ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN ORT? : Die Odyssee des Murat Kurnaz

Murat Kurnaz, der in Bremen geborene Sohn türkischer Gastarbeiter, reiste 2001, bald nach den Anschlägen vom 11. September, als 19-Jähriger ohne Wissen seiner Eltern nach Pakistan, angeblich zum Islamstudium. Ermittler vermuteten zunächst, der strenggläubige Muslim wolle im benachbarten Afghanistan kämpfen. Ein Nordafrikaner, der im Mai 2011 in Tunesien als mutmaßliches Al-Qaida-Mitglied getötet wurde, soll ihm damals den Flug bezahlt haben. Ende 2001 wurde Kurnaz – angeblich auf der Busfahrt zum Rückflug – festgenommen. Im afghanischen US-Stützpunkt Kandahar und im US-Lager Guantanamo Bay am Rande Kubas wurde er offenbar gefoltert. Gegen Kurnaz gab es lediglich vage Indizien, die oft nur vom Hörensagen stammten oder auf Verwechslungen beruhten und weder in Deutschland noch in den USA für eine Anklage reichten. Deutsche Geheimdienstbeamte meinten 2002, er sei nur „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen. Doch die damalige rot-grüne Bundesregierung wollte ihn nicht wieder zurückholen. Erst Kanzlerin Merkel bewirkte 2006 seine Freilassung – nach viereinhalb Jahren rechtsstaatswidriger Gefangenschaft. stg

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