Wieder Wechsel im Wahlkampfteam : Donald Trump nimmt keinen Rat an

Der Präsidentschaftskandidat tauscht die Führung seiner Kampagne aus - weil er zurückfällt, aber an eigenen Fehlern nicht arbeiten will. Ein Kommentar.

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Donald Trump verspricht, präsidialer aufzutreten. Und fällt doch immer wieder zurück in den gewohnten Stil der Beleidigungen und Provokationen.
Donald Trump verspricht, präsidialer aufzutreten. Und fällt doch immer wieder zurück in den gewohnten Stil der Beleidigungen und...Foto: Darren Hauck/AFP

Wenn es schlecht läuft, muss jemand den Kopf hinhalten. In Donald Trumps Welt sind das immer andere, nicht er. Statt an sich selbst zu arbeiten und seine Fehler abzustellen, tauscht er die Führung seiner Kampagne aus.

Der Neue hat eine Vorgeschichte mit Trumps Team

Vor gut zwei Monaten atmeten viele auf, denn da schien er eine Wende zur Seriosität einzuleiten. Diesmal ist das anders. Die Handschuhe werden abgelegt. Der neue Unterboss ist ein Mann fürs Grobe, der Konflikte nicht scheut. Und es gibt da eine pikante Verbindung zu Team Trump: den Konflikt um den Vorwurf der Körperverletzung einer Reporterin, der zum Sturz des Vorvorgängers an der Spitze von Trumps Wahlkampfteam beitrug.

Rasche Rückblende auf Mitte Juni. Trump fiel damals in den Umfragen zurück. Beim Spendenaufkommen lag er weit hinter Hillary Clinton. Seine Reibereien mit den US-Medien wuchsen. Da feuerte er seinen damaligen Wahlkampfmanager Corey Lewandowski; der war durch seine verbalen und physischen Attacken auf kritische Journalisten aufgefallen. An die Spitze rückte Paul Manafort, ein Anzugträger mit seriöserem Habitus. Den hatte Trump bereits im April in sein Team geholt - ursprünglich mit der Aufgabe, ihm die nötigen Delegierten für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat beim Parteitag zu sichern. Fortan bestimmte Manafort die Linie.

Immer nur Beleidigungen - das schreckt viele ab

Das wurde seinerzeit als Einsicht interpretiert. Immer nur Angriff, immer nur Provokation - das bindet zwar die Fans, die vom klassischen Politiker-Typus die Nase voll haben und sich deshalb Trump zuwenden. Aber es hindert ihn daran, seine Anziehungskraft auf die potenziellen Wähler zu erweitern, die ein Minimum an Zivilität erwarten und von handfesten Beleidigungen abgeschreckt werden. Ohne die kann er keine Mehrheit gewinnen.

Zurück zur Lage Mitte August: Trump fällt in den Umfragen zurück, beim Spendenaufkommen liegt er hinter Hillary Clinton, seine Reibereien mit den US-Medien wachsen. Nun wird Manafort zwar nicht gleich gefeuert, aber deutlich degradiert. Der neue Unterboss wird Stephen Bannon, bisher Executive Chairman von Breitbart News, einer konfliktfreudigen konservativen Medienorganisation, die sich bestens auf verdeckte Recherchemethoden und die Bloßstellung der politischen Konkurrenz links der Mitte versteht. Er war zugleich der Boss von Michelle Fields - der Reporterin, die Corey Lewandowski wegen Körperverletzung vor Gericht brachte.

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Trumps Chancen aufs Weiße Haus schwinden

Im Schnitt der nationalen Umfragen liegt Trump derzeit rund sieben Prozentpunkte hinter Clinton. In wahlentscheidenden Staaten, die er gewinnen muss, um das Weiße Haus zu erobern wie Florida, Michigan, New Hampshire, Ohio, Pennsylvania, Virginia, Wisconsin fällt er immer weiter zurück. Beim Spendeneinwerben hat er Schwierigkeiten. Viele klassische Wahlkampfspender der Republikaner fühlen sich abgeschreckt durch seinen hemdsärmeligen, vulgären Stil. Sie sind noch bereit, für die Partei zu spenden und für Abgeordnete und Senatoren, damit die in hart umkämpften Wahlkreisen nicht hoffnungslos unterliegen. Aber die meisten wollen kein Geld für Trump spenden.

Trump kündigt zwar immer wieder an, er wolle nun einen "präsidialen Ton" anschlagen, wird aber rasch wieder rückfällig und tritt mit impulsiven und oft unüberlegten Äußerungen an die Öffentlichkeit. In jüngster Zeit gehörten dazu seine Angriffe auf eine muslimische Familie, deren Sohn als US-Soldat im Irak gefallen war; der öffentliche Vorschlag, russische Hacker könnten womöglich aktiv werden, um fehlende Emails aus Clintons Zeit als Außenministerin aufzufinden; sowie die bewusst zweideutig formulierte Anregung, dass die Anhänger des freien Waffenbesitzes vielleicht verhindern könnten, dass Clinton Präsidentin werde - was Demokraten prompt als Aufruf interpretierten, ihre Kandidatin zu erschießen.

Trump reagiert verärgert, wenn die US-Medien mehr über seine neuen Entgleisungen berichten als über die Grundsatzreden, die er zur Sicherheits-, Steuer- oder Außenpolitik hält. Seine Berater haben ihn mehrfach gedrängt, seinen Ton zu mäßigen und präsidialer aufzutreten. Die neuen Personalentscheidungen zeigen: Er ist nicht bereit, diesen Rat anzunehmen.

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