Willy-Brandt-Flughafen : Verspäteter Start in Schönefeld

08.05.2012 20:27 Uhrvon , , Maximilian Vogelmann
Noch in Arbeit. Der neue Willy-Brandt-Flughafen. Foto: dpa
Noch in Arbeit. Der neue Willy-Brandt-Flughafen. - Foto: dpa

Der Willy-Brandt-Flughafen wird später als geplant in Betrieb gehen. Das kostet Nerven und Geld. Wie groß ist der Schaden?

Die Nachricht überraschte am Dienstag alle. Probleme beim Brandschutz verzögern die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg um unbestimmte Zeit. Knapp vier Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme sind Planer und Verantwortliche in Erklärungsnot.

Was ist das Problem?

Offiziell sagt die Flughafengesellschaft, die Zeit reiche nicht mehr aus, um die Entrauchungsanlage zu testen und abzunehmen. Sie sei wegen ihrer Größe in dem 300 000-Quadratmeter-Bau äußerst komplex. Einzelne Tests hätten auch schon stattgefunden und seien erfolgreich gewesen, hatte der für den Bau zuständige Flughafengeschäftsführer Manfred Körtgen noch vor wenigen Tagen erklärt.

Alle Anlagen seien eingebaut; Probleme gebe es jetzt beim Zusammenführen der einzelnen Komponenten. Da man nicht garantieren könne, dass derzeit bei einem Brand die Evakuierung des Terminals gesichert wäre, könne der Betrieb nicht aufgenommen werden.

Sehen Sie in der Bildergalerie: So soll der neue Flughafen aussehen

Gibt es auch andere Ursachen?

Die Flughafengeschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen sagen: Nein. Experten, die die Baustelle kennen, hatten allerdings schon seit Wochen erhebliche Zweifel, ob der Termin gehalten werden kann. Auch der Aufsichtsrat hatte zuletzt weiteres Geld lockergemacht, um die Arbeiten zu beschleunigen, wie der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wowereit (SPD) am Dienstag nochmals bestätigte. Die Begründung mit dem fehlenden Brandschutz führt jetzt aber dazu, dass fast alle Verständnis für das Verschieben des Eröffnungstermins haben, denn Sicherheit gehe nun mal vor, heißt es nun übereinstimmend.

Sehen Sie hier einige Impressionen des Berliner Scheiterns:

Warum wusste man das nicht früher?

Wer was seit wann genau gewusst hat, ist eine unbeantwortete Frage. Die Flughafengesellschaft erklärt selbst, die geplante Inbetriebnahme zum 3. Juni habe sich zuletzt „zu einem regelrechten Wettlauf gegen die Zeit“ entwickelt. Zumindest den Flughafenplanern war also schon länger klar, dass es bei der Terminplanung eng werden kann. Trotzdem hatten sie stets Optimismus verbreitet und unisono verkündet, der 3. Juni stehe als Termin felsenfest. Wowereit als Aufsichtsratschef betonte am Dienstag, er habe bis zum Wochenende diesen Angaben geglaubt und den 3. Juni immer „mit reinem Gewissen“ als Termin bestätigt. Warum der Aufsichtsrat nicht früher von den Problemen erfuhr, solle jetzt geklärt werden, kündigte Wowereit an. Vorher werde es auch keine Konsequenzen geben. Dass der Termin an einer Entrauchungsanlage scheitere, dass große Firmen und erfahrene Experten „so ein Ding nicht hinkriegen, dafür hat mir bislang die Fantasie nicht ausgereicht“, sagte er.

Wer hat Schuld und wer haftet?
Diese Fragen dürfte am Ende Gerichte beschäftigen, wenn es um zivilrechtliche Schadenersatzforderungen geht, die Airlines, Hoteliers und Gastronomen an die Berliner Flughäfen richten könnten. Die Flughafen-Chefs dürften versuchen, die Verantwortung an die Unternehmen weiterzureichen, die am Bau und Einbau der Entrauchungsanlage beteiligt sind: Das seien unter anderem Siemens und Bosch, teilten die Flughäfen mit. Diese wiesen die Verantwortung prompt zurück: Von Siemens sei noch ein einzelnes Objekt in Fertigstellung. „Dieses kann erst fertiggestellt und abschließend geprüft werden, wenn vorgelagerte Projektschritte abgeschlossen sind.“ Auch bei Bosch teilte man mit, man sei nicht verantwortlich und liege voll im Zeitplan. Gut möglich, dass Bund und Länder also am Ende die Kosten tragen müssen. Wie man hört, liegen die Baukosten schon mehr als zehn Prozent über den veranschlagten 2,5 Milliarden Euro. Was an Haftungskosten dazukommt, ist noch offen.

Sehen Sie hier in einer Bildergalerie, wie der neue Großflughafen entsteht:

Wann soll der Flughafen in Betrieb gehen?

Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Fest steht: nicht vor dem Ende der Sommerferien Anfang August. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hofft auf die „zweite Augusthälfte“. Wowereit sagte, der Zeitraum der Verschiebung solle „so gering wie möglich“ gehalten werden, denn „das kostet ja alles Geld“. Genannt werden unter der Hand Zusatzkosten von 15 Millionen Euro monatlich. Ob das veranschlagte Budget in Höhe von 2,5 Milliarden Euro ausreichen wird, ließ Wowereit am Dienstag offen. Der finanzielle Spielraum sei aber eng geworden. Wowereit erwartet, dass die Flughafengesellschaft mögliche Mehrkosten selbst finanzieren wird. Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund haben bisher 440 Millionen Euro beigesteuert.

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