkampf in Schwierigkeiten. Ein schwacher Auftritt bei der ersten TV-Debatte gegen Clinton vor zwei Wochen und mehrere umstrittene Äußerungen seitdem hatten ihn in den landesweiten Umfragen um fast fünf Prozentpunkte hinter Clinton zurückfallen lassen. Auch in einer Reihe möglicherweise wahlentscheidenden Bundesstaaten sah es schlecht aus für Trump. Sein Versuch, über seine überwiegend weiß-männliche Kernanhängeschaft hinaus wichtige Wählergruppen wie gebildete Frauen anzusprechen, dürfte nun endgültig gescheitert sein.

Trump hat schon häufig mit umstrittenen Äußerungen für Furore gesorgt. Der Grund dafür, warum viele republikanische Politiker ausgerechnet die jetzt aufgetauchten Aufnahmen als Wendpunkt verstehen, liegt darin, dass viele von ihnen ihren eigene Wahlkämpfe für Sitze im Repräsentantenhaus oder im Senat führen und die vulgären Ausfälle des Kandidaten als Risiko für die eigene Karriere sehen. Zudem dürften einige angesichts des Abwärtstrends des Trump-Wahlkampfes in den vergangenen zwei Wochen auf eine passende Gelegenheit gewartet haben, um sich von Trump abzusetzen.

Condoleezza Rice rief Trump zum Rückzug auf

Bis zum Samstagabend hatten sich nach einer Zählung der „New York Times“ rund drei Dutzend republikanische Parlamentsabgeordnete und Gouverneure von Trump nach der Videoveröffentlichung distanziert. Selbst Trumps Partner und Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Mike Pence, zeigte sich entsetzt. Laut Medienberichten verlangen einige Geldgeber der Republikaner ihre Parteispenden zurück.

Der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain und die frühere Außenministerin Condoleezza Rice gehörten zu den prominentesten Republikanern, die Trump für unwählbar erklärten. Rice rief den Milliardär auf, seine Kandidatur zu beenden. Auch der ehemalige Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, distanzierte sich von Trump. Auf seiner Facebookseite schreibt der Schauspieler, dass er stolz sei, Republikaner zu sein, aber diesmal nicht für den republikanischen Kandidaten stimmen werde. Trumps Ehefrau Melania erklärte, auch sie halte die Äußerungen ihres Mannes für verletzend, bat die Amerikaner aber, seine Entschuldigung anzunehmen.

Es gibt immer noch Fans

Einige Republikaner halten trotzdem zu Trump. Im Trump Tower in New York sammelte der Kandidat am Wochenende treue Anhänger um sich. Dazu gehören der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani und der der ehemalige Neurochirurg Ben Carson, der sich selbst um die republikanische Präsidentschaftskandidatur beworben hatte, von Trump aber im Vorwahlkampf aus dem Rennen geworfen worden war. Carson sagte nach einem Gespräch mit Trump laut „Washington Post“, der Milliardär begreife die Dimension der Ereignisse, sei aber fest zum Weitermachen entschlossen. Auf Twitter und bei Wahlkundgebungen wurde deutlich, dass viele Trump-Anhänger weiter zu dem Kandidaten stehen.

 

Auch die einflussreiche konservative Radiokommentatorin Laura Ingraham bleibt bei ihrer Unterstützung für Trump. Robert Mercer, ein steinreicher New Yorker Unternehmer, der zusammen mit seiner Tochter Rebekah zu den wichtigsten Geldgebern der Republikanern gehören, sprachen Trump ebenfalls ihr Vertrauen aus. Die USA stünden am 8. November vor einer „apokalyptischen Wahl“ zwischen dem Republikaner und Clinton, erklärten sie.

 

Möglicherweise weitere Enthüllungen über Trump

Unterdessen teilte der Produzent der ersten Staffeln von Trumps Fernsehserie „The Apprentice“, Bill Pruitt, auf Twitter mit, es gebe noch „viel schlimmere“ Äußerungen des 70-jährigen, die aufgezeichnet worden seien. Ein Berater Trumps soll ebenfalls von der Erwartung weiterer Enthüllungen gesprochen haben.

Selbst wenn Trump den Appellen seiner Kritiker folgen würde, wäre ein Kandidatenwechsel so kurz vor der Wahl für die Republikaner sehr schwierig. In einigen Bundesstaaten hat die Stimmabgabe bereits begonnen – es ist also unmöglich, Trumps Namen von allen Wahlzetteln zu entfernen. Einige konservative Trump-Gegner forderten den angesehenen Trump-Partner Pence auf, er solle die Kandidatur übernehmen.

Der neue Skandal um Trump lenkte die Aufmerksamkeit fast völlig von Enthüllungen über Clinton ab. Fast gleichzeitig mit dem Wirbel um Trumps Äußerungen veröffentlichte Wikileaks Auszüge aus Reden Clintons bei Veranstaltungen von Privatbanken aus den vergangenen Jahren. In den Ansprachen, für die Clinton insgesamt mehr als 20 Millionen Dollar erhalten haben soll, spricht sich die Demokratin für Freihandel aus und nimmt die Banken mit Blick auf die Finanzkrise von 2008 in Schutz. Im Wahlkampf vertritt Clinton inzwischen wesentlich protektionistischere Positionen. Bisher hatte sie sich geweigert, die Reden zu veröffentlichen.

Der Wahlkampf geht in die letzte Runde

Dass Trump nun zum Gegenschlag ausholen wird, davon gehen die meisten Beobachter aus. Mit dem Hinweis auf diverse Sex-Skandale im Hause Clinton könnte er zumindest einen Teil des Schadens wieder auszubügeln. Ex-Präsident Bill Clinton hatte im Laufe seiner Karriere mehrere außereheliche Affären, von denen eine, die Beziehung zu der damaligen Präsidialamts-Praktikantin Monica Lewinsky, ihn beinahe das Amt kostete. Trump und seine Anhänger haben angedeutet, dass sie Hillary Clintons Reaktion auf diese Skandale zum Thema machen könnten: Ihr wird vorgeworfen, die Ex-Geliebten ihres Mannes unter Druck gesetzt und teilweise mit Privatdetektiven verfolgt zu haben, um ihren Ruf zu zerstören.

 

Der frühere Trump-Berater Michael Caputo sagte der „Washington Post“, Trumps müsse versuchen, Hillary Clinton ebenfalls in den „Sumpf“ zu ziehen. Demnach könnte der Milliardär die Clintons mit „sexistischen Verbrechen“ in Verbindung bringen. „Sie müssen die Atomwaffen rausholen“, sagte Caputo in Anspielung auf die schweren Vorwürfe gegen Hillary Clinton, die jetzt von Trumps Wahlkampfteam zu erwarten seien. „Das ist ihre einzige Chance.“

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