• Wegen Kritik an religiösem Fanatismus: Mörder eines Bloggers in Bangladesch zum Tode verurteilt

Wegen Kritik an religiösem Fanatismus : Mörder eines Bloggers in Bangladesch zum Tode verurteilt

Im muslimisch geprägten, aber säkularen Bangladesch sind die Mörder eines islamkritischen Bloggers zum Tod und zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

Pizisten begleiten die wegen Mordes an einem Blogger Angeklagten und Verurteilten in Bangladesch zum Gericht.
Pizisten begleiten die wegen Mordes an einem Blogger Angeklagten und Verurteilten in Bangladesch zum Gericht.Foto: Munir uz Zaman/AFP

In Bangladesch sind zwei Menschen wegen der Ermordung eines säkularen Bloggers zum Tode verurteilt worden. Das Gericht befand alle acht Angeklagten im Fall des Bloggers Ahmed Rajib Haider schuldig und verurteilte zwei Studenten zum Tode, wie Staatsanwalt Mahbubur Rahman am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Die Ermordung des säkularen Bloggers hatte 2013 für Empörung gesorgt. Die radikalen Muslime hatten den 35-jährigen Ahmed Rajib Haider im Februar 2013 mit Buschmessern zerhackt. Seitdem wurden in dem südasiatischen Land mehrere weitere Blogger ermordet, die sich kritisch über den Islam geäußert hatten.

Der Grund für den Mord war Kritik an Fanatismus

Laut Rahman ist einer der beiden Studenten, die zum Tode verurteilt wurden, auf der Flucht. Ein weiterer Angeklagter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Hassprediger Jashim Uddin Rahmani, der die Studenten zu der Tat inspiriert haben soll, wurde wegen Anstachelung zum Mord zu fünf Jahren Haft verurteilt. Rahmani hatte laut den Studenten gesagt, es sei zulässig, atheistische Blogger, die den Islam kritisieren, zu töten. Der Staatsanwalt äußerte sich unzufrieden mit den Strafen für die anderen Angeklagten.

Laut der Polizei hatte Haider den Zorn der Islamisten auf sich gezogen, weil er sich über den Islam und den Propheten Mohammed lustig machte und sich gegen religiösen Fanatismus ausgesprochen hatte. Haiders Ermordung war die erste in einer Reihe ähnlicher Verbrechen. Zudem hatte der im Internet als Thaba Baba bekannte Blogger geholfen, eine Protestkampagne gegen die islamistische Partei Jamaat-i islami zu starten, deren Anhängern Kriegsverbrechen während des Unabhängigkeitskriegs 1971 vorgeworfen werden.

Die verantwortliche Gruppe verübte und plant weitere Morde

Haiders Ermordung war die erste in einer Reihe ähnlicher Verbrechen. Allein 2015 wurden fünf weitere Blogger und ein Verleger ermordet. Die Verurteilung vom Donnerstag ist die erste in der Mordserie. Laut der Polizei steckt die verbotene Islamistengruppe "Ansarullah Bangla Team" hinter den Taten. Eine Todesliste von Bloggern, auf der laut „Reporter ohne Grenzen“ auch in Deutschland lebende Aktivisten stehen, stammt vermutlich ebenfalls von der Gruppe.

Bangladesch ist ein mehrheitlich muslimisches, aber säkulares Land mit rund 160 Millionen Einwohnern. Auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ belegt Bangladesch Platz 146 von 180 Staaten.

(AFP/epd/dpa)