Politik : Zu viel Gewalt: Erste Schule in Berlin gibt auf

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Berlin - Zum ersten Mal hat eine Berliner Rektorin wegen nicht mehr kontrollierbarer Schülergewalt um die Auflösung ihrer Schule gebeten. In einem Brief an die Behörden, den die Gesamtkonferenz einstimmig beschlossen hat, erbittet die Schulleiterin sofortige Hilfe, „um die aktuelle Situation erträglicher zu machen“. Es handelt sich um die Neuköllner Rütli-Schule, an der inzwischen weniger als 20 Prozent der Schüler deutscher Herkunft sind.

Dem Schreiben zufolge findet ein geordneter Unterricht nicht mehr statt. Die Stimmung sei geprägt von Zerstörung, Gewalt und menschenverachtendem Verhalten. Lehrer würden völlig ignoriert und zum Teil attackiert; in bestimmte Klassen gingen sie nur noch mit Handys, um Hilfe holen zu können. Die Belastung sei unerträglich geworden, die Schule am Ende der Sackgasse angekommen. Es gebe keine Wendemöglichkeit mehr. Kurzfristig brauche man dringend eine Kraft, die bei Krisen eingreift.

Eine Auflösung der Schule würde bedeuten, dass sämtliche Schüler getrennt in anderen Schulen untergebracht werden müssten. Die Rütli-Schule könnte später nach den Vorstellungen der Schulleiterin als neue Schulform mit gänzlich neuer Zusammensetzung wieder eröffnet werden.

Die Schulbehörde lehnt das Ansinnen der Rektorin ab. Der zuständige Referent beim Bildungssenator vertritt die Meinung, dass die Schule noch eine Perspektive habe. Er verweist darauf, dass die Schule jetzt einen Sozialarbeiter bekomme. Das Bezirksamt erklärte, künftig werde mehr auf eine ausgeglichene Schülerzuweisung geachtet. Der Anteil der Kinder arabischer Herkunft liegt in den siebten Klassen mittlerweile bei 44 Prozent. Kinder deutscher Herkunft, die als „Schweinefleischfresser“ verspottet werden, versuchen sich in der Rütli-Schule den Gewohnheiten der Mehrheit anzupassen und sprechen zunehmen bewusst auch gebrochenes Deutsch, um weniger aufzufallen. sve

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