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0:1 gegen Aue : Union Berlin erleidet nächsten Rückschlag

Im Kampf um den Aufstieg folgt nach der Niederlage in Hannover ein 0:1 gegen Aue. Union Berlin fällt damit auf den vierten Platz zurück.

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Unions Cheftrainer Jens Keller blickt in die Zukunft. Foto: dpa
Unions Cheftrainer Jens Keller blickt in die Zukunft.Foto: dpa

Sebastian Polter stützte am Mittelkreis stehend die Hände in die Hüften und schaute ungläubig in die eigene Hälfte. Dort waren alle Ersatzspieler von Erzgebirge Aue samt Trainerteam aufs Feld gerannt und bildeten vor dem eigenen Block eine Jubeltraube. Alle lagen auf allen, Szenen wie sonst höchstens nach dem Abpfiff, dabei waren zu diesem Zeitpunkt noch mehr als zehn Minuten zu spielen. Calogero Rizzuto hatte seine Mannschaft nach Vorarbeit von Dimitri Nazarov mit einer Direktabnahme am zweiten Pfosten in Führung gebracht. Und so wie das Fußballspiel zwischen dem 1. FC Union und Aue bis zu diesem Zeitpunkt gelaufen war, schien klar, dass dieses Tor wohl die Entscheidung brachte.

Tatsächlich blieb es am Ende beim 0:1 (0:0) aus Berliner Sicht vor 20 877 Zuschauern. Für Union bedeutete die Niederlage einen herben Rückschlag im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg, die Mannschaft von Trainer Jens Keller fiel auf Platz vier zurück, der ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga bedeuten würde. „Der Sieg war verdient, wir haben Fehler gemacht, die ich so von meiner Mannschaft nicht kannte“, sagte Keller.

Erzgebirge Aue griff mit drei Stürmern an

Die vermeintlich leichte Aufgabe gegen den Abstiegskandidaten entwickelte sich von der ersten Minute an zu einer höchst komplizierten Angelegenheit. Gleich in der Anfangsphase vertändelte Dennis Daube den Ball, Sören Bertram schloss schnell ab und Unions Torhüter Daniel Mesenhöler konnte den Schuss nur mit Mühe zur Seite lenken, ehe Christopher Trimmel den Abpraller bereinigte. Nein, Aue spielte nicht wie eine Mannschaft, die sich im Existenzkampf befindet. Der FC Erzgebirge griff mit drei Stürmern an, die den Berliner Spielaufbau frühzeitig unterbanden. Bei eigenem Ballbesitz schoben sich die Außen weit nach vorn, in der Defensive wurde aus der Dreierkette meist eine Fünferkette. In der ersten halben Stunde liefen Aues Spieler aggressiv an, so mutig und forsch hatten sich diese Saison nur wenige Mannschaften in der Alten Försterei gezeigt. Das erinnerte stark an den Fußball, mit dem die TSG Hoffenheim derzeit durch die Bundesliga wirbelt. Und tatsächlich hat Aues Trainer Domenico Tedesco eine Hoffenheimer Vergangenheit. Wie sein Freund Julian Nagelsmann war er lange Jugendtrainer der TSG, ehe er vor etwas mehr als einem Monat das Angebot von Aue annahm. Unter seiner Führung konnte der Klub die Abstiegsränge verlassen und holte nun elf Punkte aus sechs Spielen.

Aue hatte die bessere Spielanlage

Union fand für sehr lange Zeit überhaupt kein Mittel, Aue war die überlegene Mannschaft mit den etwas zwingenderen Chancen und der besseren Spielanlage. Die beste Berliner Möglichkeit bot sich Sebastian Polter, nachdem Aues Torwart Martin Männel ein Abschlag völlig misslang. Heraus gespielte Chancen gab es nicht. Die Berliner bewegten sich zu wenig, oft wirkten die Angriffsbemühungen statisch. „Wir haben nicht das abgerufen, was wir können. Wir waren nicht bereit – warum auch immer“, sagte Kapitän Felix Kroos. Trainer Keller sagte: „Jeder hatte Angst, Fehler zu machen.“

Unions Spiel blieb verkrampft. Aue dachte gar nicht daran, die Strategie zu ändern und griff weiter an. Ein Schuss von Pascal Köpke, Sohn des ehemaligen Nationaltorwarts Andreas Köpke, striff nur knapp am Pfosten vorbei. Dimitri Nazarov versuchte es zwei Mal erfolglos aus der Ferne. Je länger das Spiel dauerte, desto hilfloser wurden die Berliner Bemühungen. Nur einmal noch, in der letzten Minute der regulären Spielzeit, flog ein hoher Ball in den Strafraum der Gäste, aber dort wartete nicht Sebastian Polter, sondern Kenny Prince Redondo. Der aber ist kein Kopfballspezialist. Der Ball flog knapp am Tor vorbei, passend zu diesem aus Berliner Sicht vollkommen misslungenen Vorabend.     

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