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Wegen Mordes : Anklage gegen mutmaßlichen Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew

Gegen den mutmaßlichen Boston-Attentäter Dschochar Zarnajew ist Anklage erhoben worden. Er muss sich wegen dreifachen Mordes verantworten.

In Boston wird den Opfern des Boston-Attentats mit Blumen und Fahnen gedacht.
In Boston wird den Opfern des Boston-Attentats mit Blumen und Fahnen gedacht.Foto: dpa

Der überlebende mutmaßliche Bombenattentäter vom Bostoner Marathonlauf, Dschochar Zarnajew, ist wegen dreifachen Mords und des Gebrauchs einer Massenvernichtungswaffe angeklagt worden. Eine sogenannte Grand Jury aus Laienrichtern habe Zarnajew insgesamt 30 Anklagepunkte zur Last gelegt, teilte die Bundesstaatsanwaltschaft in der US-Ostküstenstadt am Donnerstag mit. Allein auf 17 der Anklagepunkte stünden die Todesstrafe oder lebenslange Haft.
Der 19-jährige Zarnajew soll gemeinsam mit seinem 26-jährigen Bruder Tamerlan zwei Bomben im Zieleinlauf des Bostoner Marathons gelegt haben. Bei dem Anschlag Mitte April wurden drei Menschen getötet und mehr als 260 weitere verletzt. Auf ihrer Flucht sollen die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder außerdem einen Polizisten erschossen haben. Die Ermittler kamen Tamerlan und Dschochar Zarnajew durch Videoaufnahmen auf die Spur, die Überwachungskameras am Anschlagsort gemacht hatten. Der ältere Bruder wurde wenige Tage nach der Attacke bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet. Dschochar Zarnajew wurde kurz darauf schwer verletzt gefasst.

Großeinsatz in Boston
Jubel in den USA: Der mutmaßliche zweite Bombenleger von Boston wurde gefasst.
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20.04.2013 08:00Jubel in den USA: Der mutmaßliche zweite Bombenleger von Boston wurde gefasst.

Die Ermittler vermuten einen radikalislamischen Hintergrund. Ende April hatte die US-Justiz ein Strafverfahren gegen den jüngeren Zarnajew eingeleitet. Eine Grand Jury entschied nun, dass die Beweise gegen den mutmaßlichen Attentäter für eine Anklage ausreichen. Am 10. Juli soll er zur Verlesung der Anklage erstmals vor Gericht erscheinen, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag erklärte.
In der Anklageschrift wird Zarnajew vorgeworfen, spätestens ab Februar dieses Jahres gemeinsam mit seinem Bruder einen Bombenanschlag geplant zu haben. Am 15. April hätten die Brüder dann zwei Sprengsätze inmitten der jubelnden Menge beim Bostoner Marathon gelegt und diese im Abstand von wenigen Sekunden gezündet.
Die Bomben bauten die beiden den Angaben zufolge selbst aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammen. Als die Bundespolizei FBI die Fahndungsfotos der Verdächtigen veröffentlichte, seien die Zarnajew-Brüder am 18. April mit fünf weiteren Sprengsätze, einer halbautomatischen Pistole, einer Machete sowie einem Jagdmesser zum Campus der Universität MIT gefahren. Dort hätten sie den Polizisten Sean Collier erschossen, heißt es in der Anklageschrift. Anschließend hätten die Brüder einen Mercedes gestohlen, den Fahrer entführt und ausgeraubt.


Nachdem ihre Geisel flüchten konnte, sollen Tamerlan und Dschochar Zarnajew sich den Angaben zufolge eine Schießerei mit Polizisten geliefert haben. Dabei hätten die Brüder vier weitere Bomben auf die Beamten geworfen. Dschochar Zarnajew habe dann auf der Flucht seinen Bruder mit dem Mercedes überfahren. Anschließend habe sich der 19-Jährige im Bostoner Vorort Watertown in einem trockengelegten Boot versteckt, wo er am darauffolgenden Abend festgenommen worden sei.
Bei der Suche nach einem Motiv hatte das FBI vor allem eine sechsmonatige Kaukasus-Reise von Tamerlan Zarnajew im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen. Dort könnte der ältere Bruder mit radikalen Islamisten in Kontakt gestanden haben. Die US-Behörden gehen aber davon aus, dass die Attentäter allein handelten. Dschochar Zarnajew soll Medienberichten zufolge vor seiner Festnahme in seinem Versteck ein Bekennerschreiben verfasst haben. Er habe den Anschlag darin als Vergeltung für US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan bezeichnet. „Wer einen Muslim angreift, greift alle Muslime an“, soll der 19-Jährige an die Innenwand des Boots gekritzelt haben. (Afp)

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