1. FC Union Berlin : Ein Team emanzipiert sich

Beim 3:1-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim beweist die Offensive des 1. FC Union, dass sie auch ohne Toptorjäger Sebastian Polter für Torgefahr sorgen kann.

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Vertretbar. Unions Sebastian Polter wurde gegen Heidenheim gut ersetzt.
Vertretbar. Unions Sebastian Polter wurde gegen Heidenheim gut ersetzt.Foto: dpa

Mit einem Mikrofon in der Hand stand Sebastian Polter vor dem Eingang zu den Umkleideräumen und tat einen Moment lang so, als wolle er seine siegreichen Kollegen interviewen. Die lehnten jedoch flachsend ab, und als die Sache immer aussichtsloser wurde, beendete Polter seine nur wenige Augenblicke währende Reporterkarriere, indem er das geliehene Mikrofon wieder dem eigentlichen Fragesteller zurückgab.

Egal was der Stürmer des 1. FC Union auch versuchte, es wollte sich einfach keine Beschäftigung finden für ihn. Den 3:1-Sieg seiner Mannschaft gegen den 1. FC Heidenheim hatte er aufgrund einer Sperre von der Tribüne aus verfolgen müssen. Was Polter da zu sehen bekam, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen: Nämlich, dass der 1. FC Union auch ganz gut ohne seinen derzeit besten Torschützen auskommen kann. Eine nicht ganz unwichtige Erkenntnis, schließlich wird sich der Berliner Zweitligist nach derzeitiger Informationslage an diesen Zustand gewöhnen müssen. Polter ist nur ausgeliehen vom Bundesligisten FSV Mainz 05 und soll im Sommer zu seinem eigentlichen Arbeitgeber zurückkehren. Den 23-Jährigen zu halten, dürfte schwer werden für den 1. FC Union, mit seinen acht Saisontoren hat sich Polter längst wieder in Mainz in Erinnerung gerufen. „Die vertragliche Situation ist klar geregelt, Sebastian hat noch zwei Jahre lang einen Vertrag mit Mainz“, sagt Polters Berater Branko Panic. Gespräche über die weitere Zukunft des Angreifers erwartet Panic auch nicht vor „Ende April, Anfang Mai.“

Gegen Heidenheim funktionierte die Berliner Offensive aber auch ohne Polter. Sören Brandy nahm dessen Position im Zentrum ein und interpretierte die Rolle auf seine Art. Brandy ist ein anderer Spielertyp, laufstärker, wuseliger als der robuste Polter, dessen große Stärke die Ballbehauptung ist. Gegen die großgewachsene Heidenheimer Viererkette passte Brandys Stil gut, zumal der von den ebenfalls sehr beweglichen Außenangreifern Christopher Quiring und Steven Skrzybski hervorragend unterstützt wurde.

Verteidiger Fabian Schönheim bereitete gegen Heidenheim alle drei Tore vor

„Sebastian ist ein wichtiger Spieler für uns, aber wir haben auch andere Offensivspieler, die Tore erzielen können“, sagte Fabian Schönheim, der gegen Heidenheim eines seiner besten Spiele im Trikot des 1. FC Union zeigte. Als linker Außenverteidiger aufgeboten, bereitete er alle drei Berliner Treffer vor. Ähnlich wie Schönheim betrachtete auch Unions Trainer Norbert Düwel die Leistung seiner neu formierten Offensive. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht allein der 1. FC Sebastian Polter sind“, sagte Düwel, und freute sich auch über die drei verschiedenen Torschützen Damir Kreilach, Sören Brandy und Christopher Quiring. „Ich wusste und war überzeugt, dass auch andere in die Bresche springen, wenn Sebastian ausfällt. Das ist eine Qualität der Mannschaft.“ Nur will Düwel diese Qualität nicht überstrapazieren. „Dass wir Sebastian trotzdem vermissen, wenn er nicht spielen kann, ist gar keine Frage, schon allein, weil wir mit ihm unberechenbarer sind“, sagt Unions Trainer.

Am kommenden Sonntag bei RB Leipzig (13.30 Uhr) kann Norbert Düwel wieder auf Polter zurückgreifen. Dann steht der Trainer vor der schweren Aufgabe, seine erfolgreiche Offensive umformieren zu müssen. Dass Düwel trotz der starken Leistung seiner Angreifer im Heimspiel gegen Heidenheim nun in Leipzig auf Polter verzichtet, ist so gut wie ausgeschlossen.

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