Willy-Brandt-Flughafen : Verspäteter Start in Schönefeld

Der Willy-Brandt-Flughafen wird später als geplant in Betrieb gehen. Das kostet Nerven und Geld. Wie groß ist der Schaden?

von , und Maximilian Vogelmann
Noch in Arbeit. Der neue Willy-Brandt-Flughafen.
Noch in Arbeit. Der neue Willy-Brandt-Flughafen.Foto: dpa

Die Nachricht überraschte am Dienstag alle. Probleme beim Brandschutz verzögern die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg um unbestimmte Zeit. Knapp vier Wochen vor der geplanten Inbetriebnahme sind Planer und Verantwortliche in Erklärungsnot.

Was ist das Problem?

Offiziell sagt die Flughafengesellschaft, die Zeit reiche nicht mehr aus, um die Entrauchungsanlage zu testen und abzunehmen. Sie sei wegen ihrer Größe in dem 300 000-Quadratmeter-Bau äußerst komplex. Einzelne Tests hätten auch schon stattgefunden und seien erfolgreich gewesen, hatte der für den Bau zuständige Flughafengeschäftsführer Manfred Körtgen noch vor wenigen Tagen erklärt. Alle Anlagen seien eingebaut; Probleme gebe es jetzt beim Zusammenführen der einzelnen Komponenten. Da man nicht garantieren könne, dass derzeit bei einem Brand die Evakuierung des Terminals gesichert wäre, könne der Betrieb nicht aufgenommen werden.

Sehen Sie in der Bildergalerie: So soll der neue Flughafen aussehen

So wird der neue Flughafen Berlin-Brandenburg aussehen
Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Alexander Obst/Marion Schmieding/Berliner Flughäfen
25.11.2011 12:09Ein Terminal aus Licht - die Abfertigungshalle am neuen Flughafen BER.

Gibt es auch andere Ursachen?

Die Flughafengeschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen sagen: Nein. Experten, die die Baustelle kennen, hatten allerdings schon seit Wochen erhebliche Zweifel, ob der Termin gehalten werden kann. Auch der Aufsichtsrat hatte zuletzt weiteres Geld lockergemacht, um die Arbeiten zu beschleunigen, wie der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wowereit (SPD) am Dienstag nochmals bestätigte. Die Begründung mit dem fehlenden Brandschutz führt jetzt aber dazu, dass fast alle Verständnis für das Verschieben des Eröffnungstermins haben, denn Sicherheit gehe nun mal vor, heißt es nun übereinstimmend.

Sehen Sie hier einige Impressionen des Berliner Scheiterns:

Berlins Problemzonen
Stahldrähte ragen aus dem Beton, im Sommer 2010 begann die Sanierung der Staatsoper. Erst im Rahmen eines Hauptstadtfinanzierungsvertrags verpflichtete sich der Bund 2007, für die Grundsanierung der Staatsoper 200 Millionen Euro auszugeben.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: dpa
08.05.2012 17:15Stahldrähte ragen aus dem Beton, im Sommer 2010 begann die Sanierung der Staatsoper. Erst im Rahmen eines...

Warum wusste man das nicht früher?

Wer was seit wann genau gewusst hat, ist eine unbeantwortete Frage. Die Flughafengesellschaft erklärt selbst, die geplante Inbetriebnahme zum 3. Juni habe sich zuletzt „zu einem regelrechten Wettlauf gegen die Zeit“ entwickelt. Zumindest den Flughafenplanern war also schon länger klar, dass es bei der Terminplanung eng werden kann. Trotzdem hatten sie stets Optimismus verbreitet und unisono verkündet, der 3. Juni stehe als Termin felsenfest. Wowereit als Aufsichtsratschef betonte am Dienstag, er habe bis zum Wochenende diesen Angaben geglaubt und den 3. Juni immer „mit reinem Gewissen“ als Termin bestätigt. Warum der Aufsichtsrat nicht früher von den Problemen erfuhr, solle jetzt geklärt werden, kündigte Wowereit an. Vorher werde es auch keine Konsequenzen geben. Dass der Termin an einer Entrauchungsanlage scheitere, dass große Firmen und erfahrene Experten „so ein Ding nicht hinkriegen, dafür hat mir bislang die Fantasie nicht ausgereicht“, sagte er.

Wer hat Schuld und wer haftet?
Diese Fragen dürfte am Ende Gerichte beschäftigen, wenn es um zivilrechtliche Schadenersatzforderungen geht, die Airlines, Hoteliers und Gastronomen an die Berliner Flughäfen richten könnten. Die Flughafen-Chefs dürften versuchen, die Verantwortung an die Unternehmen weiterzureichen, die am Bau und Einbau der Entrauchungsanlage beteiligt sind: Das seien unter anderem Siemens und Bosch, teilten die Flughäfen mit. Diese wiesen die Verantwortung prompt zurück: Von Siemens sei noch ein einzelnes Objekt in Fertigstellung. „Dieses kann erst fertiggestellt und abschließend geprüft werden, wenn vorgelagerte Projektschritte abgeschlossen sind.“ Auch bei Bosch teilte man mit, man sei nicht verantwortlich und liege voll im Zeitplan. Gut möglich, dass Bund und Länder also am Ende die Kosten tragen müssen. Wie man hört, liegen die Baukosten schon mehr als zehn Prozent über den veranschlagten 2,5 Milliarden Euro. Was an Haftungskosten dazukommt, ist noch offen.

Sehen Sie hier in einer Bildergalerie, wie der neue Großflughafen entsteht:

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
1 von 134Foto: dapd
13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Wann soll der Flughafen in Betrieb gehen?

Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Fest steht: nicht vor dem Ende der Sommerferien Anfang August. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hofft auf die „zweite Augusthälfte“. Wowereit sagte, der Zeitraum der Verschiebung solle „so gering wie möglich“ gehalten werden, denn „das kostet ja alles Geld“. Genannt werden unter der Hand Zusatzkosten von 15 Millionen Euro monatlich. Ob das veranschlagte Budget in Höhe von 2,5 Milliarden Euro ausreichen wird, ließ Wowereit am Dienstag offen. Der finanzielle Spielraum sei aber eng geworden. Wowereit erwartet, dass die Flughafengesellschaft mögliche Mehrkosten selbst finanzieren wird. Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund haben bisher 440 Millionen Euro beigesteuert.

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