• Zahl der Zuwanderer so hoch wie nie: Jeder fünfte Deutsche hat einen Migrationshintergrund

Zahl der Zuwanderer so hoch wie nie : Jeder fünfte Deutsche hat einen Migrationshintergrund

20,3 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Diese Zahl ist innerhalb eines Jahres um drei Prozent gestiegen - vor allem wegen der überdurchschnittlich starken Zuwanderung.

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Die Zuwanderung nach Deutschland hat deutlich zugenommen. Unser Foto: Eine türkische Frauen in einem Schulungsraum für Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg.
Die Zuwanderung nach Deutschland hat deutlich zugenommen. Unser Foto: Eine türkische Frauen in einem Schulungsraum für Menschen...Foto: Patrick Lux/picture-alliance/ dpa

Die starke Zuwanderung der vergangenen Jahre zeigt statistische Wirkung: 16,4 Millionen Menschen in Deutschland hatten im Jahr 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) mittlerweile einen Migrationshintergrund. Das entsprach einem Anteil von 20,3 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Damit stieg dieser Wert innerhalb eines Jahres um drei Prozent. Das geht aus dem Mikrozensus 2014 hervor.

Nach Angaben des Bundesamtes ist dies vor allem auf die wachsende Zahl der Zuwanderer zurückzuführen: 10,9 Millionen Zuwanderer lebten 2014 in Deutschland. Das sind eine Million oder 10,6 Prozent mehr als im Jahr 2011 und gleichzeitig der höchste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund ging dagegen seit 2011 um 885 000 zurück, was einem Minus von 1,4 Prozent entsprach.

Mehr als die Hälfte der Menschen mit Migrationshintergrund (56 Prozent) besitzt einen deutschen Pass. Selbst in der Gruppe der Zugewanderten lag der Anteil bei 46,1 Prozent.

Seit 2011 ist die Zahl der Zuwanderer von Jahr zu Jahr angestiegen. Besonders deutlich war der Zuwachs bei Zuwanderern aus der Europäischen Union mit 620 000 Personen. Das entspricht einem Anstieg von 18,3 Prozent. Den höchsten Anteil hatten dabei Migranten und Migrantinnen aus Polen. Ihre Zahl wuchs um 179 000, was einem Anstieg von 16,7 Prozent entsprach. Bei Rumänen stieg die Zahl sogar um 28,7 Prozent. Besonders hoch war auch der Anstieg der Zuzügler aus Bulgarien mit 79,4 und Ungarn mit 51,9 Prozent. Aus außereuropäischen Staaten kamen vor allem Migrantinnen und Migranten aus China - mit einem Plus von 38 000 oder 54,1 Prozent. Aus dem Bürgerkriegsland Syrien kamen 35 000 Menschen mehr, was einem Anstieg von 96,8 Prozent entspricht. Um 60,6 Prozent stieg aber auch die Zahl der Zuwanderer aus Indien.

Der Bildungsstand der zugezogenen Bevölkerung hat sich nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Statistik in der langen Zuwanderungshistorie Deutschlands deutlich verändert. So hatten bei den 25- bis 35-Jährigen, die bis 1990 zugezogen waren, nur 18,1 Prozent einen Hochschulabschluss. Bei den seit 2011 Zugezogenen in dieser Altersgruppe waren es bereits 43,7 Prozent mit Hochschulabschluss.

Zum Vergleich: 24,1 Prozent der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund konnten 2014 einen Hochschulabschluss vorweisen. Allerdings hatten auch 27,8 Prozent der seit 2011 Zugewanderten keinen Berufsabschluss, deutlich mehr als Personen ohne Migrationshintergrund (9,1 Prozent).

War für 37 Prozent der seit 1960 nach Deutschland Zugewanderten die Familienzusammenführung der wichtigste Grund für die Entscheidung, hat sich diese Motivlage seither deutlich verschoben. Für seit 2008 Zugewanderte war mit 28,1 Prozent eine Beschäftigung in Deutschland der wichtigste Grund für die Zuwanderung. Bereits 56,9 Prozent dieser Befragten hatten bei der Einreise bereits einen Job in Deutschland.

Der Mikrozensus ist nach Angaben des Bundesamtes für Statistik eine Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt wird. Um aus den erhobenen Daten Aussagen über die Gesamtbevölkerung ziehen zu können, müssen die Daten nach Angaben der Behörde entsprechend hochgerechnet werden.  

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