Wahlsieg von Donald Trump : "Dies hier sind die USA, das ist nicht Europa“

In Florida freuen sich Einwanderer und Latinos über den Wahlsieg von Donald Trump. Harald Martenstein zu Besuch in Key West, einem tropischen Städtchen am Südzipfel der USA.

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Key West in Florida im Oktober 2016: Während einer Maskenparade spielen Mexikaner, Schwule und Lesben die Mauer nach, die Donald Trump an der Grenze zu Mexiko bauen will.
Key West in Florida im Oktober 2016: Während einer Maskenparade spielen Mexikaner, Schwule und Lesben die Mauer nach, die Donald...Foto: REUTERS

Der erste Fan von Donald Trump, den wir in Key West trafen, war ein Familienvater aus Ohio, der am Strand herumlag. Er ist Amerikaner, aber stammt aus der Ukraine, seine Frau ebenfalls. „Zu viel Einwanderung macht jedes Land kaputt“, sagte er. „Es reicht jetzt.“ Ich fragte ihn, ob er nicht Angst vor Trumps Unberechenbarkeit habe. „Wenn ein Präsident wirklich ein Gangster ist, dann können wir ihn absetzen, mit dem Impeachment. Dies hier sind die USA, das ist nicht Europa“, sagte der Mann aus der Ukraine.

Bei der Wahlparty im Viva-Saloon jubelte eine Gruppe von Exilkubanern, die nur schlecht englisch sprachen, bei jedem Staat, der an Trump ging. Ist Trump nicht gegen die Latinos? „Trump ist vor allem gegen die Kommunisten und er hat Eier“, sagte einer der Kubaner. „Ein echter Typ, verstehst du? Der sagt wenigstens, was er denkt, anders als Hillary.“

Es war seltsam, zum ersten Mal eine Wahl in den USA mitzuerleben. Key West ist ein tropisches Städtchen am Südzipfel des Landes, bevölkert vor allem von Freaks aller Art, von Kubanern, von Schwulen und Rentnern. Wenn man nicht vorher gewusst hätte, dass eine Präsidentenwahl stattfindet und dass hier in Florida das Ergebnis die Gesamtwahl entscheiden kann – dem Stadtbild hätte man es jedenfalls nicht angemerkt. Keine Plakate. Keine Stände, keine Kundgebungen. In den Vorgärten pflanzen manche Bürger Namensschilder auf, da geht es dann um die Wahl des Staatsanwalts, des Bürgermeisters, um eine ziemlich komplizierte Volksabstimmung über Solarenergie oder um den örtlichen „Mosquito Board“, der sich dem keineswegs unwichtigen Kampf gegen die Stechmücken widmet. Das findet alles zeitgleich mit der Präsidentenwahl statt. Die Sitze im Mosquito Board scheinen hart umkämpft zu sein, die Namen der Moskito-Kandidaten waren deutlich präsenter als die Namen Clinton oder Trump. Clinton-Schilder waren eher vor den Häusern der Wohlhabenden zu sehen. Je ärmer die Gegend, desto öfter machten die Leute Werbung für Trump.

Das Leben des Donald Trump
Lebemann. Trump machte sich im Unterhaltungsbusiness einen Namen. Bis 2015 war er Miteigentümer der Miss Universe Organization, die etwa die Miss Universe und Miss USA Wettbewerbe ausrichtete. Hier zu sehen ist er 1997 mit den damaligen Gewinnerinnen. Er produzierte außerdem die TV-Show "The Apprentice" und schrieb mehrere Bücher.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Judie Burstein/ Globe Phots Inc.
09.11.2016 12:10Lebemann. Trump machte sich im Unterhaltungsbusiness einen Namen. Bis 2015 war er Miteigentümer der Miss Universe Organization,...

Propaganda-Trommelfeuer auf CNN

Abends habe ich mir im Fernsehen die Polit-Sender angesehen, vor allem den wichtigsten, CNN. In den letzten Tagen vor der Wahl hatte sich CNN komplett in ein Werbeprogramm für Hillary Clinton verwandelt, sie brachten immer wieder Zusammenschnitte der diversen Fehltritte Trumps. Ein ganzer CNN-Abend war der Mobilisierung der schwarzen Wählerschaft für Hillary gewidmet, ein schwarzer Mahner nach dem anderen trat vor die Kamera. Mit Journalismus im herkömmlichen Sinn hatte das nichts mehr zu tun, und erstaunlicherweise ging es nie um Politik. Aus diesen Sendungen konnte man nicht erfahren, was Trump will, was er kritisiert, warum seine Kritik unberechtigt sein könnte. Es ging immer nur um Charakter und ums Persönliche. Trump sei einfach ein gefährlicher Trottel, ein Sexist, ein Chauvinist. Das Verrückte war, dass man, wenn man sich dieses Propaganda-Trommelfeuer länger anschaute, gar nicht anders konnte, als Trump langsam sympathischer zu finden. Seine Botschaft, dass er der Schrecken des Establishments ist und dass die liberalen Eliten mit ihm genauso unfair umgehen wie mit der hart arbeitenden amerikanischen Mittelschicht, wurde ja mit jeder Sendung bestätigt.

Es gibt keine Wahlparties der Parteien. wie bei uns. Die einzelnen Kandidaten laden Freunde und Unterstützer in die großen Hotels ein. Auf der Hauptstraße liefen in ein paar Saloons die Wahlsendungen, in anderen wurde Basketball gezeigt oder sogar Eishockey. Die Wahl wird weniger wichtig genommen als eine Bundestagswahl bei uns, wichtig ist das Lokale. Washington? Fuck it. Auch im Viva-Saloon, der zur Straße hin offen ist, versammelten sich nur 30, 40 Leute. Hin und wieder blieben draußen Passanten stehen, Touristen, und informierten sich kurz. Man konnte immer genau vorhersagen, wer bei Trump-Siegesmeldungen klatscht. Es waren die Leute, die nach körperlicher Arbeit aussehen, Leute mit Tätowierungen, die Frauen ein bisschen zu stark geschminkt, die Männer ein bisschen zu dick oder zu muskelbepackt, die mit den zu kurzen Röcken und mit den geschmacklosen T-Shirts, Leute, die wissen, dass sie für die da oben der Abschaum sind, das blöde Stimmvieh, und die wissen, dass ihre Stimme die einzige Antwort ist, die die diese verdammten Arschlöcher verstehen.  

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